Von Mordfällen bis Hongkong-Reise

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15.01.2010  | LA  | LAKD - Landesarchiv

Monika Manzke suchte 2009 etwa 1000 Akten für Ortschronisten, Familienforscher, Journalisten, Historiker und Archäologen heraus

Zufrieden blickt Monika Manzke auf das kleine Thermometer im Regal. Es zeigt 17,3 Grad Celsius an und weist eine Luftfeuchte von 44 Prozent aus. "Konstante 15 bis 18 Grad sind optimal. Die Raumfeuchte darf 50 Prozent nicht überschreiten", erklärt die 51-Jährige. Ihr Arbeitstag beginnt in diesen eisigen Tagen immer mit einem halbstündigen Rundgang durch alle 15 Magazine und die Bibliothek, um die zahlreichen Heizkörper zu überprüfen, die des öfteren so ihre Macken haben. "Manchmal sind sie zu heiß trotz Frostschutzeinstellung oder heizen gar nicht. Jede Temperaturschwankung, und sei sie noch so kurz, ist aber schlecht für das Papier." Doch zum Glück seien die Mauern des etwa 80 Meter langen Hauses rund 60 Zentimeter dick und würden die winterlichen Temperaturen derzeit gut abschirmen.Seit 1989 hütet die Archivarin die Dokumentenbestände der Außenstelle des Landeshauptarchivs Schwerin im einstigen Marstall des Herzogs an der Schlossfreiheit. Alles das, was die Historie des Landes Mecklenburg betrifft, lagert in den Aktenregalen. Wieviele Zeitzeugen zur Geschichte der Post, der Eisenbahn, des Justizwesens oder als Bau- und Grundstücksunterlagen hier gesammelt sind, vermag selbst Monika Manzke nicht zu sagen. "Gezählt hat das noch keiner. Das ist auch gar nicht möglich. Was ich weiß, ist, dass die Regale aneinander gereiht eine Strecke von ungefähr 10 000 Metern ergeben", sagt die Expertin, die seit 21 Jahren die Dokumente betreut, per Computer erfasst und neu ordnet. "Bei manchen Stücken bin ich seit über 150 Jahren der erste Mensch, der sie wieder berührt", so Monika Manzke. "Das ältestes Stück, das hier in der Kreisstadt gelagert wird, ist von 1482 und beinhaltet einstige Landesverhandlungen." Dann greift die Fachfrau ganz oben in eines der Regale und zeigt Protokolle von 1673 und einen dicken Wälzer, auf dem "Deputationstage 1703 bis 1704" vermerkt ist.

Dass es ein einsamer Job für sie sei, verneint Monika Manzke. "Im letzten Jahr habe ich an 109 Tagen Akteneinsichten vorbereitet und ermöglicht. Viele Leute klingeln hier oder rufen an, weil sie etwas herausbekommen möchten." Viele Ortschronisten seien darunter sowie Familienforscher. "Einer der letzteren lebt in Hongkong und reist jedes Jahr für einige Tage an, um bei uns nach dem Verbleib seiner Familie zu stöbern. Ein Professor aus Japan hat im letzten Jahr über mecklenburgische Siedlungsgeschichte Nachforschungen angestellt", berichtet die Archiv-Mitarbeiterin weiter. Auch ein Journalist habe Recherchen angestellt über seltene bis spektakuläre Mordfälle in Mecklenburg. "Die erscheinen im März dieses Jahres sogar als Buch", freut sich Monika Manzke. Die Erforschung der Historie der mecklenburgischen Klöster und deren Bewohner stand im vergangenen Jahr ebenfalls ganz oben auf der Interessenliste. Ebenso die Post-, Militär- und Polizeigeschichte des Landes, die von Historikern und Archäologen immer wieder nachgefragt worden ist.

"Dafür habe ich im letzten Jahr etwa 1000 Akten herausgesucht", erinnert sich Monika Manzke.

Thorsten Meier