Briefköpfe aus dem frühen 20. Jh.
Beschreibung
Briefkopf-Drucke verschiedener Firmen und Fabriken aus den Jahren zwischen 1899 und 1917.
Briefkopf der Eisengießerei und Maschinenfabrik der Gebrüder Scheven aus dem Jahr 1911.
LHAS, 2.22-10/13, Domanialamt Grevesmühlen-Plüschow, Nr. 5319.
Briefkopf des Dampfsägewerks Chr. Callies in Grevesmühlen, Dassow und Plau aus dem Jahre 1917.
LHAS, 2.22-10/13, Domanialamt Grevesmühlen-Plüschow, Nr. 5322.
Briefkopf der Gebrüder Perzina, Pianoforte-Fabrik Schwerin aus dem Jahr 1899.
LHAS, 2. 26-2, Hofmarschallamt Schwerin, 5478.
Briefkopf der Kartoffelmehl- und Sirupfabrik Plau GmbH aus dem Jahr 1899.
LHAS, 3.2-3.1 Landeskloster Dobbertin , 1264
Transkription
entfällt
Inhaltliche Erläuterung


Briefkopf Dampfsägewerk Chr. Callies
Quelle: LAKD MV/LHA
Briefkopf Dampfsägewerk Chr. Callies
Quelle: LAKD MV/LHA
Die Eisengießerei und Maschinenfabrik der Gebrüder Scheven wurde 1866 in einem kleinen Betrieb in Teterow in der Rostocker Straße gegründet. Im Jahre 1896 beschäftigte die Fabrik der Gebrüder Scheven durchschnittlich 35 Arbeiter und lieferte insbesondere Einrichtungen von Sägemühlen und Holzbearbeitungsmaschinen. Der Familienbetrieb befasste sich vor dem 1. Weltkrieg mit der Herstellung von Wasserversorgungsanlagen für Städte und Dörfer, Heizungsanlagen, Sägegatter, Pumpen und Förderanlagen für die Landwirtschaft. Die Produktion von landwirtschaftlichen und Sägereimaschinen wurde nach dem 2. Weltkrieg weitergeführt.
Der Briefkopf ist auf einem Angebotsschreiben abgebildet und stammt aus dem Jahr 1911. Links und rechts befinden sich je zwei Drucke, die unter anderem den "Staatspreis für hervorragende Leistungen" und das Profil des Großherzogs Mecklenburg-Schwerin zeigen. Zwischen den Drucken steht in großer lateinischer Druckschrift der Firmenname: Gebrüder Scheven, Eisengießerei und Maschinenfabrik, gegründet 1866.
Unter den links angeordneten Drucken sind die Telegraphen-Adresse, der Fernsprecheranschluss und die Bankverbindung angegeben.
Die Firma Callies wurde am 29. 01. 1812 durch Johann Christian Friedrich in Dassow gegründet. Begonnen als Glas- und Porzellanwarenhandel expandierte dieser im Laufe der Jahre zu einem Handel mit Holz, Baumaterialien, Kohle, Stabeisen und Getreide.
1828 vereinigten sich die Firma Callies und die Firma Pelzer aus Grevesmühlen zur Firma Callies & Pelzer. Als am 31.3.1852 A. Pelzer aus dem Geschäft ausstieg, wurde Callies zum Alleininhaber der Firma.
Die Schwerpunkte des Getreidehandels lagen vor allem in Lübeck, Dassow, Grevesmühlen und Wismar.
1865 eröffnete in Grevesmühlen ein Zweitgeschäft.
Durch die Eröffnung der Eisenbahnlinie Lübeck-Stettin (1869) und der Linie Lübeck-Grevesmühlen-Bad Kleinen (1870) ergaben sich für Grevesmühlen neue Handelsmöglichkeiten. Infolgedessen wurde ein Getreidespeicher an der Bahn gebaut und die erste längere private Fernsprechleitung aus geschäftlichen Gründen von Dassow nach Grevesmühlen verlegt.
Mit dem Kauf des Ramelowschen Dampfsägewerks 1898 konnte Holz nun in bearbeiteter Form angeboten werden.
Insgesamt brannte das Dampfsägewerk zweimal ab, wurde wieder errichtet und gehörte ab 1948 zum Volkseigentum. Die DDR wirkte sich ungünstig auf die Stadt Grevesmühlen aus, da wichtige Handelsbeziehungen zu Lübeck, Hamburg und Schleswig-Holstein durch die innerdeutsche Grenze abbrachen.
Der Briefkopf besteht aus fünf Abbildungen, die die Dampfsägewerke in Dassow, Grevesmühlen und Plau zeigen. Rechts von den ihnen sind die Telegramm-Adresse, die Fernsprecher-Anschlüsse und der vollständige Firmenname abgedruckt.
Die Firma Gebrüder Perzina wurde im Jahr 1871 von den aus Zwickau stammenden Brüdern Julius und Albert Perzina in Schwerin gegründet. 1901 galt die Pianofirma Perzina als eine der größten und leistungsfähigsten Pianofabriken im Ostseeraum.
In den 1880er Jahren steigen die Gebrüder Perzina zum Hof-Pianofabrikanten des Großherzogtums Mecklenburg, "Ihrer Majestät der Königin der Niederlande", "Seiner Majestät des Königs von Portugal" und "Seiner Hoheit des Herzogs von Anhalt" auf.
Ende der 1880er Jahre begannen die ersten Exportversuche der Firma. Perzina-Pianos wurden bis in die Länder Argentinien, Paraguay, Uruguay und Chile verkauft. Trotz dieser Erfolge begann die Firma zu stagnieren, da kein ausgebildeter Kaufmann in der Firma beschäftigt war.
Die Hochzeit der ältesten Tochter Perzinas mit dem Hamburger Kaufmann Daniel Huß rettete die Firma, da der Schwiegersohn Ende 1893 als kaufmännischer Leiter in die Firma Gebrüder Perzina eintrat.
Zur gleichen Zeit erfolgte die Umgestaltung der Firma durch den Einsatz einer Dampfmaschine vom handwerklichen zum fortschrittlichen maschinellen Betrieb.
Im April 1897 ging nach dem Tod des Inhabers Julius Perzina die Firma an Daniel Huß über.
1914, zum Beginn des 1. Weltkrieges entstand innerhalb der Firma die "Abteilung für Heeresbedarf", die unter anderem Flugzeugteile, Propeller und Tragflächen herstellte. Von 1918-1920 war August Fokker der Direktor der Firma.
Es folgte ihm 1921 der Fabrikant Otto Libeau als Inhaber der Pianofortefabrik.
Ab 1949 ist die Firma im Schweriner Stadtadressenbuch eingetragen als "Gebr. Perzina GmbH, Pianoforte-Fabrik, gegr. 1871. Inh. Wilhelm Meyer, Wismarsche Str. 153".
1951 wird der Sitz der Firma in der Stalinstraße Schwerin angegeben.
Der Briefkopf nimmt fast die Hälfte des gesamten DIN A4-Blattes ein und ist sehr aufwändig gestaltet. In geschwungener großer Schrift erscheint der Firmenname "Gebr. Perzina Hof-Pianoforte-Fabrikanten" . Über diesem Schriftzug geht die Sonne auf. Unter dem Firmenlogo sind von links nach rechts das Landeswappen Mecklenburgs, eine Abbildung der Fabrik und 15 goldene und silberne Medaillen abgebildet. Des Weiteren sind die Telegrammadresse, der Fernsprecheranschluss und die Zweiggeschäfte und Hauptniederlagen abgedruckt.
Die Kartoffelmehl- und Sirupfabrik Plau wird erstmals am 17.09.1872 in der Plauer Zeitung erwähnt. Obwohl sie verkehrsgünstig an der Elde und der Lübzer Landstraße liegt, erhielt die Fabrik einen Eisenbahnanschluss, ein Zeichen dafür, dass die Produktion erfolgreich lief.
Der Name der Fabrik änderte sich gelegentlich, so dass die Fabrik auch unter den Namen "Stärke- und Zuckerfabrik", "Syrup- und Kartoffelstärkefabrik" oder "Kartoffelflockenfabrik" bekannt war.
Nach dem Tod des Fabrikbesitzers Wilhelm Behr erfolgte am 5.10.1892 für 15 Jahre die Gründung einer GmbH unter dem Namen "Kartoffel- und Syrupfabrik Plau".
Ab 1916/17 war die Fabrik im Besitz der Familie Bernstein & Rothenburg. Sie wollte 1923 eine Seifenfabrik errichten.
Bis ins Jahr 1925 hinein reichten die Bemühungen, die im Kriegsjahr 1916 stillgelegte Fabrik wieder zu eröffnen. Aufgrund fehlgeschlagener Vermittlungsversuche wurde die Fabrik nicht wieder in Betrieb genommen. Nachdem die Fabrikgebäude und das Gelände über die Jahre auf verschiedene Weise genutzt wurden, ist 2005 auf dem Gelände das Seniorenpflegeheim "Eldeblick" eröffnet worden.
Den Briefkopf ziert eine große Abbildung der Fabrik, über der der Firmenname "Kartoffelmehl- und Sirupfabrik Plau, Gesellschaft mit beschränkter Haftung" abgebildet ist. Links neben dem Druck der Fabrik befinden sich das Symbol der eingetragenen Marke Simson, die Telegramm-Adresse und der Name der Bank. Der Briefkopf ist reich mit Ornamenten und Blumen gestaltet.
Vorschläge zur Verwendung im Schulunterricht
Die vorliegenden Quellen können in der 8. Klasse Verbundene Haupt- und Realschule, Haupt-, Realschule und Gymnasium/integrierte Gesamtschule und in der 12./13. Klasse Gymnasium im Geschichtsunterricht/Wirtschaftsgeschichte Verwendung finden.
Die Briefköpfe können einerseits der Illustration der Fabriken und Betriebe dienen, die sich im 19. Jh. in Mecklenburg angesiedelt und entwickelt haben. Andererseits sollen sie aber auch als eigenständige Quelle im Unterricht verwendet werden, um einen kritischen Umgang mit Bildquellen seitens der Schüler1 zu trainieren.
Zudem werden hier nicht die heutigen Industriezentren Mecklenburgs vorgestellt, zu denen vorrangig die Hansestädte zählen, sondern die Kleinstädte Grevesmühlen, Plau, Dassow, Teterow und die Landeshauptstadt Schwerin. Mecklenburg war noch nie ein Land, in dem die Industrie den ersten Platz in der Wirtschaft einnahm und wurde schon früher als rückständig bezeichnet. Daher ist es sehr wichtig, dass die Schüler erfahren, dass es in Mecklenburg dennoch, auch über die Landesgrenzen hinweg, bekannte industrielle Betriebe gab und wirtschaftliche Auswirkungen gab.
Diese reich ausgestalteten Briefköpfe weisen auf das Prestigestreben der Fabrikbesitzer hin. Gerade der Briefkopf der Gebrüder Perzina und der Kartoffelmehl- und Sirupfabrik Plau sind dafür ein gutes Beispiel. Die Berühmtheit und die Qualität des Geschäfts/der Fabrik sollen sich bereits im Briefkopf widerspiegeln und auf den Empfänger Eindruck machen. Es ist wichtig, dass den Schülern beigebracht wird, dass es sich nicht um originalgetreue Abbildungen handeln muss, da die die Briefköpfe keine Fotographien, sondern Drucke sind, und sich so die Wirklichkeit auf dem Papier verschönern ließ.
Das Quellenmaterial der Briefköpfe lässt sich mit einer Exkursion verbinden, bei der die Schüler auf Spurensuche nach alten Betrieben und Firmen gehen. Hierbei kommt der regionalgeschichtliche Bezug im Geschichtsunterricht zum tragen.
Die Schüler können auch versuchen, anhand des Ausgangsmaterials, welches die Briefköpfe bieten, die Firmengeschichte nachzuvollziehen und somit Forschungen "auf eigene Faust" zu betreiben.
1 Aufgrund der besseren Lesbarkeit des Textes wird nicht extra zwischen Schülern und Schülerinnen unterschieden, sondern nur die männliche Form verwendet.
Quellennachweis
- LHAS, 2.22-10/13, Domanialamt Grevesmühlen-Plüschow, Nr. 5319.
- LHAS, 2.22-10/13, Domanialamt Grevesmühlen-Plüschow, Nr. 5322
- LHAS, 2. 26-2, Hofmarschallamt Schwerin, 5478.
- LHAS, 3.2-3.1 Landeskloster Dobbertin , 1264.
Literatur
- Eisengießerei und Maschinenfabrik der Gebrüder Scheven
- Griem, Gisela: Die Stadt Teterow – eine ökonomisch-geographische Studie. Staatsexamensarbeit. Greifswald 1967. S. 67.
- Stadtwerke Teterow GmbH (Hrsg.): Von der Strode’schen Gasanstalt zur Stadtwerke Teterow GmbH. Chronik der Teterower Stadtwerke und ihrer Vorläufer. 2003. S. 10.
- Dampfsägewerk Callies
- LHAS, 3.3-2/3 Stadt Grevesmühlen.
- Stadtarchiv Grevesmühlen 2.1.1, 350
- Redersborg, Eckart: Grevesmühlen in alten Ansichten. 2. Auflage. Zaltbommel/Niederlande 1992.
- http://www.ufes-gvm.de/Grevesmuehlen/ (20.08.2007).
- Gebrüder Perzina
- Udo Funk: Die Flügel der Gebrüder Perzina. Streiflichter aus der Geschichte eines renommierten Schweriner Unternehmens. In: Mecklenburg-Magazin 7. 1994. S. 8-9.
- http://www.geschichtsspuren.m-vp.de/thema48.htm (21. 08. 2007).
- Kartoffelmehl- und Sirupfabrik Plau
- Ruchhöft, Heidemarie und Fred: Mecklenburger Seenplatte. Plau – Malchow und Umgebung. Ein illustriertes Reisehandbuch. Bremen 1993. S. 24.
- http://daten2.verwaltungsportal.de/dateien/amtsblatt/november2005.pdf (22. 08. 2007).
Briefköpfe aus dem frühen 20. Jahrhundert
Briefkopf der Eisengießerei und Maschinenfabrik der Gebrüder Scheven
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Briefkopf des Dampfsägewerks Chr. Callies in Grevesmühlen, Dassow und Plau
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Briefkopf der Gebrüder Perzina, Pianoforte-Fabrik Schwerin
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Briefkopf der Kartoffelmehl- und Sirupfabrik Plau GmbH
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