Sommerfrische auf Hiddensee - Das Ferienhaus von Eckart Muthesius in Kloster

Denkmal des Monats November 2010

Idyllisch gelegen - das Sommerhaus von Eckart Muthesius, Aufnahme 2009Details anzeigen
Idyllisch gelegen - das Sommerhaus von Eckart Muthesius, Aufnahme 2009

Abb. 1: Idyllisch gelegen - das Sommerhaus von Eckart Muthesius, Aufnahme 2009

Abb. 1: Idyllisch gelegen - das Sommerhaus von Eckart Muthesius, Aufnahme 2009

Spaziert der Urlauber von Vitte Richtung Kloster, so sieht er ein kleines Holzhaus – eingebettet in den Dünen von Kloster. Dieses ließ sich der Designer und Architekt Eckart Muthesius nach eigenen Entwürfen an exponierter Lage 1947 errichten. Es handelt sich um einen Holzbau mit Rohr gedecktem Walmdach über einem L-förmigen Grundriss mit einem runden Erker an der Südostecke. An der Südseite befinden sich drei Fenster, die Westseite ist mit Teerpappe und weißen Zierleisten verkleidet. Die Fenster sind durch Läden aus Holz oder Rohr geschützt.

Das Dach ist an der Ost- beziehungsweise Nordseite weit vorkragend und ruht hier auf Holzstützen. Dieser Gang bildet quasi den "Außenflur" – also die Verbindung zu den einzelnen Räumen. An der Nordseite führen drei Türen in die nicht miteinander verbundenen Schlafräume. Nur der große Wohnraum im Südosten und die Küche im Ostflügel sind miteinander verbunden, beide Räume haben aber eigene Zugänge an der Westseite. In diesem Flügel befindet sich an der Nordseite das Bad. Die einzige Heizung des Hauses ist ein offener Kamin in dem großen Wohnraum mit einem offenen Dachstuhl. Das Gebäude wurde 1947 als Sommerhaus errichtet und ist fast unverändert überliefert. Lediglich ein kleiner Anbau als Erweiterung des Bades wurde an der Nordseite nachträglich (in den 1970er/80er Jahren) hinzugefügt.

Eckart Muthesius (1904–1989) war ein Sohn des berühmten Architekten Hermann Muthesius, der sich Hiddensee schon in den 1920er als Ziel für seine Sommerfrische aussuchte.

Nach seiner Ausbildung an der Vereinigten Staatsschule für angewandte Kunst in Berlin und am Polytechnikum in London war Eckart Muthesius in verschiedenen Büros tätig, bis er nach dem Tod seines Vaters 1927 das Architekturbüro Muthesius übernahm. 1928 bekam er den Auftrag zur Planung eines Palastes für den Maharadscha von Indore (Indien). Dieser Auftrag führte in mehrmals nach Indien. Der Maharadscha studierte in Oxford und lernte dort Eckart Muthesius kennen. Dieser entwarf für ihn nicht nur den Palast sondern auch einen Salonwagen, eine Jagdkarawane und ein Flugzeug. Auch die komplette Ausstattung für den Palast Manik Bagh stammt von Muthesius, die seinen Ruf als Innenarchitekt und (Möbel-) Designer begründete. Muthesius' Tätigkeit in Indien dauerte bis 1939, der Kriegsausbruch zwang ihn zur Rückkehr nach Berlin. Nach dem Krieg erhielt er zahlreiche Aufträge von der US-Army, vor allem in Berlin und Frankfurt a. M., wo er ein Zweitbüro eröffnete. Muthesius spezialisierte sich auf Krankenhausbauten (Lazarette). Er erhielt aber weiterhin Aufträge für Privathäuser, darunter auch das Haus Felsenstein in Kloster.

Das hier vorgestellte Sommerhaus ist natürlich nicht mit dem Palast in Indore zu vergleichen. Obwohl Eckart Muthesius ein Anhänger von Bauhaus und Neuer Sachlichkeit war, steht sein bescheidenes Sommerhaus einerseits vor allem durch das geschlossene Reetdach in der lokalen Bautradition Hiddensees, andererseits setzt er damit den Landhausbau nach englischen Vorbildern, die sein Vater Hermann in Deutschland populär gemacht hat, fort. Im Œvre von Eckart Muthesius nimmt sein Sommerhaus einen besonderen Stellenwert ein, weil es als Vorläufer zu dem Haus Felsenstein, Hügelweg 19, in Kloster gesehen werden kann. Muthesius griff hier auf den L-förmigen Grundriss mit der abgerundeten Ecke zurück. Der Entwurf für das Haus von Walter Felsenstein, Intendant und Regisseur der Komischen Oper in Berlin, stammt aus dem Jahr 1955. Es handelt sich ebenfalls um ein Holzhaus, nur das Erdgeschoss des zweigeschossigen Flügels ist massiv aufgemauert. Das Walmdach ist mit Rohr gedeckt, es wird beim Haus Felsenstein jedoch durch zwei Gauben beleuchtet. Abgesehen von dem massiven Erdgeschoss des Ostflügels unterscheidet sich das Haus Felsenstein von seinem unmittelbaren Vorläufer Haus Muthesius durch den in das Wohnhaus integrierten Flur an der Nordseite.

Zudem setzt Eckart Muthesius mit dem Bau eines Sommerhauses eine Familientradition fort, denn auch seine Eltern waren regelmäßige Sommergäste auf der Insel und besaßen ein Haus in Vitte. Zudem setzt das Muthesius-Haus die Tradition Hiddensees als Ferienort der Berliner Künstler nach dem Zweiten Weltkrieg fort. Sein Sommerhaus gehört zu den ersten Bauten nach dem Krieg und steht damit am Anfang der Weiterentwicklung des Ortes Kloster und der Insel Hiddensee als beliebtem Ferienort nach 1945.

Elke Onnen

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