Das Wunder von Plüschow. Ein verlorenes Landschaftszimmer kehrt heim
Ein außergewöhnlicher Fund kehrt an seinen Ursprungsort zurück – und eröffnet einen faszinierenden Dialog zwischen Jahrhunderten: Ein großes Fragment einer barocken Wandbespannung aus dem 18. Jahrhundert, lange verborgen und vergessen, ist gerettet und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Erstmalig wird es in der Ausstellung „ZEITREISEN. Die Wandbespannung und ihre Rückseite – „Das verlorene Landschaftszimmer“ im Dialog mit der Künstlerin Juliane Laitzsch, die am Samstag, den 9. Mai 2026, um 15 Uhr eröffnet wird, vorgestellt.
„Das verlorene Landschaftszimmer“
Eine Rettung in letzter Minute Kurz nach 1990 entdeckte ein aufmerksamer Bauarbeiter das kostbare Textil unter Papiertapeten in einem Nachbargebäude von Schloss Plüschow – versteckt unter dem Dach, dem Bauschutt nur knapp entgangen. Über dreißig Jahre lang bewahrten seine Nachkommen das Stück sorgfältig in einer Garage in der Nähe von Grevesmühlen auf, bevor sie es im Sommer 2023 dem Förderkreis Schloss Plüschow e.V. übergaben. Eine stille, beharrliche Form der Verantwortung gegenüber dem kulturellen Erbe.
Restaurierung, Forschung und Vermittlung gingen in einem gemeinsamen Projekt Hand in Hand: Unter fachlicher Leitung des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern (LAKD) entwickelten das LAKD und das Mecklenburgische Künstlerhaus Schloss Plüschow ein Konzept, das weit über die reine Sicherung hinausging. Im Fokus standen die konservatorische Bewahrung des kostbaren Fundes, seine zukünftige Präsentation sowie neue Wege der Vermittlung – insbesondere für Kinder und Jugendliche. Die Restaurierung des kostbaren Fragments übernahmen die Restauratorinnen Susanne Buch (Textilrestaurierung) und Annette Seiffert (Gemälderestaurierung). Ermöglicht wurde das Projekt durch die Förderung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest sowie durch Eigenmittel der Projektpartner.
Ein Fenster in die Welt des 18. Jahrhunderts Das Fragment zeigt eine prachtvolle Fantasielandschaft, in der sich Elemente italienischer, französischer und deutscher Malerei zu einem einzigartigen Bildraum vereinen – üppige Bäume, exotische Pflanzen, Figuren in leuchtenden Gewändern. Solche textilen Wandbespannungen schmückten einst die repräsentativen Räume des Adels und zeugen von einer kosmopolitischen Bildwelt, die weit über die Grenzen Mecklenburgs hinausweist. Als einzigartiges Beispiel barocker Raumkunst ist das Stück nicht nur ein kunsthistorisches Dokument, sondern auch ein lebendiges Zeugnis der Kulturgeschichte unseres Landes.
Geschichte trifft Gegenwart Nach aufwendiger Restaurierung hat das Fragment nun seinen dauerhaften Platz in den Ausstellungsräumen des Mecklenburgischen Künstlerhauses Schloss Plüschow gefunden – und genau dieser Ort macht den Fund besonders bedeutsam. Hier, wo zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler arbeiten, ausstellen und neue Bildwelten schaffen, tritt das historische Werk in einen lebendigen Dialog mit der Kunst der Gegenwart. Vergangenheit und Gegenwart begegnen sich auf Augenhöhe: Das barocke Landschaftsfragment stellt Fragen an unsere Zeit – nach Herkunft, Erinnerung und dem, was wir bewahren wollen.
Dieses Zusammenspiel macht Schloss Plüschow zu einem besonderen Ort kultureller Kontinuität: einem Haus, in dem Geschichte nicht museal eingefroren, sondern als lebendige Ressource erfahrbar wird – generationsübergreifend, offen und inspirierend.
Ein Stück Mecklenburg für alle Das wiederentdeckte Landschaftszimmer lädt ein, mecklenburgische Kulturgeschichte neu zu entdecken – nicht als ferne Vergangenheit, sondern als Teil eines fortlaufenden Gesprächs, das wir alle mitführen.
Juliane Laitzsch
„Zeitreisen. Die textile Wandbespannung und ihre Rückseite“
Die Zeichnerin Juliane Laitzsch nimmt in ihrer künstlerischen Arbeit direkten Bezug zu der wertvollen Wandbespannung auf. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf ihre Rückseite. Hier finden sich die Spuren einer wechselvollen Geschichte. Juliane Laitzsch tastet mit ihrer Zeichnung die Verweise auf diese Geschichte ab. Sie zoomt sich in die Tapetenreste, Nagellöcher und Verfärbungen hinein und bleibt ihrerseits fragmentarisch.
Gezeigt werden zudem Zeichnungen aus der Serie „Unendlichkeit in kleinen Fetzen“. Die Arbeit von Juliane Laitzsch lädt zu einer Zeitreise ein. Dabei hat sie immer auch den Neuanfang und das Weitermachen im Blick. Ihre sorgfältigen, meditativen Zeichnungen zeigen Schönheit und Verlust gleichermaßen.
Juliane Laitzsch hat in Bremen und Berlin freie Kunst studiert. Ihre Arbeit befasst sich mit Zusammenhängen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dabei gilt ihr Interesse den Verschiebungen, den Rissen und Brüche und unserer seltsamen Un/Verbundenheit mit der Welt. Ihre Arbeiten wurden weitläufig ausgestellt und gefördert. Die Kunstuniversität in Linz hat ihr für die Arbeit „Spätantike Textilien - Experimente der Annäherung“ den Doktortitel verliehen. Sie lebt und arbeitet in Nordwestmecklenburg.
Programm zur Eröffnung:
- Grußwort: N.N., Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Mecklenburg-Vorpommern
- Einführung zur Wandbespannung: Dr. Ramona Dornbusch, Direktorin des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern
- Einführung zur Ausstellung: Miro Zahra, Leiterin des Künstlerhauses
- Rundgang durch die Ausstellung mit der Künstlerin Juliane Laitzsch
- Kleine Speisen und Getränke in der Schlossklause
Führungen
- am Pfingstsonntag, den 24. Mai um 11 und 14 Uhr
- am Pfingstmontag, den 25.Mai um 11 und 14 Uhr
- am Sonntag, den 7. Juni um 11 und 14 Uhr (letzter Tag der Ausstellung)
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr;
Eintritt: 4 Euro, mit Führung 7 Euro
Helfen Sie, Kulturgeschichte zu bewahren!
Funde wie dieser sind selten – ihre Rettung, Restaurierung und dauerhafte Zugänglichmachung ist jedoch nur möglich, weil Menschen sich engagieren und dieses Engagement unterstützen. Der Förderkreis Schloss Plüschow e.V. setzt sich seit Jahren dafür ein, das kulturelle Erbe Mecklenburgs zu sichern und lebendig zu halten. Werden Sie Teil dieser Gemeinschaft – mit einer Spende oder Mitgliedschaft im Förderkreis. Jeder Beitrag zählt und hilft, weitere Schätze der mecklenburgischen Kulturgeschichte für kommende Generationen zu erhalten.
Förderkreis Schloss Plüschow e.V.
IBAN: DE95 1307 0024 0240 0711 00
BIC: DEUTDEDBROS
Verwendungszweck: Landschaftszimmer (Spendenbescheinigung auf Anfrage)
Kontakt
Mecklenburgisches Künstlerhaus Schloss Plüschow
Am Schlosspark 8
OT Plüschow
23936 Upahl
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