Sprache, Accesskey 1, Direkt zum Inhalt, Accesskey 2, Direkt zur Hauptnavigation, Accesskey 3

Landesamt für Kultur und Denkmalpflege: Entdecke Mecklenburg-Vorpommern



Fund des Monats Februar

Ein Gast aus dem Norden

Abb. 1. Schnabelfibeln wie diese<br>sind Anzeiger für Kontakte zwi-<br>schen nördlichem und südlichem<br>Ostseeraum
Abb. 1. Schnabelfibeln wie diese
sind Anzeiger für Kontakte zwi-
schen nördlichem und südlichem
Ostseeraum

Unweit der auf der gleichnamigen Insel Usedom gelegenen Stadt fand der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Karl Rausch eine bronzene Fibel, die recht gut erhalten und als Schnabelfibel zu bestimmen war. Es ist dies ein Fibeltyp, der in Skandinavien in mehreren Varianten vorkommt, außerhalb dieses Raumes allerdings zu den ausgesprochenen Seltenheiten zählt. Die Fibel lag im Bereich einer spätkaiserzeitlichen Siedlung, ebenso wie ein vergoldeter Tierkopffuß einer völkerwanderungszeitlichen Fibel und anderes mehr.

Schnabelfibeln gehörten in der so genannten Vendelzeit zur Grundausstattung der skandinavischen Frauentracht. So wurden allein in dem südschwedischen Fundplatz von Uppåkra mehr als 200 solcher Fibeln entdeckt. Die 4,6 cm lange und mit durchbrochenen Armen versehene Usedomer Fibel gehört zu einem frühen Typ der Schnabelfibeln und datiert in die zweite Hälfte des 6. Jahrhunderts. Etwas jünger – nämlich um 600 – ist eine Schnabelfibel mit geschlossenen Armen aus der Umgebung von Menzlin anzusetzen.

Damit liegen aus dem östlichen Landesteil in Vorpommern nunmehr zwei derartige Fibeln vor, die Kontakte mit Skandinavien andeuten. Ebenfalls in die Vendelzeit gehören weitere Funde aus Mecklenburg-Vorpommern, wie die bekannte Drachenfibel von Nehringen, Vogelfibeln aus Dierkow und Schönfeld, thüringische Zangenfibeln aus Schwanbeck und Friedland, Reste von Spangenhelmen aus Demmin und Sukow, Bügelfibeln aus Rossow, Kölln und Groß Pankow sowie eine goldene Vogelwirbelfibel mit Almandineinlagen aus Schwerin-Mueß.

Es stellt sich hier nun die Frage, auf wen die skandinavischen "Besucher" in der Region südlich der Ostsee trafen. Von den oben in Auswahl genannten Funden des 6. und 7. Jahrhunderts lagen einige in unmittelbarer Nähe slawischer Fundplätze, andere stammen aus germanischem Kontext. Es ist davon auszugehen, dass die "Nordmänner" Kontakte zu den jeweiligen Führungsschichten hatten, denn die entsprechenden Fundstellen sind meistens von gehobener Qualität. Zudem bedeutet dies, dass während der Vendelzeit in Mecklenburg-Vorpommern letzte Germanen und erste zugewanderte Slawen nebeneinander siedelten, wobei jeweils die räumliche Nähe der entsprechenden Fundplätze offenkundig ist.

Betrachtet man weitere Vorkommen von Schnabelfibeln südlich der Ostsee, so fällt eine Konzentration in der Altmark im Raum Stendal auf. Einzelfunde stammen zudem aus Aken bei Köthen und aus Göttingen. Für die Altmark wird mit der Zuwanderung einer skandinavischen Bevölkerungsgruppe gerechnet, die sich mit den Sachsen assimilierte. Für Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich ein eher sporadischer Kontakt ab, zumal es keine direkten Konzentrationen rein skandinavischer Funde der Zeit gibt, sondern die Belege des 6. Jahrhunderts aus unterschiedlichen Räumen ins Land gelangten. So kann man wohl mit Fug und Recht bei den Schnabelfibeln von "Gästen" sprechen.

Dr. Ulrich Schoknecht


zurück


Mecklenburg-Vorpommern / MV tut gut