Unser Kulturerbe endet nicht an der Küste – 21. August: Internationaler Tag des Kulturerbes unter Wasser

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Bodendenkmalpfleger Wolfgang Frank
Bodendenkmalpfleger Wolfgang Frank
Bodendenkmalpfleger Wolfgang Frank
20.08.2026  | LAKD  | LAKD - Portalseite

Unter der Wasseroberfläche von Ostsee und Seen liegt ein bedeutender Teil unseres kulturellen Erbes. Schiffswracks, Siedlungsspuren und andere archäologische Fundplätze erzählen von Handel und Seefahrt, von Konflikten, technischen Entwicklungen und vom Leben der Menschen vergangener Jahrhunderte und Jahrtausende. Vieles davon bleibt den meisten Menschen verborgen.

Der Internationale Tag des Kulturerbes unter Wasser am 21. August macht auf diesen besonderen Teil unseres kulturellen Erbes und auf die Notwendigkeit seines Schutzes aufmerksam. Denn Unterwasserfundplätze sind vielfältigen Gefährdungen ausgesetzt: durch illegale Bergungen, Eingriffe und wirtschaftliche Nutzungen des Meeres- und Seebodens, intensive touristische Nutzung, aber auch durch die Folgen des Klimawandels wie Niedrigwasser, Trockenperioden, Stürme und veränderte Strömungsverhältnisse.

Forschen und bewahren

Zu den bedeutenden Zeugnissen unter Wasser gehören auch historische Schiffswracks vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Aktuell untersucht das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern (LAKD M-V) gemeinsam mit schwedischen Partnern das Wrack eines schwedischen Kriegsschiffes. Das internationale Forschungsprojekt zeigt beispielhaft, wie Unterwasserarchäologie dazu beitragen kann, bislang verborgene Zeugnisse der Geschichte zu dokumentieren, wissenschaftlich zu erschließen und dauerhaft zu bewahren.

Mehr zum aktuellen Forschungsprojekt

Die Erforschung und der Schutz solcher Fundplätze gehören zu den Aufgaben des LAKD M-V. Dabei wird das Landesamt von zahlreichen ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerinnen und Bodendenkmalpflegern unterstützt. Mit ihrem Wissen, ihrer Erfahrung und ihrem persönlichen Engagement leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Dokumentation und Bewahrung archäologischer Fundplätze – auch unter Wasser.

Eine verborgene Welt sichtbar machen

Zu ihnen gehören Wolfgang Frank und Roland Obst von der Insel Rügen. Als Mitglieder des Vereins für Unterwasserarchäologie beziehungsweise des Vereins Archaeomare dokumentieren die beiden erfahrenen Taucher seit vielen Jahren Wracks und andere Fundplätze vor der Küste. Dabei nutzen sie moderne Verfahren wie die Photogrammetrie: Aus einer Vielzahl von Unterwasseraufnahmen entstehen detailreiche dreidimensionale Modelle. Fundplätze, die sonst nur Taucherinnen und Tauchern zugänglich wären, werden so auch an Land sichtbar und wissenschaftlich auswertbar.

Ihre Begeisterung für die Unterwasserwelt begann bereits vor rund 35 Jahren – zunächst unabhängig voneinander als Sporttaucher. Aus der Faszination entwickelte sich der Wunsch, das Gesehene genauer zu erforschen, zu dokumentieren und mit anderen zu teilen:

„Das, was wir beim Tauchen gesehen haben, wollten wir zum einen weiter erforschen und zum anderen als Information in Wort und Bild teilen. Heute haben wir viele technische Möglichkeiten, den Dingen auf den Grund zu gehen. Mit Sonar, hochwertigen Kameras und Computermodellen kommen wir dem Unterwasserdenkmal immer näher. Durch 3D-Modelle können wir unsere Faszination auch an Land weitergeben.“

Gerade diese Verbindung von ehrenamtlichem Engagement, wissenschaftlicher Dokumentation und moderner Technik eröffnet neue Möglichkeiten, das Unterwasserkulturerbe einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Das digitale Freiwassermuseum

Künftig sollen die Ergebnisse von Wolfgang Frank, Roland Obst und weiteren ehrenamtlich Aktiven im digitalen Freiwassermuseum präsentiert werden. Die Internetplattform entsteht aus der Zusammenarbeit ehrenamtlicher Akteurinnen und Akteure im Land, wird durch das Land gefördert und durch das LAKD M-V unterstützt.

Interessierte und fachlich engagierte Taucherinnen und Taucher können dort dreidimensionale Modelle von Unterwasserfundplätzen in Mecklenburg-Vorpommern bereitstellen. Auf diese Weise wird ein Kulturerbe, das sich dem unmittelbaren Blick meist entzieht, digital erlebbar.

Zugleich haben die Daten einen erheblichen wissenschaftlichen Wert: Wiederholte Dokumentationen können Veränderungen an Fundplätzen sichtbar machen und damit wichtige Grundlagen für ihre Erforschung, Beobachtung und ihren langfristigen Schutz liefern.

Zum digitalen Freiwassermuseum: www.freiwassermuseum-digital.de

Unterwasserkulturerbe braucht Schutz

Mit dem UNESCO-Übereinkommen zum Schutz des Kulturerbes unter Wasser von 2001 besteht auf internationaler Ebene ein Instrument, das gemeinsame Grundsätze für den Schutz dieses besonderen kulturellen Erbes formuliert. Deutschland hat das Übereinkommen bislang nicht ratifiziert.

Für den Schutz des Unterwasserkulturerbes ist eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit jedoch von besonderer Bedeutung. Schiffswracks und andere Fundplätze folgen keinen heutigen Verwaltungs- oder Staatsgrenzen. Gerade in Nord- und Ostsee sind deshalb internationale Kooperationen, wissenschaftlicher Austausch und abgestimmte Schutzstandards von großer Bedeutung.

Der Internationale Tag des Kulturerbes unter Wasser erinnert daran: Unser kulturelles Erbe endet nicht an der Küste. Auch unter Wasser bewahrt es Spuren unserer gemeinsamen Geschichte – und verdient es, erforscht, geschützt und für kommende Generationen erhalten zu werden.