Landesgeschichte im Spiegel der Bestände

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Siegel aus den Beständen des Archivs

Siegel aus den Beständen des Archivs

Siegel aus den Beständen des Archivs

In den z. Zt. 788 Beständen des Landesarchivs Greifswald spiegelt sich in vielfältiger Weise eine 800jährige Geschichte. Das älteste im Original erhaltene Dokument datiert aus dem Jahre 1159 und ist eine Urkunde Bischof Adalberts von Pommern für das neu gegründete Kloster Grobe. Die wenige Jahre zuvor ausgestellte Urkunde des Papstes Innocenz II. für das Bistum Pommern hat sich nur in einer frühen Nachzeichnung des 13. Jahrhunderts erhalten. Neben den Urkunden des Bistums Kammin und der pommerschen Klöster beherbergt das Landesarchiv die noch erhaltenen Urkunden der pommerschen Herzöge, des pommerschen Adels und der pommmerschen Städte mit Ausnahme der Stadt Greifenberg, deren Urkundenbestand im Staatsarchiv Stettin liegt. Sie belegen den Aufbau des pommerschen Territorialstaates unter dem Greifengeschlecht, das mehrfach sein Herzogtum teilte und wiedervereinigte, die Entwicklung des nordeuropäischen Handelsbundes der Hanse, die Anfänge des Städtewesens, die Lehens- und Besitzverhältnisse des Adels und die Bemühungen der Klöster um die Sicherung ihrer Rechte und Privilegien. Zu den frühen Zeugnissen gehören auch wichtige Handschriften wie die Chartulare vieler Klöster, die Stadt- und Rechtsbücher, aber auch liturgische Handschriften wie ein prunkvolles Lektionar aus dem 14. Jahrhundert.

Im ausgehenden 15. Jahrhundert setzt in Pommern die Überlieferung von Akten ein. Die Bestandsbildung des Archivs greift auf die ältere Archivorganisation zurück, die je ein Archiv für den Teilstaat Pommern-Stettin und Pommern-Wolgast kannte. Nach dem Aussterben des pommerschen Herzogshauses 1637 wurde das Gebiet erneut im Westfälischen Friedensvertrag geteilt und gelangte an Schweden und Brandenburg. Während die brandenburgische Verwaltung in ihrer Aktenführung an die älteren Einrichtungen anknüpfte, und damit die archivische Überlieferung der Regierung heute mit dem Bestand des Herzogtums Pommern-Stettin vereinigt ist, errichteten die Schweden neue Behörden und brachen mit älteren Traditionen. Ein wichtiges Anliegen der neuen Landesherren war die Besteuerung ihrer Untertanen, die sie auf neue Grundlagen zu stellen gedachten. Zu diesem Zweck sandten die Schweden zwischen 1692 und 1709 acht Landmesser nach Pommern, die den schwedischen Landesteil aufnahmen, beschrieben und kartierten. Als Besteuerungsgrundlage konnte die schwedische Landesaufnahme zwar nicht durchgesetzt werden, aber die 1455 Karten und knapp 70 Beschreibungsbände des Landesarchivs sind heute eine Quelle von herausragender wissenschaftlicher Bedeutung und bieten eine in Europa einmalige Grundlage für unterschiedlichste Fragestellungen der modernen Forschung. Gemeinsam mit der Historischen Kommission gibt das Landesarchiv diesen Bestand in einer Edition heraus. Eine Landesaufnahme zu Steuerzwecken erstellte zwischen 1717 und 1719 auch die brandenburgische Verwaltung. Diese Aufnahme verzichtete zwar auf die Kartierung, doch im Gegensatz zu Schweden konnte die Regierung die elf Beschreibungsbände als Besteuerungsgrundlage künftig nutzen. Besonders umfangreich ist die Überlieferung der einzelnen pommerschen Provinzialbehörden aus der seit 1816 wieder vereinigten Provinz Pommern. Wichtigster Bestand ist der des Oberpräsidenten, aber auch der Bestand der 1932 mit der Regierung Stettin vereinigten Regierung Stralsund bietet interessante und bedeutende Quellen zur Geschichte des nördlichen vorpommerschen Raumes. Einen Eindruck von der Provinz, ihren Bauten und Denkmalen – auch der im Zweiten Weltkrieg zerstörten - vermittelt die mehr als 10.000 Aufnahmen umfassende Fotosammlung der Provinzialkonservators, die allerdings nur hinterpommersche Motive enthält.

Die frühe Geschichte des Landes Mecklenburg-Vorpommern, dessen Namensbestandteil Vorpommern 1947 getilgt wurde, ist nur in wenigen Quellen des Landesarchivs Greifswald dokumentiert. Erst nach der Auflösung des Landes und der Bildung der drei Nordbezirke 1952 setzt eine umfangreichere Dokumentation wieder ein. Zu den wichtigsten und aussagekäftigsten regionalen Quellen für die Zeitgeschichte zählt die Überlieferung der SED im Bezirk Rostock. Ergänzt werden sie durch den Bestand des Bezirkstages und Rates des Bezrkes Rostock, sowie zahlreiche Bestände anderer Parteien und Massenorganisationen. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die wirtschaftliche Überlieferung im Landesarchiv Greifswald, vor allem die der nach dem Zweiten Weltkrieg im Zusammenhang mit Reparationsleistungen aufgebauten Schiffbau- und Schifffahrtsindustrie der DDR. Zwar beherbergt das Landesarchiv nur einen Teil der Werftüberlieferung, doch befinden sich darunter so wichtige Quellen wie die vollständige technische Schiffbaudokumentation der Neptunwerft Rostock.

Die Geschichte des neugegründeten Landes Mecklenburg-Vorpommern ist bisher kaum in den Beständen des Landesarchivs erfasst, doch entstehen in jüngster Zeit durch erste Übernahmen neue Bestände. Diese Geschichte für den nördlichen Landesteil in Quellen zu dokumentieren, wird die Arbeit des Landesarchivs in Zukunft maßgeblich bestimmen.

Der Gesamtbestand des Landesarchivs umfaßt mehr als 10.000 Urkunden, 8.500 Meter Akten und Handschriften, über 40.000 Karten, Pläne und Risse sowie eine zeitgeschichtliche Dokumentation, eine Foto- und Filmsammlung, Plakate und Drucke. Die Präsenzbibliothek enthält 24.000 Bände, darunter einen Sonderbestand älterer Drucke mit wertvollen Inkunabeln, umfangreiche graue Literatur zur DDR-Geschichte und eine wissenschaftlich bedeutende Sammlung zur Schiffbau- und Schifffahrtsgeschichte (nur eingeschränkt benutzbar).

Mit Wirkung vom 01.01.2006 wurde das Landesarchiv Greifswald in das neu errichtete Landesamt für Kultur und Denkmalpflege überführt.