Denkmal des Monats Oktober 2018

Mittelalterliche Wandmalereien an den Chorgewölben in der Dorfkirche Stoltenhagen

Abb. 1. Stoltenhagen, Lkr. Nordvorpommern, Kirche von Südwesten.Details anzeigen
Abb. 1. Stoltenhagen, Lkr. Nordvorpommern, Kirche von Südwesten.

Abb. 1. Stoltenhagen, Lkr. Nordvorpommern, Kirche von Südwesten.

Abb. 1. Stoltenhagen, Lkr. Nordvorpommern, Kirche von Südwesten.

Die Dorfkirche Stoltenhagen in der Nähe von Grimmen ist eine mittelalterliche Feldsteinkirche aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, die trotz späterer Um- und Einbauten ihren ursprünglichen Charakter bewahrt hat (Abb. 1). Neben der Verwendung von Backsteinen für die Einfassung der Portale und Fenster sowie der Giebelflächen sind die sehr gut zu Quadern behauenen Feldsteine gestaltungsgebend für die äußere Ansicht der Kirche. Vermutlich Mitte des 15. Jahrhunderts erfolgte der Anbau einer Sakristei an der Südseite des Chores. Zu dem kuppelförmigen Kreuzrippengewölbe im Chor, das optisch von Konsolen mit Maskenornamentik getragen wird, gehören auch beeindruckende Wandmalereibefunde des 13. und 14. Jahrhunderts.

Nach der restauratorischen Untersuchung des Diplomrestaurators Volker König im gesamten Innenraum der Kirche ergaben zahlreiche kleinere Sondierungen, dass sich nicht nur auf den Wandflächen sondern auch auf den Gewölbeflächen umfangreiche Befunde zwei verschiedener mittelalterlicher Ausmalungen erhalten haben. Jüngere Überfassungen der Barockzeit, die begleitend zur Kanzel und dem Altar ebenfalls polychrome Draperien auf den Wänden darstellen, sparten die übrigen Wand- und Gewölbeflächen weitgehend aus, so dass sich überwiegend auf den mittelalterlichen Befunden nur weiße Kalk- und Leimfarbenschichten befinden. Durch den geschädigten Bauzustand und abgängige Fassungspakete konnten bereits vor der Untersuchung partiell farbige Bereiche lokalisiert werden (Abb. 2-3).

Die näheren Untersuchungen ermöglichten nunmehr weitere Freilegungen der zweiten mittelalterlichen Ausmalung, die aus konservatorischer Erfordernis umfangreich in der nördlichen Gewölbekappe des Chores freigelegt und gesichert werden konnte (Abb. 4-9). Hierbei wurden filigran gemalte, sechs figürliche Darstellungen von hoher Malqualität sichtbar, die darauf schließen lassen, dass es sich um Apostelfiguren handelt. Diese Apostel sitzen inmitten einer gemalten Thronarchitektur und lassen die Vermutung zu, dass weitere sechs Apostelfiguren auf der südlichen Kappe des Chorgewölbes dargestellt wurden und diese im Zusammenhang mit einer großflächigen Weltgerichtsdarstellung im Chor stehen könnten (Abb. 10). Danach wäre für die östliche Kappe die Darstellung des thronenden Christus als Pantokrator (Alleinherrscher) und Salvator Mundi (Erlöser der Welt) zu erwarten. An den Scheitelbereichen und der Westkappe sind dank weiterer Freilegungsschnitte bereits geflügelte Figuren, vermutlich Engel sichtbar, die diese Vermutung weiter stützen. Engelfiguren sind in Weltgerichtsdarstellungen meist neben oder oberhalb von Christus angeordnet, und halten die Leidenswerkzeuge wie das Kreuz und die Geißel oder blasen die Posaunen des Gerichtes. Eine Drachen und Ungeheuer ähnliche Figur wurde an der Nordwand festgestellt und könnte so zur Verbildlichung des Höllensturzes der Verdammten gehören, während die Seligen in den Himmel auffahren.

Die Wandmalereibefunde der nördlichen Gewölbekappe wurden durch den Restaurator Volker König als Musterfläche sehr behutsam restauriert und bilden einen Grundstein für die Entwicklung eines Konservierungs- und Restaurierungskonzeptes in Stoltenhagen, das noch am Anfang steht. Zur Klärung der noch zahlreichen, offenen Fragen stehen natürlich vertiefende Untersuchungen aus, die sich aber im Wesentlichen den Aspekten des Erhalts und der notwendigen Konservierung widmen sollen. Aufgrund der bereits bisher sichtbaren Qualität der Ausmalung ist auch deren kunsthistorische, technologische und materialkundliche Bewertung angedacht. Dafür gilt es Pigmente und Bindemittel zu bestimmen, die ggf. Vergleiche zu bereits bekannten Beispielen im gesamten nordeuropäischen Raum zulassen. Die Kirchengemeinde ist dafür auf die finanzielle Unterstützung durch Stiftungen und die öffentliche Hand angewiesen, denn im Vordergrund stehen der Erhalt und die Sanierung des gesamten Kirchengebäudes. Für unser Bundesland gehören die bisher freigelegten und restaurierten Befunde der nördlichen Chorgewölbekappe bereits jetzt zu den besonders wertvollen Zeugnissen mittelalterlicher Wandmalereien (Abb. 11-14).

Elke Kuhnert

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