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Landesamt für Kultur und Denkmalpflege: Entdecke Mecklenburg-Vorpommern



Archivalie des Monats März

Die Schweriner Stadtsiegel

Siegel mit Schweriner Wappen; Quelle: Landeshauptarchiv Schwerin
Siegel mit Schweriner Wappen; Quelle: Landeshauptarchiv Schwerin

Siegel mit Schweriner Wappen; Quelle: Landeshauptarchiv Schwerin
Siegel mit Schweriner Wappen; Quelle: Landeshauptarchiv Schwerin

Wappen Schwerin MUB 1 Seite 66; Quelle: Landeshauptarchiv Schwerin
Wappen Schwerin MUB 1 Seite 66; Quelle: Landeshauptarchiv Schwerin

Wappen Schwerin MUB 13 Seite 99; Quelle: Landeshauptarchiv Schwerin
Wappen Schwerin MUB 13 Seite 99; Quelle: Landeshauptarchiv Schwerin

Von Andreas Röpcke

Ein Stadtsiegel gehört zu den eindeutigen Merkmalen dafür, dass eine Stadt eine Stadt ist. Es verkörpert die Rechtsgemeinschaft der Bürger. Urkundlich verbriefte Verträge können mit dem Stadtsiegel so beglaubigt werden, dass auch der Schriftunkundige erkennt: Da ist das offizielle Siegel dran, dann wird es mit dem Dokument seine Richtigkeit haben. Im Siegelbild finden sich häufig Stadttore oder Stadtmauern als spezifisch städtische Symbole, in Neubrandenburg, Wittenburg und Neukalen z.B., in Boizenburg, Crivitz und Waren oder in Hamburg, um ein bekanntes Beispiel zu nennen. Auf den ältesten Stadtsiegeln mancher Bischofsstädte findet man wie in Köln den Stadtpatron, bei Hafenstädten wie Lübeck, Wismar und Stralsund symbolisieren Schiffe auf den Stadtsiegeln die Bedeutung des Seehandels.

In Schwerin passiert etwas Ungewöhnliches: Die Stadt übernimmt das Siegelbild ihres Stadtgründers, des Herzogs Heinrich, ein typisches Fürstensiegel, und sie spricht ihn in der Siegelumschrift direkt an: DUX HENRICVS ET SIGILLVM CIVITATIS ZVERIN (Herzog Heinrich und das Siegel der Stadt Schwerin) – fast so als gelte das Siegel für beide, für Herzog Heinrich und die Stadt. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass das Siegel erst nach dem Tode Heinrichs 1195 entstanden ist – der erste erhaltene Abdruck datiert von 1255. Ganz sicher ist das bei den im 14. Jahrhundert in Gebrauch genommenen sog. Sekretsiegeln der Stadt, die am Siegelbild des gewappneten Reiters und der mit Herzog Heinrich beginnenden Umschrift festhielten.

Das ist selten. Aachen hat Karl den Großen im Stadtsiegel und Gießen, so ähnlich wie Schwerin, ein Reitersiegel seines Stadtherrn, des Pfalzgrafen Wilhelm von Tübingen. Fest steht: Keine der Löwenstädte Lübeck, München oder Braunschweig hat sich über das Siegelbild so direkt mit ihrem Gründer identifiziert wie Schwerin. Das Siegelbild Heinrichs des Löwen wurde später zum Schweriner Stadtwappen, das bis heute besteht. Auch vierzig Jahre Sozialismus konnten dem gepanzerten goldenen Reiter auf dem Wappenschild nichts anhaben. Und die spöttische Distanz, die die 1995 auf dem Markt aufgestellte Stele von Peter Lenk zum mittelalterlichen Stadtgründer herstellt, die "Spur des Löwen", war manchen Schwerinern gar nicht recht…

Ob die 2009 geschaffene "Stadtmarke" mit dem Schlossprofil den Reiter vertreiben wird, muss sich noch erweisen.


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