Schenkung des Mecklenburgischen Staatstheaters – Die Musiksammlung der Landesbibliothek vervollständigt ihren Flotow-Bestand

Das historische Aufführungsmaterial des Mecklenburgischen Staatstheaters für Friedrich von Flotows Oper Alessandro Stradella Details anzeigen
Das historische Aufführungsmaterial des Mecklenburgischen Staatstheaters für Friedrich von Flotows Oper Alessandro Stradella
Das historische Aufführungsmaterial des Mecklenburgischen Staatstheaters für Friedrich von Flotows Oper Alessandro Stradella
Das historische Aufführungsmaterial des Mecklenburgischen Staatstheaters für Friedrich von Flotows Oper Alessandro Stradella
05.06.2026  | LB  | LAKD - Landesbibliothek

Friedrich von Flotow war im 19. Jahrhundert ein Komponist von Weltruf. Diesen verdankte er seinen beiden Opern Alessandro Stradella (Hamburg 1844) und Martha (Wien 1847). In Schwerin wurden die Werke des gebürtigen Mecklenburgers wenige Wochen nach ihrer Uraufführung zur Feier des Geburtstags von Herzog Friedrich Franz II. auf die Bühne gebracht. Bei der Aufführung des Stradella stand Flotow persönlich am Dirigentenpult.

Über 150 Vorstellungen hat Martha, knapp 70 Vorstellungen Alessandro Stradella innerhalb von 100 Jahren allein in Schwerin erlebt. Musiziert wurde aus handgeschriebenen Stimmen.

Das Schweriner Erstaufführungsmaterial des Alessandro Stradella aus dem Jahr 1845 hat die Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern vom Mecklenburgischen Staatstheater im Februar 2026 als Schenkung erhalten. 150 Jahre lang wurde daraus musiziert. Generationen von Musikern haben künstlerische Entscheidungen, Textänderungen, Streichungen, aber auch ihre Namen, Aufführungsdaten, -orte, und -dauern in die Stimmen eingetragen.

Der größte Teil des historischen Orchestermaterials der heutigen Mecklenburgischen Staatskapelle befindet sich schon seit Langem in der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern. Das Musiziergut aus Ludwigslust wurde nach der Rückverlegung der Residenz nach Schwerin im Jahr 1837 und der Umwandlung der Kapelle in ein Hoftheaterorchester nicht mehr gebraucht und bereits Ende des 19. Jahrhunderts vom Mecklenburg-Schweriner Fürstenhaus an die damalige Großherzogliche Regierungsbibliothek übergeben. Das Aufführungsmaterial des Hoftheaterorchesters – vor allem Opern und Schauspielmusiken –gelangte zwischen 1940 und 2014 in die Landesbibliothek.

„Wir sind dankbar, mit der Musiksammlung der Landesbibliothek MV einen Partner zu haben, der sich um das geistige Erbe unseres traditionsreichen Theaters fachgerecht kümmert“, so Intendant Hans-Georg Wegner. „Zu diesem Erbe gehören die Werke des Intendanten und Komponisten Friedrich von Flotow. Denn unser Welterbe-Theater ist nicht nur architektonisch wunderschön, in ihm haben Künstlerinnen und Künstler gewirkt, die bleibende Spuren hinterlassen haben – und mit denen es lohnt, sich forschend und musizierend auseinanderzusetzen.“

„Die historischen Notenbestände der Mecklenburgischen Staatskapelle – eines der ältesten Orchester Deutschlands – bilden das Herzstück unserer Musiksammlung“, betont Dr. Miriam Roner, Kustodin der Musiksammlung der Landesbibliothek. „Erforscht, ediert und zum Klingen gebracht wurde bisher vor allem das Repertoire des 18. Jahrhunderts. Die Schätze des 19. Jahrhunderts sind erst noch zu heben. Die konservatorische Sicherung und bibliothekarische Erschließung unserer älteren und jüngst erworbenen Flotow-Manuskripte sind ein erster, wichtiger Schritt. Auf dass diese Quellen wissenschaftlich und musikalisch fruchtbar gemacht werden.“

Von Friedrich von Flotow verwahrt die Musiksammlung aus dem Vorbesitz des Hoftheaters mehrere handschriftlich überlieferte Werke: einen Chor aus Les Pages de Louis XI (mit deutschem Text), eine Ouvertüre  sowie fünf Opern und eine Schauspielmusik. Die Opern Martha und Indra gehörten bereits zum Notenfundus und Repertoire der Kapelle, als Flotow 1855 auf Wunsch des Großherzogs die Intendanz des Hoftheaters übernahm. Während seiner siebenjährigen Amtszeit hinzu kamen die Oper Albin (1856), die zur Einweihung des Schweriner Schlosses komponierte Festoper Johann Albrecht (1857) sowie die Schauspielmusik zu William Shakespeares Wintermärchen (1860). 1879 wurde in Schwerin die deutschsprachige Fassung der Oper Alma uraufgeführt. Der Komponist überreichte dem Großherzog ein eigenhändig geschriebenes Widmungsexemplar des Klavierauszugs.

Weitere Werke Flotows, von denen die Landesbibliothek einige Textbücher, aber kein Notenmaterial besitzt, sind für die Schweriner Bühne entstanden und in Schwerin uraufgeführt worden. Dazu zählen drei Ballette (Die Libelle (1856), Die Gruppe der Thetis (1858) und Der Tannkönig (1861), die einaktige Operette Pianella (1857), die Schauspielmusik zu Putlitz' Wilhelm von Oranien in Whitehall (1861) sowie das Divertissement Der Königsschuß (1864) zur Hochzeit von Großherzog Friedrich Franz II. mit Prinzessin Anna von Hessen-Darmstadt.

Dr. Miriam Roner