Die Rollklappbrücke in Anklam

Denkmal des Monats Februar 2008

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Die Rollklappbrücke in Anklam

Abb.1: Die Rollklappbrücke in Anklam

Abb.1: Die Rollklappbrücke in Anklam

Die Anklamer Rollklappbrücke wurde 1938 nördlich der Hansestadt als bewegliche Brückenkonstruktion über die Peene errichtet. Die Ausführung der Eisenbahnbrücke übernahmen die Friedrich Krupp AG sowie die Friedrich Krupp Grusonwerke AG Magdeburg.

Die Brückenkonstruktion kann in drei Bereiche gegliedert werden:
Der erste Bereich, der auf dem stadtseitig angeordneten Landpfeiler ruht, nimmt die Rollbahn mit den Zahnstangen für die Hebevorrichtung auf. Der zweite Brückenbereich stellt mit dem Radsegmentpaar den beweglichen Teil der Brücke dar. Der dritte Brückenteil wurde als fest stehende Balkenträgerbrücke in genietetem Fachwerk konstruiert. Dieser Teil wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und nach dem Krieg durch eine geschweißte Konstruktion ersetzt.

Die Besonderheit der Brücke liegt in deren Öffnungsmechanismus, der nach seinem Erfinder, dem amerikanischen Brückenbauingenieur William Scherzer, benannt ist. Dieser besteht darin, dass die Brücke so konstruiert ist, dass sich der zu öffnende Brückenteil in allen Stellungen im Gleichgewicht befindet.

Beim Öffnen der Brücke wird das Radsegmentpaar, das im vorderen Bereich der Rollbahn gelagert ist, durch zwei am Endpunkt der Segmente befindliche Kolbenstangen nach oben gedrückt. Die Radteilstücke werden über die Rollbahn abgewälzt, wobei deren Verzahnung in die auf dem Landpfeiler befestigten Zahnschienen eingreift. Gegengewichte am gegenüberliegenden Segmentende stellen das Gleichgewicht der Kräfte her, so dass ein Zurückkippen des zu öffnenden Brückenteils ausgeschlossen ist.

Die Denkmaleigenschaft der Brücke liegt dementsprechend vorrangig in der technischen und wissenschaftlichen Bedeutung, weil die Brücke materielles Zeugnis für den technischen Entwicklungsstand im Brückenbau der 1930er Jahre ist. Weiterhin ist die Brücke ein Zeugnis der regionalen Verkehrs- und Wirtschaftsentwicklung und hat damit auch geschichtliche Bedeutung. Darüber hinaus besitzt die Brücke Seltenheitswert. Bundesweit sind nur wenige Brücken in der so genannten Scherzerkonstruktion bekannt, die jedoch 15–20 Jahre jünger sind. Als Beispiel sei die Rollklappbrücke in Oldenburg genannt, die in den 1950er Jahren gebaut wurde.

So kann postuliert werden, dass es sich bei der Peeneklappbrücke um das älteste erhaltene technische Bauwerk der oben genannten Konstruktion in Deutschland handelt.

Seit 2001 gibt es seitens der Deutschen Bahn AG Bestrebungen, den Streckenabschnitt von Berlin über Eberswalde nach Stralsund als europäische Hochgeschwindigkeitsstrecke für eine Streckengeschwindigkeit von bis zu 160 km/h auszubauen. Im Planungsgebiet befindet sich auch die Rollklappbrücke in Anklam.

Die ursprüngliche Planung der Deutschen Bahn AG sah den Totalabriss der historischen Brücke und die Errichtung eines Ersatzneubaus vor. Eine Weiternutzung der Brücke lehnte der Vorhabenträger mit der Begründung ab, dass einerseits im Bereich des technischen Denkmals die Geschwindigkeit der Züge aus sicherheitstechnischen Gründen erheblich reduziert werden müsste. Andererseits entspricht die historische Brücke nicht dem geltenden Regelwerk der Bahn sowie den Anforderungen von Unfall- und Arbeitsschutz. Nachdem der Totalabriss vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege mit Verweis auf den hohen Zeugnis- sowie den Seltenheitswert der Brücke und des daraus resultierenden öffentlichen Interesses am Erhalt des aus der Erbauungszeit von 1938 stammenden Brückenteils abgelehnt worden war, wurde eine Kompromissvariante gesucht.

Im Laufe des Planfeststellungsverfahrens, an dem alle betroffenen Träger öffentlicher Belange beteiligt waren, kristallisierte sich mehr und mehr heraus, dass ein Erhalt der Rollklappbrücke an Ort und Stelle nicht durchsetzbar ist. Da der Totalverlust der Brücke drohte, stimmte das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege dem Kompromiss der Translozierung eines Brückensegments um wenige Meter nach Westen zu.

In der Regel ist eine Translozierung aus denkmalfachlicher Sicht nicht zulässig, weil ein wichtiger Zeugnisfaktor des Denkmals als materialisierte Quelle die Ortsbindung ist.

Bei einigen technischen Denkmalen sind Ausnahmen möglich, weil hier neben der geschichtlichen Bedeutungskategorie vor allem die technische Bedeutungskategorie für den Denkmalstatus ausschlaggebend ist. Im Fall der Anklamer Brücke ist dies die Ablesbarkeit und Nachvollziehbarkeit des Öffnungsmechanismus sowie die historische Verbindungstechnik des Materials in Form von Nieten.

Die unmittelbare Nähe des neuen Aufstellungsortes zur originalen Lage macht den ursprünglichen Funktionszusammenhang nachvollziehbar und ein bedeutendes Zeugnis der Technikgeschichte kann in großen Teilen bewahrt werden.

Für den langfristigen Erhalt dieses wissenschaftlich und technisch bedeutsamen Brückenbauteils wäre bürgerschaftliches Engagement, beispielsweise in Form eines Vereins sehr wünschenswert, der sich bei der Wartung und Pflege und Öffentlichkeitsarbeit engagieren würde.

Annette Krug

Denkmal des Monats Februar 2008

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