Ein Haus für die Ewigkeit – Der Schweriner Archivbau und seine Familie

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Landeshauptarchiv Schwerin
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24.06.2010  | LA  | LAKD - Landesarchiv

"Ein Haus für die Ewigkeit. Der Schweriner Archivbau und seine Familie"

Unter diesem Titel lud das Landeshauptarchiv Schwerin am 24. und 25. Juni 2010 zu einer internationalen Fachtagung über den historischen Archivbau der Kaiserzeit (1871-1918) in das repräsentative Foyer seines neu gestalteten Verwaltungsgebäudes. Der leitende Archivdirektor Dr. Andreas RÖPCKE (Schwerin) betonte in seinen Begrüßungsworten, dass sich das von 1909 bis 1911 unter der Leitung von Paul Ehmig erbaute Schweriner Archiv in eine größere Anzahl zwischen 1871 und 1918 errichteter Archivzweckbauten des Deutschen Kaiserreichs einordnet.

In seinem Grußwort hob Henry TESCH (Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern) hervor, das Landeshauptarchiv Schwerin habe durch die Restaurierung sein "Aschenputteldasein" nun eindeutig beendet. Trotzdem wäre die Politik sensibilisiert für den Bedarf an weiteren Magazinflächen, mittel- und langfristige Lösungen seien jetzt gefordert. Auf der politischen Tagungsordnung stehe nun der für das gesamte Landesamt für Kultur und Denkmalpflege geplante Werk-statt- und Depotneubau in der Stellingstraße, der ein eindeutiges Signal für eine langfristige Lösung darstelle.

Dr. Katja LEISKAU (Dresden) gab im Einführungsvortrag einen Überblick über die Archivzweckbauten des Deutschen Kaiserreiches. So wurden allein zwischen 1873 und 1918 zwölf Archivbauten in Preußen, fünf in Bayern und jeweils einer in weiteren Territorien des Kaiserreichs errichtet. Die frühen Gebäude fanden ihre Vorbilder in Bibliotheksbauten der Zeit, von denen sie die funktionale Gemengelage von Depot und Lesesaal übernahmen. Mit dem 1889 errichteten Archivbau in Münster wurde durch die strikte Trennung der Bereiche Verwaltung/ Benutzung und Magazin ein in Funktion und Gestalt eigenständiger Prototyp eines Archivzweckbaus entwickelt. Diese Eigenständigkeit konnte sich durch Veränderungen der Herrschaftsstrukturen, durch die Emanzipierung des Archivwesens sowie durch die Liberalisierung der Nutzungsrechte bzw. eine neue Öffentlichkeit des Archivs herausbilden. Das Archiv in Münster setzte zugleich übergreifende konservatorische und technische Standards für Archivzweckbauten im In- und Ausland. Die technische Entwicklung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird vor allem an der Verwendung von Eisen und Beton als Baumaterialien sichtbar, von denen man sich eine höhere Stabilität und einen verbesserten Schutz gegen Feuchtigkeit und Feuergefahr versprach. Unterschiede in der Umsetzung der Bauten lassen sich an den damit verbundenen landesherrlichen Absichten festmachen. Da in Preußen eine flächendeckende Versorgung hergestellt werden sollte, war die Bauweise durch die Nutzungsausrichtung und von Sparsamkeitsgrundsätzen geprägt. Demgegenüber rückte in den kleineren Territorien, die in dieser Zeit jeweils nur ein Archiv bauten, das Repräsentationsbedürfnis der Landesherrschaft in den Vordergrund, was eine individuellere und repräsentativere Gestaltung zur Folge hatte. Aber nicht nur die landesherrlichen Vorstellungen sondern auch archivfachliche Entscheidungen nach Besichtigungen bereits existierender Archivzweckbauten zogen individuelle Eigenheiten in der Bauausführung nach sich.

Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen verschiedenen Archivzweckbauten zwischen 1871 und 1918 wurden in den anschließenden Vorträgen weiter ergänzt und vertieft. Der geografische Rahmen spannte sich dabei von Stockholm bis nach Wien, von Straßburg bis nach Breslau. Die Vorträge widmeten sich dem Bau des Haus-, Hof- und Staatsarchivs in Wien (Mag. Thomas Just, Wien), dem Gebäude des alten Reichsarchivs in Stockholm (Daniel HÖFFKER, Stockholm), dem Archivbau in Breslau (Dorota SOKOLOWSKA, Wrocław), dem Archivbau in Stettin (Mag. Jerzy GRZELAK, Szczecin), den Archivbauten in Straßburg und Karlsruhe (Prof. Konrad KRIMM, Karlsru-he), dem alten Gebäude des Sächsischen Hauptstaatsarchivs in Dresden sowie dem Archivbau in Schwerin (Dieter ZANDER, Schwerin). Joachim BRENNCKE (Schwerin), leitender Architekt der Grundinstandsetzung, stellte abschließend die Probleme der Ertüchtigung eines historischen Archivgebäudes in den Mittelpunkt seines Vortrages, wobei das historische Baudenkmal mit modernen technischen Standards und Nut-zungsanforderungen als Archivzweckbau zu verbinden war.

Von der gelungenen Umsetzung konnten sich die Teilnehmer der Tagung im Anschluss an die Vorträge sowie die weitere Öffentlichkeit an den folgenden beiden Tagen anlässlich des Tages der Architektur bei Führungen durch das wiederhergestellte Archivgebäude überzeugen.

Dr. Kathleen Jandausch, Landeshauptarchiv Schwerin