Meisterprüfung für Maurer und Zimmerleute

Beschreibung

Handschriftliche Übersicht über den durchschnittlichen Tageslohn der Gesellen und Lehrlinge des Jahres 1884 der Innung Bauhütte.
4 Seiten in Sütterlin verfasst.

Die Auflistung liegt in zweifacher Ausführung vor.

LHAS, 5.12-3/1 Mecklenburg-Schwerinsches Ministerium des Inneren (1849-1945), 12798.

Transkription

entfällt

Inhaltliche Erläuterung

Die Übersicht der Tageslöhne ist in zwei Teile (A und B) eingeteilt: Abschnitt A listet den durchschnittlichen Tageslohn eines Gesellen auf und Abschnitt B den durchschnittlichen Tageslohn eines Lehrlings.

Abschnitt A: Pro Monat werden die einzelnen Arbeitstage aufgelistet, zusammengezählt und mit dem Tageslohn multipliziert. Dabei fällt auf, dass nicht alle Monate einzeln aufgelistet wurden und dass auch der Tageslohn variiert.

Nach den zweiseitigen Auflistungen der Gehälter wird auf Seite 3 die Rechnung aufgeführt, wie sich die Gehälter zusammensetzen, was warum abgezogen werden muss und welcher Lohn dem Gesellen am Monatsende im Durchschnitt bleibt. Demnach verdient ein Geselle durchschnittlich 852,52 M im Jahr und bekommt nach den Abzügen 742, 52 M ausgezahlt.

Abschnitt B: Auch hier werden wieder die einzelnen Arbeitstage mit dem Tageslohn multipliziert, um den Monatslohn zu errechnen. Wie bei den Gesellen variiert auch bei den Lehrlingen der Tageslohn. Der Durchschnittsjahreslohn eines Lehrlings beträgt 391,54 M davon werden 62,00 M abgezogen, so dass dem Lehrling im Durchschnitt 329,54 M ausgezahlt wurden.

Vorschläge zur Verwendung im Schulunterricht

Die vorliegende Quelle kann in der 8. Klasse Verbundene Haupt- und Realschule, Haupt-, Realschule und Gymnasium/integrierte Gesamtschule und in der 12./13. Klasse Gymnasium Verwendung finden.

Die Übersicht der Tageslöhne für Gesellen und Lehrlinge aus dem Jahre 1884 kann im Geschichtsunterricht verwendet werden und dient, wie die Meisterprüfung, vor allem dazu, den Unterricht mit Quellenmaterial zu bereichern. Gerade im Fach Geschichte wird Wert darauf gelegt, Kompetenzen auszubilden. Mit Quellenarbeit wird dabei in erster Linie die Methodenkompetenz gefördert.

Die vorliegende Quelle ist ein Zeugnis des späten 19. Jh. und dient der Thematisierung der Regionalgeschichte im Allgemeinen und der Sozialgeschichte der Handwerker im Besonderen. Den Schülern1 wird so ein Einblick in das Leben von Handwerkern im 19. Jh. verschafft.

Die Schüler erhalten konkretes Zahlenmaterial bezüglich der Handwerkerlöhne.

Es kann ein Vergleich mit damaligen Löhnen anderer Berufe gezogen werden oder auch ein Vergleich mit den heutigen Löhnen im Maurergewerbe. Die Schüler können dabei auch die Lebenshaltungskosten von damals und heute vergleichen und diese in einem Diagramm einzeichnen.

Dabei wird einmal eine andere Seite der Geschichte behandelt, da der Geschichtsunterricht in der Regel vor allem Politik und selten die Sozialgeschichte in den Vordergrund stellt.

Auch im Wirtschaftsunterricht kann diese Quelle Anwendung finden.

Ganz nebenbei erfahren die Schüler, dass im 19. Jh. noch sehr viel mit der Hand geschrieben wurde, auch wenn der Druck schon lange zum Alltag gehörte. Sie können sich daran versuchen, die Quelle selbst zu lesen.

Schlussendlich wird das Erschließen einer Quelle geübt, was ein wesentlicher Bestandteil in der Ausbildung der Methodenkompetenz ist. Werden die Zahlen in ein Diagramm gezeichnet, wenden die Schüler gleichzeitig mathematische Fertigkeiten an. Ein fachübergreifender Unterricht ist somit z.T. gewährleistet.

Die Quelle kann als Vorbereitung für einen Besuch im Archiv und den Schülern als Anregung dienen, eigene Forschungen zu betreiben (z.B. "Jugend forscht").


1 Aufgrund der besseren Lesbarkeit des Textes wird nicht extra zwischen Schülern und Schülerinnen unterschieden, sondern nur die männliche Form verwendet.


Quellennachweis

LHAS, 5.12-3/1 Mecklenburg-Schwerinsches Ministerium des Inneren (1849-1945), 12798.

Literatur

  • Gall, Lothar (Hrsg.): Enzyklopädie deutscher Geschichte. Bd. 29: Pierenkemper, Toni: Gewerbe und Industrie im 19. und 29. Jahrhundert. München 1994.
  • Henning, Friedrich-Wilhelm: Handbuch der Wirtschafts- und Sozialgeschichte Deutschlands. Bd. 2. Paderborn 1996.

Meisterprüfung für Maurer und Zimmerleute