Aufgeschlagen, Pflicht und nachgefragt – Ausblick auf das Veranstaltungsprogramm der Landesbibliothek von Oktober bis Dezember 2026
Die Tage werden kürzer, die Abende umso länger: Schon jetzt hält die Landesbibliothek für Sie ein vielfältiges Herbst- und Winterprogramm bereit, das mit einem leuchtenden Strauß an Veranstaltungen aufwartet und die dunkle Jahreszeit ein wenig erhellt. Lassen Sie sich durch Kultur, Austausch und Gespräch inspirieren:
Der Oktober startet mit der Eröffnung der Wanderausstellung zu Lichtenhagen 1992 - die Graphic Novel oder: Wie vermitteln wir Zeitgeschichte? am 08.10. um 18:00 Uhr. Im August 1992 brannte in Rostock-Lichtenhagen das „Sonnenblumenhaus“, nachdem mehrere Tage lang hunderte Menschen rassistische Parolen gerufen sowie Steine und Brandsätze auf die Polizei und das Gebäude geworfen hatten. „Rostock-Lichtenhagen 1992“ gilt seitdem für viele als Zeichen dafür, wie stark Rassismus im vereinten Deutschland war. Im Jahr 2024 veröffentlichte die Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern in Kooperation mit der Universität Rostock eine Graphic Novel. Sie widmet sich diesem Ereignis aus verschiedenen Perspektiven, die weniger mit Worten als vielmehr zeichnerisch dargestellt werden. Die Zeichnungen und Texte sollen Jugendliche ansprechen und zur Auseinandersetzung anregen. Pedro Stoichita hat diese Graphic Novel gezeichnet und entwickelt. Er ist visueller Künstler, der in einem vielsprachigen Umfeld aus Deutsch, Französisch, Spanisch und Rumänisch aufgewachsen ist. Heute lebt und arbeitet er in Berlin und Rom. Im Jahr 2025 konnte die Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern die Vorarbeiten und Zeichnungen dieser Graphic Novel erwerben und so als buchhistorische Quelle für die Zukunft sichern. In Zusammenarbeit mit der Landesbibliothek und der Landeszentrale für politische Bildung entwickelten Dr. Gudrun Heinrich und Sandra Eichstädt (Universität Rostock) eine Wanderausstellung, die die Entstehung und den Ansatz der Graphic Novel präsentiert.
Am 22.10. setzen wir ab 18:00 Uhr unsere Reihe Aufgeschlagen – prominente Stimmen und ihre Bücher mit Silvio Witt fort. Pro Termin steht in dieser Reihe eine Person des öffentlichen Lebens aus MV im Mittelpunkt, die die Ehre hat, das Neuerwerbungsregal mit Buchempfehlungen auszustatten und diese im Gespräch vorzustellen.
Am 12.11. präsentiert Jürgen Hansen vom Ortskuratorium Schwerin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ab 19:00 Uhr das neue Schwarzbuch der Denkmalpflege.
Es folgt am 17.11. ab 19:00 Uhr die Eröffnung unserer neuen Ausstellung zur Pflicht. Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat die Landesbibliothek in Schwerin gesetzlich damit beauftragt, die aktuellen Druckwerke des Landes zu sammeln, zu erschließen und für die Zukunft zu archivieren. Laut Landesgesetz und Verordnung über die Ablieferung von Druckwerken sind alle Druckerzeugnisse, die in Mecklenburg-Vorpommern verlegt werden, binnen eines Monats nach Erscheinen kostenfrei an die Landesbibliothek abzuliefern. Titel über Mecklenburg-Vorpommern, die außerhalb des Bundeslandes erscheinen, erwirbt die Landesbibliothek. In der Ausstellung werden ausgewählte Exemplare des Pflichtzugangs vorgestellt und die „Pflicht“ genauer unter die Lupe genommen.
Am 24.11. lauschen wir ab 19:00 Uhr zwei Zeitzeugen und Expert*innen im Rahmen der Reihe Nachgefragt: DDR – Geteilte Geschichte, gemeinsame Zukunft. Deutsche Einheit im Gespräch, gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Zeitzeuge Pierre Boom wurde 1957 in Frankfurt am Main geboren. Er war 17 Jahre alt, als seine Eltern Günter und Christel Guillaume als DDR-Spione verhaftet wurden. Booms Vater Günter Guillaume war der bekannte „Kanzler-Spion“, nach dessen Enttarnung Willy Brandt zurücktrat. In der Hoffnung auf einen baldigen Austausch der Eltern zog Boom 1975 mit seiner Großmutter nach Ost-Berlin. Dort machte er eine Ausbildung als Fotojournalist. 1988 kehrte er in die Bundesrepublik zurück und arbeitete fortan als Journalist für verschiedene Medien. Boom erlebte die prägenden Jahre des Jungseins somit in beiden deutschen Staaten und die Zeit als „Wandern zwischen den Welten Ost und West“. Expertin Hanna Müller wurde 2002 geboren und wuchs in Görlitz auf. Gemeinsam mit Weronika Vogel betreibt sie den Blog „Eastplaining“, um darüber zu berichten, was es für sie bedeutet, in Ostdeutschland aufzuwachsen. Sie möchten sich ihre Heimat nicht von außen erklären lassen, sondern den Osten als Ostdeutsche unter die Lupe nehmen. Für ihren Blog haben Hanna Müller und Weronika Vogel den Karl-Wilhelm-Fricke-Preis 2026 in der Kategorie Nachwuchspreis erhalten. Hanna Müller studiert im Master European Studies.
Der Dezember steht ganz im Zeichen des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Am 01.12. präsentiert Reno Stutz ab 19:00 Uhr seine Bilderchronik Mecklenburg-Vorpommern. Die Veranstaltung wird in Kooperation mit der Stiftung Mecklenburg durchgeführt.
Am 10.12. sind wir ab 17:30 Uhr Unterwegs in Mecklenburg und Pommern und hören Geschichten vom Ankommen, Bleiben und Weiterziehen. In Kooperation mit dem Heimatverband MV und der Stiftung Mecklenburg wird der neu erschienene Band zur Mobilitätstagung des Heimatverbandes MV im Jahr 2025 vorgestellt. Die Buchpräsentation wird von einem Vortrag mit Gespräch umrahmt.
Wir freuen uns schon jetzt auf Ihren Besuch in der Landesbibliothek.