Historische Verzeichnisse und Kataloge aus dem Bestand der Musiksammlung online

Catalog ueber die Musikalien des Grossherzoglichen Infanterie-Batallions [Mecklenburg-Strelitz], Signatur Mus 3065/13 Details anzeigen
Catalog ueber die Musikalien des Grossherzoglichen Infanterie-Batallions [Mecklenburg-Strelitz], Signatur Mus 3065/13
Catalog ueber die Musikalien des Grossherzoglichen Infanterie-Batallions [Mecklenburg-Strelitz], Signatur Mus 3065/13
Catalog ueber die Musikalien des Grossherzoglichen Infanterie-Batallions [Mecklenburg-Strelitz], Signatur Mus 3065/13
20.07.2026  | LB  | LAKD - Landesbibliothek

Im historischen Bestand der Musiksammlung der Landesbibliothek befinden sich insgesamt fünfzehn handschriftliche musikalische Verzeichnisse und Kataloge aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Sie geben wichtige Aufschlüsse über das Musikleben in den Herzogtümern Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz sowie über die Genese und Struktur historischer Notensammlungen unterschiedlicher Herkunft, die – mehr oder weniger vollständig – heute in der Musiksammlung der Landesbibliothek aufbewahrt werden.

Die Manuskripte wurden 2025/26 retrokatalogisiert und digitalisiert. Sämtliche Arbeitsschritte – vom Scannen der 1738 Bilder über die Ergänzung von Strukturmetadaten zur Erleichterung der Navigation in den digitalen Dokumenten bis hin zur Freischaltung der Digitalisate – wurden inhouse erledigt. Damit stehen die Manuskripte der interessierten Öffentlichkeit ab sofort dauerhaft online zur Verfügung und sind über den OPAC der Landesbibliothek, den Rostocker Dokumentenserver und die Digitale Bibliothek M-V weltweit einsehbar. Nachfolgend bieten wir Ihnen einen Überblick über die Bestände.

Umfang und äußeres Erscheinungsbild der Kataloge sind vielgestaltig: Die Bandbreite reicht von einigen wenigen, zusammengehefteten Blättern bis hin zu voluminösen Ganzlederbänden im Folio-Format. Heterogen sind auch die Entstehungsanlässe und Gebrauchszusammenhänge der Dokumente.

In der musikalischen Fachwelt schon lange bekannt und vielfach zitiert ist das sogenannte „Ludwigsluster Diarium“ des Schweriner Konzertmeisters und Kapelldirektors Louis Massonneau (1766-1848). 34 Jahre lang dokumentierte er Programme, beteiligte Musiker, Aufführungsdaten, -anlässe und Veranstaltungsorte der höfischen Konzerte in Ludwigslust, in einem zweiten, weniger bekannten Notizbüchlein, auch Honorare und Geschenke für Gastmusiker.

Der Komponist und Kontrabassvirtuose Johannes Matthias Sperger (1750-1812) führte einen Katalog über verschickte Musikalien, mit Angaben über versandte Kopien eigener Werke und ihre Adressaten, darunter der russische Zar Alexander I. und der preußische König Friedrich Wilhelm II. Ebenfalls aus Spergers Vorbesitz stammt ein Repertoireverzeichnis, in dem auf zwei Notenblättern dicht gedrängt die musikalischen Themata virtuoser Kontrabasswerke notiert sind, welche sich heute sämtlich im Besitz der Landesbibliothek befinden.

Auskunft über die musikalische Sammeltätigkeit des Mecklenburg-Schweriner Fürstenhauses bzw. einzelner Mitglieder des Hauses geben der sogenannte „weiße Katalog“ mit Repertoire überwiegend aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und der etwas jüngere, sogenannte „braune Katalog“. Auf dem Vorderdeckel trägt er ein gekröntes Monogramm, das auf Herzogin Louise Friederike (1722-1791) verweist.

Vom Harfenisten der Schweriner Hofkapelle, Anton Wilhelm Caspar Saal (1762–1855), stammt das Verzeichniss der Musicalien der Durchlauchtigsten Frau Erbprinzessinn Helena Paulowna (1784-1803), die 14-jährig den Erbprinzen Friedrich Ludwig zu Mecklenburg-Schwerin ehelichte und nur 18-jährig verstarb. Zahlreiche der enthaltenen Werke, unter anderem ihres ehemaligen Harfenlehrers Jean-Baptiste Cardon (1760-1803), hatte die Zarentochter aus St. Petersburg mitgebracht.

Der Herzoglichen Musikaliensammlung sind auch mehrere Erwerbungsdokumente zuzuordnen:

Catalogus derjenigen Musicalien so ich an den hochfürstl. Hoff nach Schwerin geliefert habe

Verzeichniß einiger raren musikalischen Kirche- und Kammerstüke von dem weltberühmten Kapellmeister Jommelli

Verzeichniß der von dem Vice=Canzler von Both angekauften Musikalien

Sie geben Aufschluss, über welche Kanäle und aus welchen geographischen Räumen bestimmtes Repertoire für den Musikgebrauch am Schweriner Fürstenhof bezogen wurde.

Das Repertorium zur Musikaliensammlung der Güstrower Domschule aus dem Jahr 1863 zeugt von der Musikpflege an einer der traditionsreichsten Lateinschulen Mecklenburgs, deren Bibliothek nach dem zweiten Weltkrieg zersplittert wurde. An die Landesbibliothek kam das Verzeichnis zusammen mit ca. 160 Musikalien, die 1950/51 aus den Städtischen Sammlungen (heute Stadtmuseum Güstrow) an die Mecklenburgische Landesbibliothek überwiesen wurden und teils aus dem 16. Jahrhundert datieren.

Völlig unbekannt war bislang die Existenz mehrerer Musikkataloge des 19. Jahrhunderts aus dem Herzogtum Mecklenburg-Strelitz. Sie gelangten in den 1950er-Jahren im Zuge der Auflösung der Landesbibliothek Neustrelitz an die Mecklenburgische Landesbibliothek und wurden erst kürzlich – unkatalogisiert, aber systematisch korrekt platziert – im Magazin aufgefunden.

Darunter befindet sich ein fast 500 Seiten starker Halblederband, der „sämtliche Großherzogliche Instrumental- und Vokalmusikalien“ aus Mecklenburg-Strelitz, nebst einer Liste der Großherzoglichen Musikinstrumente verzeichnet. Die Musikalien des 1808 gegründeten Großherzoglichen Infanterie-Bataillons wurden in einem alphabetischen Katalog erfasst, der in zweifacher Ausfertigung in roten, mit Goldprägung verzierten Ganzledereinbänden vorliegt.
Ein schmales Bändchen in königsblauem Einband mit goldgeprägten Zierornamenten und dreiseitigem Goldschnitt verzeichnet in der ersten Rubrik Musikalien, die Friederike von Mecklenburg-Strelitz (damals Herzogin von Cumberland) an ihren Bruder Georg, Großherzog von Mecklenburg Strelitz, entliehen hatte, danach, in systematischer Ordnung, weitere Notenbestände (aus dem Besitz Georgs?), die sich zum damaligen Zeitpunkt entweder bei der Neustrelitzer Hof-Kammersängerin Sophie Tommasini (1785/87?-1848) befinden oder „auf der Musikkammer liegen“.

Zehn der insgesamt fünfzehn Kataloge und Verzeichnisse fanden sich 1891 bereits im Gründungsbestand der heutigen Musiksammlung vor. Rege genutzt wurden sie vor allem von den Kustoden der Sammlung: Otto Kade (1819-1900) und Clemens Meyer (1868-1958) bemühten sich festzustellen, welche der angeführten Titel noch – oder nicht mehr – vorhanden sind. Soweit möglich, ergänzten sie die bibliographischen Angaben in den Katalogen mit Bleistift um die bis heute gültigen Signaturen der Schweriner Bestände. Im primären Nachweisinstrument für Handschriften und alte Drucke aus der Musiksammlung, dem Internationalen Quellenlexikon der Musik (RISM), wird auf die Provenienz bzw. Zughörigkeit einzelner Musikalien zu diversen Sammlungen in der Sammlung nur partiell verwiesen. Die musikwissenschaftliche und bibliothekarische Auswertung der jüngst aufgefundenen Neustrelitzer Kataloge steht bisher noch aus.

Dr. Miriam Roner