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Landesamt für Kultur und Denkmalpflege: Entdecke Mecklenburg-Vorpommern



Stage Technique International d’Archives in Paris 2008

Besuch des Archives Nationales, <br>Standort Paris: Magazinführung
Besuch des Archives Nationales,
Standort Paris: Magazinführung

Besuch des Archives Nationales, <br>Standort Fontainebleau: <br>Magazinneubau
Besuch des Archives Nationales,
Standort Fontainebleau:
Magazinneubau

Besuch des Archives <br>Départementales Yvelines: <br>Digitalisierungsprojekt
Besuch des Archives
Départementales Yvelines:
Digitalisierungsprojekt

Besuch des Archivneubaus des <br>Archivs des Außenministeriums <br>in La Corneuve
Besuch des Archivneubaus des
Archivs des Außenministeriums
in La Corneuve

Seit 1951 lädt die französische Archivdirektion jedes Frühjahr zu einem zweimonatigen "Stage Technique International d’Archives" ein, der ursprünglich in den Ausbildungsgang an der "Ecole des Chartes", der Archivschule in Paris, integriert war, um französischen Archivschülern und ausländischen Archivaren nach dem Zweiten Weltkrieg Anregungen zur Bewahrung der Schriftgutüberlieferung zu geben. Inzwischen hat sich der Stage zu einer Diskussionsplattform zu den aktuellen Themen des Archivwesens weiterentwickelt.

Nach 2002 nahm in diesem Frühjahr zum zweiten Mal eine Archivarin aus Mecklenburg-Vorpommern an dieser Fortbildung teil, die sich an französische und französischsprachige Archivare aus aller Welt richtet. 33 Teilnehmer kamen aus 26 Ländern und vier Kontinenten, aus Ost-, West-, Mittel- und Südeuropa, aus verschiedenen Ländern Afrikas und aus Kanada. Die weiteste Anreise hatte eine Vertreterin Frankreichs, die das Stadtarchiv von Nouméa in Neukaledonien repräsentierte.

Nach einer allgemeinen Einführung in das französische Archivwesen und Archivrecht einschließlich Ausbildung gliederte sich der Stage in die Module "Bestandsbildung", "Erschließung", "Bestandserhaltung", "Benutzung und Öffentlichkeitsarbeit" sowie "Internationale Zusammenarbeit". Vermittelt wurden die Themen durch Fachvorträge, die im "Hôtel Rohan" am Pariser Standort des Nationalarchivs stattfanden, durch Kurzvorträge der Teilnehmer über die Erfahrungen an ihren Archiven sowie durch Besuche zahlreicher Archive und anderer Einrichtungen in und um Paris.

Ein zweitägiges Praktikum in Kleingruppen bot beispielsweise durch den Besuch des Archivs des Ministeriums für Kultur und Kommunikation die Möglichkeit, das französische System der Zwischenarchive besser kennenzulernen, das zuvor ein Vertreter des Archivs des Bildungsministeriums im Vortrag vorgestellt hatte.

Im Archives Départementales des Yvelines konnte man nicht nur eines der jüngsten Archivgebäude sehen, sondern auch deren Projekte zur Digitalisierung von Findhilfsmitteln und Archivalien kennenlernen und in dem mit modernster Technik ausgestatteten Lesesaal in den bereits digital verfügbaren Quellen zum Personenstandswesen recherchieren.

Das Thema "Archivbau" wurde im Rahmen des Moduls "Bestandserhaltung" weiter vertieft, wo der Architekt das "Projekt Pierrefitte-sur-Seine", den Neubau des französischen Nationalarchivs vorstellte, das nach der "Bibliotheque Nationale François Mitterand" und dem "Musée du quai Branly" ein weiteres Großprojekt der französischen Kulturpolitik darstellt. Auch wurde der Rohbau des Archivs des Außenministeriums besichtigt, das von seinem jetzigen Standort am Quai d’Orsay in den Vorort La Courneuve ziehen wird.

Auffallend im Bereich "Öffentlichkeitsarbeit" war, dass sich viele archivpädagogische Angebote bereits an Kinder richten. Bei einer Führung durch das Nationalarchiv begegnete man einer Gruppe Grundschüler, die spielerisch an die Kulturgeschichte durch das Gestalten von Wappen und Gießen von Siegeln herangeführt wurden, auch wenn ihre Lesefähigkeiten und damit ihr Verständnis für die Funktion eines Archivs sicher noch begrenzt waren.

Eine fünftägige Exkursion führte nach Straßburg, wo die Archive des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und des Europarats sowie das Stadtarchiv, das historische Museum und die "Ecole Nationale d’Administration" (ENA) besucht wurden und eine Fahrt auch über die Grenze zum Generallandesarchiv Karlsruhe ging.

Einen wichtigen Bestandteil des Arbeitsprogramms stellte die Gruppenarbeit dar, bei der einzelne Themenschwerpunkte vertieft diskutiert werden konnten und bei der die Möglichkeit bestand, sich noch intensiver mit den verschiedenen Praktiken in den Heimatländern der Gruppenmitglieder auseinanderzusetzen. Das eine oder andere Modell, das entwickelt wurde, mutete dabei vielleicht utopisch an, wie das eines weltweiten Internetportals für Findhilfsmittel.

Die letzte Kurswoche stand den Teilnehmern für individuelle Archivpraktika oder als Forschungszeit zur Verfügung. Für eine umfassende Beschäftigung mit den französisch-mecklenburgischen Beziehungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts reichte die Zeit leider nicht, sondern nur zur Erfassung des Briefwechsels des Herzogs Georg von Mecklenburg-Strelitz (1779-1860) mit Madame Récamier (1777-1849).

Das traditionelle Kursfoto, die Übergabe der Zertifikate und ein Empfang durch die Direktorin des Nationalarchivs beschlossen den Stage, der sich durch seine gute Organisation, das große Engagement der Referenten und durch den Themenreichtum auszeichnete.

Antje Koolman


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