Gutshäuser in Mecklenburg
Beschreibung
Ansichten von Gutshäusern, die Ende des 19. Jh. als Schwarz-Weiß-Fotografien der Größe 24 x 30 cm entstanden und mit etwa 400 mecklenburgischen Schlössern und Rittergütern als Album des Hamburger Verlags Mencke und Co. herausgegeben wurden.
Gutshaus in Lühburg
LHAS, 13.3-1. Mencke & Co. Hamburg-Wandsbek, (Meckl. Herrenhäuser 1880-1890). 623
Gutshof Schwiggerow
LHAS, 13.3-1. Mencke & Co. Hamburg-Wandsbek (Meckl. Herrenhäuser 1880-1890). 1004.
Transkription
entfällt
Inhaltliche Erläuterung
Das abgebildete dreiflügelige Gutshaus der Familie von Bassewitz steht in Lühburg/ Ritterschaftliches Amt Gnoien in Mecklenburg auf einem Besitz von 702,7 ha und bietet ein Beispiel für einen wohlhabenden Gutsbesitzer.
Es ist in einer für Mecklenburg typischen Bauform errichtet worden. Das Haupthaus in der Mitte hat drei Stockwerke. Eine breite Treppe führt zur Eingangstür des Gutshauses, die nur von den Herrschaften und nicht vom Dienstpersonal benutzt werden durfte. Für die Dienstboten gab es einen separaten Eingang. Das Personal, außer den Stubenmädchen, lebte und arbeitete vor allem in der Küche, die sich üblicherweise im Keller befand. Die beiden Seitenflügel des Hauses wurden sicherlich als Wirtschaftsgebäude genutzt. Vor der Treppe zum Haupteingang ist ein Rondell angelegt worden. Mit Rasen, Blumen und/oder Skulpturen bepflanzt und geschmückt findet man sie vor fast jedem Gutshaus in damaliger Zeit. Ein Sandweg führt um das Rondell herum zum Haupthaus und zu den Wirtschaftsgebäuden. Das Gutshaus wird von einem kleinen Park umgeben und liegt inmitten von fruchtbaren Böden und Ackerland.
Seit 1878 waren Heinrich Ludwig und Henning Friedrich Grafen von Bassewitz die Besitzer des Hauses, seit 1908 lebte Gerd Graf von Bassewitz in Lühburg.
1970 zerstörte ein Brand das gesamte Gebäude. Seitdem das Haus 1996/1997 in alter Form wieder aufgebaut wurde, wird es für Büros und Ferienwohnungen genutzt.
Der Gutshof Schwiggerow/Ritterschaftliches Amt Güstrow besteht aus einem einstöckigen Gutshaus und mindestens sieben Wirtschaftsgebäuden (Ställe, Scheunen), die alle mit einer niedrigen (Feld-)Steinmauer umgeben sind. Die rechte Seite des Fotos wird von dem für heutige Verhältnisse riesigen Misthaufen dominiert.
Das einstöckige Haus und der eher zweckmäßig angelegte Vorhof machen deutlich, dass es sich hier um einen nicht ganz so wohlhabenden Gutshofbesitzer handeln muss; im Gegensatz zum Haus auf dem ersten Foto. Dennoch ist auch hier der Großteil der Dächer mit Ziegeln gedeckt und nicht mehr mit Reet, welches im 19. Jh. noch das Dachdeckermaterial der armen Bevölkerung war. Ein Sandweg führt an Feldern und Wiesen vorbei zum Gutshaus. Gleich hinter der niedrigen Steinmauer beginnen die landwirtschaftlichen Flächen. Auf der Wiese und auf dem Weg haben sich das Personal und/oder Tagelöhner/Bauern für das Foto aufgestellt. Im Hintergrund liegen auf der Wiese landwirtschaftliche Geräte.
Das Gutshaus gehörte zum Zeitpunkt des Fotos Georg, regierender Fürst zu Schaumburg-Lippe. Heute steht es leer.
Die Fotos sind beide vom Hamburger Fotografen Menke geschossen worden.
Vorschläge zur Verwendung im Schulunterricht
Die vorliegenden Quellen können in der 8. Klasse Verbundene Haupt- und Realschule, Haupt-, Realschule und Gymnasium/integrierte Gesamtschule und in der 12./13. Klasse Gymnasium im Geschichtsunterricht Verwendung finden.
Die Fotos der Gutshäuser zeigen, im Gegensatz zu den Briefköpfen, die andere und bekanntere Seite Mecklenburgs auf: Den Agrarsektor. Vor allem das Foto des Gutshofes mit dem kleinen Gutshaus und der Hofansicht ist dafür sehr gut geeignet. Die Schüler1 bekommen einen Eindruck vom bäuerlichen Leben und den damit verbundenen Lebensverhältnissen. Anhand der Kleidung und der Arbeitsgeräte können die Schüler auf den Arbeitsalltag der Landbevölkerung schließen.
Für die Verwendung der beiden Fotos im Unterricht bietet sich ein Vergleich an. Die unterschiedlichen Lebensweisen zwischen einer wohlhabenden und einer nicht ganz so begüterten Gutsbesitzerfamilie kommen hierbei am besten zur Geltung. Die Größe der Wohnhäuser, die Gestaltung des Vorplatzes und die Lage des Hauses sind Indikatoren für den Wohlstand eines Gutsbesitzers.
Allerdings müssen nicht nur die Lebensverhältnisse der Gutsbesitzer thematisiert werden. Auch die Verhältnisse der Tagelöhner, Kleinbauern und des Dienstpersonals können anhand der Bilder zum Thema Ständegesellschaft behandelt werden.
Weiterhin kann der Umgang mit bildlichen Quellen im Allgemeinen geübt werden. Da es sich um Fotographien handelt, ist es sicher, dass die Menschen, Geräte und Häuser realitätsgetreu abgebildet wurden und nicht, wie bei Gemälden oft üblich, verändert waren. Dabei sollten die Schüler so vorgehen, dass sie sich ausreichend Zeit für die Bildbetrachtung/Bildbeschreibung lassen. Danach wird das Bild interpretiert und analysiert. Für den Unterricht sind Bilder/Fotos oft geeigneter als Erklärungen, vor allem wenn es um das Beschreiben von Geräten, Waffen oder Kleidung geht, da sie sehen, wie es aussah und sich nicht nur ihre eigenen Vorstellungen bilden.
Eine weitere Idee wäre es, aktuelle Fotos der Gutshäuser heranzuziehen und die Schüler die historischen und die gegenwärtigen Bilder miteinander vergleichen zu lassen.
1 Aufgrund der besseren Lesbarkeit des Textes wird nicht extra zwischen Schülern und Schülerinnen unterschieden, sondern nur die männliche Form verwendet.
Quellennachweis
- LHAS, 13.3-1. Mencke & Co. Hamburg-Wandsbek, (Meckl. Herrenhäuser 1880-1890). 623.
- LHAS, 3-1. Mencke & Co. Hamburg-Wandsbek, (Meckl. Herrenhäuser 1880-1890). 1004.
Literatur
- Krauß, Neidhardt; Fischer, Egon: Schlösser, Gutshäuser und Parks in Mecklenburg-Vorpommern. Rostock 2002.
- Veer, Renate de: Steinernes Gedächtnis. Gutsanlagen und Gutshäuser in Mecklenburg-Vorpommern: Ein Handbuch. Schwerin 2005-2006.
- http://www.gutshaeuser.de (23.08.2007).
Gutshäuser in Mecklenburg
Abbildung des Gutshauses in Lühburg
Bild herunterladen (JPG, 1,85 MB, Originaldatei zur Verwendung in Print- und Onlinemedien)
Abbildung des Gutshofs Schwiggerow
Bild herunterladen (JPG, 1,93 MB, Originaldatei zur Verwendung in Print- und Onlinemedien)
