Darguner Kloster-Urkunde von 1357 dank Spende für die Zukunft bewahrt

Schuldbrief Johann von Stülpnagels (LHAS 1.5-4/2 Urkunden des Klosters Dargun, Sign. 293) Details anzeigen
Schuldbrief Johann von Stülpnagels (LHAS 1.5-4/2 Urkunden des Klosters Dargun, Sign. 293)
Schuldbrief Johann von Stülpnagels (LHAS 1.5-4/2 Urkunden des Klosters Dargun, Sign. 293)
Schuldbrief Johann von Stülpnagels (LHAS 1.5-4/2 Urkunden des Klosters Dargun, Sign. 293)
22.06.2021  | LA  | LAKD - Landesarchiv

Kann es spannend sein, wenn sich jemand 50 Mark leiht? Wenn das Zeugnis darüber über 650 Jahre alt ist und seltene Schlaglichter auf Aspekte von Landes-, Kirchen- und Familiengeschichte wirft, da aus seiner Entstehungszeit keine Massenakten mit ihrer Flut an Informationen überliefert sind, lautet die Antwort „ja“. So ein Einzelstück sollte, auch wenn der Inhalt und die äußere Form erst einmal wenig spektakulär erscheinen, für die Zukunft erhalten werden.

Aufgrund einer Spende aus den Reihen des Familienverbands von Stülpnagel ist es gelungen, eine Urkunde aus dem Bestand LHAS 1.5-4/2 Urkunden Kloster Dargun restaurieren zu lassen.

Ausgestellt wurde sie in Verchen am 18. September 1357. Darin erklärte Johannes Stülpnagel, Vogt in Kummerow, dass ihm die frommen Männer, Abt und Konvent des Zisterzienserklosters Dargun, 50 Mark in Rostocker Währung unentgeltlich geliehen hätten und dass er nicht zögern wollte, ihnen das Geld am nächsten Osterfest ohne Ausflüchte zurückzuerstatten. Sein angehängtes Siegel sollte zur Bekräftigung seines Versprechens dienen. Erlaubt sein muss die Frage, ob wirklich pünktlich gezahlt wurde oder ob die Schuld heute noch offen ist, denn der Urkunde fehlen die typischen Einschnitte, mit denen erledigte Schuldscheine oft ungültig gemacht wurden.

Bemerkenswert sind hier die grenzüberschreitenden Beziehungen. Obwohl das Kloster Dargun schon seit 1236 nicht mehr zu Pommern, sondern zu Mecklenburg gehörte, wandte sich der pommersche Vogt wegen einer Anleihe an diese ihm am Nächsten gelegene kirchliche Einrichtung. Interessant ist auch, dass an dieser Stelle nach bisherigem Kenntnisstand das älteste Siegel aus der Familie von Stülpnagel überliefert ist, die aus einflussreichem Landadel in der Uckermark stammt.

In den letzten Jahren war es nicht möglich, die Urkunde aus dem Magazin zu holen, um sie interessierten Forschern vorzulegen oder sie zu digitalisieren, da zu befürchten war, dass sie durch eine Benutzung weiter Schaden nehmen bzw. anderes Archivgut anstecken könnte. Vermutlich wegen schlechter Lagerungsbedingungen während der Auslagerung im Zweiten Weltkrieg war sie, wie andere Urkunden in diesem Bestand ebenfalls, durch Feuchtigkeit geschädigt. In der Folge hatte sich das Material stellenweise abgebaut, es gab kleinere Risse und Löcher und es hatte sich Schimmel gebildet. In erstaunlich gutem, stabilem Zustand war zwar noch das ursprünglich anhängende Siegel, aber da es klein und dünn ist, war trotzdem eine Ecke abgebrochen. Beide Stücke mussten erst wieder zusammengefügt werden. Dank der Spende konnten diese Arbeiten in Auftrag gegeben werden: Urkunde und Siegel wurden fachgerecht gereinigt, Fehlstellen geschlossen und insgesamt stabilisiert, woran sich eine Digitalisierung anschloss.

Jetzt kann die restaurierte Urkunde im – selbstverständlich konservatorisch vertretbar abgedunkelten, künstlichen, UV-gefilterten – Licht der Öffentlichkeit stehen und ist im September/Oktober 2021 für einige Wochen im Kulturhistorischen Museum Prenzlau in der Ende Mai eröffneten Ausstellung „Nägel mit Köpfen - aus der Uckermark in die Welt; 700 Jahre Familie von Stülpnagel“ zu sehen.

 

Dr. Antje Koolman