Denkmal des Monats Dezember 2025

Das Wehrmachtsgefängnis in Anklam

Abb. 1. Anklam, Lkr. Vorpommern-Greifswald, ehem. Wehrmachtsgefängnis, 2010.Details anzeigen
Abb. 1. Anklam, Lkr. Vorpommern-Greifswald, ehem. Wehrmachtsgefängnis, 2010.

Abb. 1. Anklam, Lkr. Vorpommern-Greifswald, ehem. Wehrmachtsgefängnis, 2010.

Abb. 1. Anklam, Lkr. Vorpommern-Greifswald, ehem. Wehrmachtsgefängnis, 2010.

Die nationalsozialistische Diktatur führte 1934 eine Militärgerichtsbarkeit wieder ein, die in der Folge auch Militärgefängnisse benötigte. Neben der Nutzung bestehender Gefängnisse wurde von 1939 bis 1940 das Militärgefängnis Anklam auf dem Hof der Kriegsschule Anklam errichtet, und als eines von acht Wehrmachtsgefängnissen genutzt, und war somit Teil des menschenverachtenden Justizapparates der NS-Zeit. Ein Architekt ist derzeit nicht bekannt. Ein Teil des Gebäudes, etwa ein Drittel, wurde nach 1945 abgerissen, der verbliebene Teil als Getreidespeicher genutzt. Nach 1990 stand das Gebäude leer, ab 2005 wurde eine Gedenkstätte eingerichtet. 2021 erwarb die Stadt Anklam die Liegenschaft, mit dem Ziel, es einer adäquaten Nutzung zuzuführen.

Das Gebäude ist ein zwei- bis dreigeschossiger Betonbau mit Ziegelwalmdach und Klinkerfassade. Der überkommene, L-förmige Baukörper zeichnet sich durch sorgfältig vermauerten Klinker mit großen Farbvariationen aus, der bereichsweise in Zierformen wie Bänderungen oder diagonalen Ziermustern verwendet wurde (Abb. 1-2). Die Fenster sind durch etwa halbsteinig herausgesetzte Klinker gerahmt und teilweise zu Dreier- und Fünfergruppen zusammenfasst (Abb. 3). In wenigen Teilbereichen, wie etwa der Traufe, wurde ein heller Kunststein verwendet. Das Gebäude besitzt insgesamt eine hohe Gestaltqualität, vor allem durch die bewusste Verwendung der variantenreichen Klinkerfarben der Fassade. Die Klinker sind in der Region zu der Zeit auch an anderer Stelle zu finden, wie etwa an einem Speicher in Jarmen.

Die Wandoberflächen innen zeigen sich mit hellem Verputz, der in Teilbereichen fehlt. An vielen Stellen sind Füllhöhenmarkierungen aus der Nutzung als Getreidespeicher erkennbar (Abb. 4). Ein Raum weist Reste einer Wandgestaltung auf, die zur Zeit der NS-Diktatur evtl. militärische Karten und entsprechende Hoheitszeichen zeigte, diese wurden nach 1945 stark reduziert bzw. entfernt (Abb. 5). Aus der Gefängnisnutzung sind noch einige Türen überkommen (Abb. 6). Die knappen Zellenausstattungen sind nur noch in Resten erkennbar. Im Kellerbereich sind die ehem. Todeszellen als Gedenkstätte eingerichtet (Abb. 7).

Während der Nutzung als Militärgefängnis bis 1945 war die ursprüngliche Kapazität von etwa 600 Gefangenen zeitweilig mit bis zu 1500 Gefangene völlig überbelegt. Die Urteile der Militärgerichtsbarkeit umfassten u.a. den Einsatz in Strafeinheiten, die besonders gefährliche Aufgaben zu erfüllen hatten sowie auch Todesurteile. Zwischen November 1941 und April 1945 sind derzeit 139 vollstreckte Todesurteile nachgewiesen, davon alleine 100 in der Endphase des Krieges ab Anfang 1945.

Die Nutzung als Getreidespeicher hatte einige Veränderungen am Gebäudeinneren bedingt, um vor allem die Böden und Wände für die Schüttnutzung herzurichten. Auch wurden einige Fenster so weit wie nötig verschlossen. Seither wurden wenig Veränderungen am Gebäude vorgenommen. Nach der Wende wurde das Gebäude an einen privaten Eigentümer veräußert.

Die Stadt Anklam plant, die grundsätzlich intakte und tragfähige Bausubstanz verschiedenen Nutzungen als Lagerfläche, für Vereinsaktivitäten und ähnliches herzurichten. Ein Teilbereich im Erdgeschoss, der heute bereits eine Ausstellung zur Geschichte und eine Veranstaltungsfläche beherbergt (Abb. 8), und die Gedenkstätte im Keller sollen dabei erhalten und soweit erforderlich ertüchtigt werden.

Stefan Beate

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