Fund des Monats Oktober 2019

Solide gebaut: Mittelalterliche Holzstraßen in Penzlin, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte

Penzlin, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Fpl. 232. Der gut erhaltende Bohlenweg in der Kleinen Straße wurde auf einer Länge von 42 m erfasst.Details anzeigen
Penzlin, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Fpl. 232. Der gut erhaltende Bohlenweg in der Kleinen Straße wurde auf einer Länge von 42 m erfasst.

Abb. 1: Penzlin, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Fpl. 232. Der gut erhaltende Bohlenweg in der Kleinen Straße wurde auf einer Länge von 42 m erfasst.

Abb. 1: Penzlin, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Fpl. 232. Der gut erhaltende Bohlenweg in der Kleinen Straße wurde auf einer Länge von 42 m erfasst.

Bereits bei den Arbeiten an der Ortsdurchfahrt von Penzlin in den Jahren 2011 und 2012 sorgten gut erhaltene mittelalterliche Bohlenwege in der Großen Straße und den Einmündungsbereichen Kleine Straße und Bornstraße für Überraschungen.

Im Zuge der Einbringung neuer Entsorgungsleitungen in der nördlichen Kleinen Straße wurden 2018 die baubegleitenden archäologischen Bergungs- und Dokumentationsarbeiten durch das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, Abteilung Landesarchäologie, wieder aufgenommen. Ausgehend vom 2011 und 2012 geöffneten Bereich erfolgte die Freilegung und Dokumentation des nord-südlich verlaufenden Bohlenweges (L. 42 m; Br. 2–2,6 m; Abb. 1) bis in die Nähe der Kreuzung Turmstraße.

Die teilweise etwas abgesackte Oberfläche des ansonsten gut erhaltenen holzbefestigten Weges lag zwischen 1,2 und 1,6 m unter dem heutigen Gehwegniveau (Abb. 2). Beeinträchtigungen in der Holzerhaltung gab es nur am östlichen Rand aufgrund einer parallel verlaufenden, undichten neuzeitlichen Rohrleitung. Im größten Teil des linearen Auskofferungsbereichs befanden sich überwiegend aus Eichenholz hergestellte Spaltbohlen (Br. 14–45 cm; St. 4–14 cm; Abb. 3), die auf nord-südlich orientierten Unterzügen lagerten. Zwei Ausnahmen bildeten Auflagebohlen aus Erlenholz. Neben diesen wurde auch das Fragment eines hölzernen Wagenrades (L. erh. 42 cm; Br. 5,8 cm; St. 5,3 cm; Abb. 4) mit vollständig abgenutzten Verschleißzapfen gefunden.

Die dendrochronologische Datierung der 74 Holzproben nahm Dr. Karl-Uwe Heußner am Deutschen Archäologischen Institut in Berlin vor. Bei den Auflagehölzern ermittelte er überdurchschnittlich viele Fälldaten der 1240er und 1250er Jahre, insbesondere der Jahre 1243, 1249, 1251, 1254 und 1258. Unter den Hölzern der 1260er Jahre sind Datierungen aus den Jahren 1260 und 1262 gesichert (Waldkante). Von den beprobten Unterzügen lieferten drei Proben gesicherte Fälldaten von 1262 und 1264 (Waldkante). Weitere Unterzug-Proben verwiesen mit relativer Sicherheit auf gleichgelagerte Fälldaten. Das frühe Fälldatum von 1229 eines nochmals verwendeten Unterzuges relativiert sich mit der Platzierung auf einem 1265 (Sommerwaldkante) gefällten Stützholz, welches ein Einsinken in den weniger tragfähigen Untergrund verhindern sollte. Insgesamt scheint es bei der Datierungsvielfalt der Auflagehölzer sowie den im Vergleich dazu sehr jungen Unterzügen möglich, dass in den 1260er Jahren die vergangenen Unterzüge eines älteren Weges gegen neue ausgetauscht wurden. Vermutlich wurden alle vorhandenen Spaltbohlen auf ihre Tauglichkeit überprüft, mehrheitlich wieder als Belag genutzt sowie in geringem Maße um neue Ersatzbohlen ergänzt.

Anzumerken ist noch, dass der Straßenraum um den Bohlenweg kurz nach der Mitte des 13. Jahrhunderts recht beengt war. Bei Hausanschlussarbeiten in den Gehweg- und Straßenrandbereichen kamen zwei vermutlich zu Holzkellern gehörende Bohlenwände (Fälldaten 1259 Waldkante, 1260 Sommerwaldkante) und vier Feldsteinfundamente östlich und westlich der Holzstraße zum Vorschein, die den spätmittelalterlichen Straßenkörper auf eine Breite von fünf Metern (heute 8,5 m) begrenzten.

Kornelia Wegner M.A.

Literatur

Adolf/Fenske 2015: H. Adolf, R. Fenske, Neues aus dem alten Feldberg, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte. – Archäologische Berichte aus Mecklenburg-Vorpommern 22, 98–104.

Fenske 2012: R. Fenske, Loitz, Lkr. Demmin, Fpl. 25. In: Kurze Fundberichte 2011. – Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern 59, 454 f. Schwerin.

Fenske 2016: R. Fenske, Bohlenwege des 13. Jahrhunderts in Woldegk, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte. – Archäologische Berichte aus Mecklenburg-Vorpommern 23, 101–106.

Wegner 2013: K. Wegner, Penzlin, Lkr. Müritzkreis, Fpl. 229. In: Kurze Fundberichte 2012. – Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern 60, 506–510. Schwerin.

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