Das Herrenhaus in Kaarz

Denkmal des Monats Mai 2016

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Abb. 1. Kaarz, Lkr. Ludwigslust-Parchim, Herrenhaus, Südseite, Zustand während der Sanierung 2015/16

Kaarz, Lkr. Ludwigslust-Parchim, Herrenhaus, Südseite, Zustand während der Sanierung 201516.jpg

Abb. 1. Kaarz, Lkr. Ludwigslust-Parchim, Herrenhaus, Südseite, Zustand während der Sanierung 2015/16

Als der Reeder und Kaufmann Julius Hüniken (1824-1891) im Jahr 1869 beschloss, sich als Privatier auf ein Gut zurückzuziehen, hatte er im Überseehandel einen erheblichen Wohlstand erarbeitet. Er erwarb 1872 gleich mehrere Güter in Mecklenburg, darunter Weitendorf, Kölpin und Vogelsang sowie das bis dahin in Bülowschem Besitz befindliche Gut Kaarz, wohin er umgehend von Hamburg übersiedelte.

Nach Plänen der Architekten Saniter und Becker, Berlin, entstand in Kaarz unter Einbeziehung des Vorgängerbaus ein imposanter zweigeschossiger Bau in spätklassizistischen Formen. Die reiche Gliederung mit Putzquaderung und Fensterbekrönungen erzeugen eine ausgesprochen repräsentative Gesamtgestalt. Architektonische Höhepunkte bilden der Eckturm an der Nordostecke mit einem Aufsatz in Form eines runden Säulentempels, umstanden von Greifen, sowie der Altan zur Hervorhebung des Haupteingangs mit Vorfahrt an der Südseite (Abb. 1-2). Nördlich vom Herrenhaus erstreckt sich ein ausgedehnter Landschaftspark.

Gemäß dem von Julius Hüniken gestifteten Familienfideikommiss wurden nach seinem Tode die Güter per Losentscheid unter den drei Söhnen aufgeteilt. Kaarz fiel dabei an den noch unmündigen Wilhelm Julius Hüniken (1878–1975). Nach seiner Volljährigkeit ließ er ab 1902 einige Umbauten vornehmen.

Nach 1945 wurde das Herrenhaus zunächst als Flüchtlingsunterkunft genutzt, später als Schule und Altenheim (Abb. 3). Verluste traten besonders im Bereich des Daches ein. Die Schieferdeckung wich einer Pappeindeckung, die Figuren, die ursprünglich die Gebäudeecken an den Traufen zierten gingen verloren. Zum Zweck der Gewinnung von Nutzraum wurden die ursprünglichen kleinen Rundbogengauben in den Mansarden in deutlich größere Schleppgauben umgewandelt, die die klare geometrische Form des zweifach geknickten Mansarddaches optisch erheblich beeinträchtigten (Abb. 4).

Durch die 2015/16 durchgeführte Sanierung der Dacheindeckung erhielt das Herrenhaus seine durch historische Fotos noch dokumentierte Eindeckung mit rautenförmigen Schieferplatten zurück. Die Gauben konnten zwar nicht ganz in ihre bauzeitliche Form zurückversetzt werden, da dies die nötige Belichtung der dahinterliegenden Räume zu stark eingeschränkt hätte, jedoch erhielten sie nun eine Segmentbogenform. Durch die Umwandlung fügen sie sich nun erheblich besser ein, da die Linie des Mansarddaches wieder optisch durchläuft.

Bei der Reparatur der Fassaden wurden die Altputzflächen verschiedener vorangegangener Sanierungen so weit wie möglich erhalten, soweit diese stabil anhafteten. Besonders schwere Schäden mussten am Altan festgestellt werden (Abb. 5-6). Grund dafür war die langfristige Durchfeuchtung durch die mangelhafte Abdichtung des Balkons. Nicht nur die Decke selbst war erheblich betroffen, die Durchfeuchtung war auch bis in die Attika und die Säulen vorgedrungen. Bei diesen mit Eisen bewehrten Bauteilen kam es unvermeidlich zu Korrosion, die die Bauteile aufsprengten. Einige der tragenden Säulen und Pfeiler waren so stark zerstört, dass zur statischen Wiederherstellung neue Kerne von Stahl-Hohlprofilen gestellt werden mussten. Die äußeren Schalen der Säulen, die die äußere Erscheinung bestimmen, wurden neu nach historischem Vorbild gegossen und ummanteln diesen Kern (Abb. 7).

Die schon seit mehreren Jahrzehnten in ihrer Gestalt stark reduzierte Balustrade auf dem Altan konnte in ihrer ursprünglichen Form rekonstruiert werden. Neue Baluster wurden nach der Originalform nachgegossen und mit dem profilierten Geländer abgedeckt, das sich gestalterisch aus der Fassade heraus als Fortsetzung eines Gesimses entwickelt (Abb. 8). Außer Befunden am Gebäude selbst, waren auch historische Fotos hilfreich, um verlorene frühere Zustände nachzuvollziehen.

Zur Herstellung der nach heutigen Vorschriften erforderlichen Absturzsicherung wurde die Balustrade mit einem dahinter angebrachten Stahlgeländer ertüchtigt.

Weitere Arbeiten an den Freiflächen, am Park und der Vorfahrt unterstützen darüber hinaus den repräsentativen Charakter des Herrenhauses in Kaarz, das ein Hotel mit Gastronomie beherbergt.

Sabine Schöfbeck

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