Wertvolle Ergänzung des Sammlungsbestandes 11.1 Historische Handschriften und Drucksachen

Im Frühjahr 1880 unternahm der Hofbaurat Georg Adolph Demmler gemeinsam mit seiner Großnichte Elisabeth Mau aus Güstrow eine Italienreise, über die ein Tagebuch mit ausführlichen Schilderungen der Reiseerlebnisse Auskunft gibt.

Die Reise führte über Leipzig, Chemnitz, München, Innsbruck, Bozen, Verona, Venedig, Brescia, Mailand, Genua, Pisa, Livorno, Siena, Orvieto bis nach Rom.

Dienstag, den 16ten März 1880
morgens 9 Uhr fuhren Onkel und ich fort aus Schwerin, … Wir hatten eine sehr angenehme Reisegesellschaft … Dann fuhren wir über Magdeburg, Halle nach Leipzig. Die Vegetation ist dieselbe wie bei uns in Mecklenburg; ebenfalls sieht man keine Verschiedenheit der Formation, ein flaches, großes Land von der schönen Elbe durchströmt. Kurz vor Leipzig wurde mir das große Schlachtfeld gezeigt von 1813 es wurde mir ordentlich unheimlich zu Muthe, als ich diese unabsehbare, regelmäßige Fläche sah, wo so viele Tausende sterben mußten. …

Genua 16ten Mai 1880
Heute ist Pfingstsonntag, an dem die Hände hier ruhen und Alles wohlgeputzt herumstolziert. Die vornehme Klasse in großartigem Aufwand, doch der Kopfputz nur durch die Verschiedenheit der Stoffe von der gewöhnlichen Klasse unterschieden. … Wir besahen die älteste Kirche Genua’s, die herrlich mit Fresken und alten Statuetten ausgeschmückt ist. … Wir gingen noch spazieren und besichtigten auch das Denkmal Columbus‘, der sich auf einen Anker stützt, zu Füßen das kniende Amerika. …

Auszug aus dem Reisetagebuch der Elisabeth Mau, 16. Mai 1880Details anzeigen
Auszug aus dem Reisetagebuch der Elisabeth Mau, 16. Mai 1880

Auszug aus dem Reisetagebuch der Elisabeth Mau, 16. Mai 1880

Auszug aus dem Reisetagebuch der Elisabeth Mau, 16. Mai 1880

Rom, Sonnabend, 29 st. Mai 1880
Heute stundenlang im Vatikan gewesen und die Stanzen und Loggien des unvergleichlichen Rafaels bewundert, darauf in die Pinakothek. Wo ein Bild Rafael’s Alle, Alle überstrahlt, es ist die „Verklärung Christi“, kurz vor seinem Tode gemalt, sein letztes Meisterwerk, worin er sich für immer verewigte, … Nachdem ich mir so recht die Fresken in den Logen und Zimmern angesehen hatte, gingen wir herunter zur Sixtinischen Kapelle, waren dort lange und bewunderten das weltbekannte Fresko von Michelangelo, „Das jüngste Gericht“, von dem schon tausende von Abbildern genommen wurde, gerade wie das Abendmahl Lionardo Vinci’s in Mailand. …

Dieses Reisetagebuch wurde bereits 2005 von Sabine Bock und Rudolf Conrades herausgegeben („Georg Adolph Demmler. Einige Notizen aus meinem Leben. 1804-1886“). Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Original noch in Buxtehude im Besitz der Enkelin von Elisabeth Mau, Frau Hanna-Maria Blaschke.

Ihren Schwerin-Besuch in diesem Sommer nahm Frau Blaschke zum Anlass, dem Landeshauptarchiv Schwerin das Originaltagebuch zur Ergänzung unserer Sammlungsbestände zu schenken. Mit großem Dank und Interesse nahm das Archiv dieses Geschenk an.

Im Landeshauptarchiv wird das Tagebuch nun im Bestand 11.1 Historische Handschriften und Drucksachen für künftige Forschergenerationen gut verwahrt. Zum Schutz dieser wertvollen Archivalie soll deshalb für Recherchen auch weiterhin die oben genannte Publikation dienen.

Schwerin, im August 2019
gez. Brigitta Steinbruch