Landesgeschichte im Spiegel der Bestände

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Siegel aus den Beständen des Archivs

Siegel aus den Beständen des Archivs

Siegel aus den Beständen des Archivs

In den am Standort Greifswald überlieferten Beständen spiegelt sich in vielfältiger Weise die 800jährige Geschichte Pommerns. Das älteste im Original erhaltene Dokument datiert aus dem Jahre 1159 und ist eine Urkunde Bischof Adalberts von Pommern für das neu gegründete Kloster Grobe. Die wenige Jahre zuvor ausgestellte Urkunde des Papstes Innocenz II. für das Bistum Pommern hat sich nur in einer frühen Nachzeichnung des 13. Jahrhunderts erhalten. Neben den Urkunden des Bistums Kammin und der pommerschen Klöster beherbergt das Landesarchiv Mecklenburg-Vorpommern am Standort Greifswald die noch erhaltenen Urkunden der pommerschen Herzöge, des pommerschen Adels und der pommerschen Städte mit Ausnahme der Stadt Greifenberg, deren Urkundenbestand im Staatsarchiv Stettin liegt. Sie belegen den Aufbau des pommerschen Territorialstaates unter dem Greifengeschlecht, das mehrfach sein Herzogtum teilte und wiedervereinigte, die Entwicklung der Hanse, die Anfänge des Städtewesens, die Lehens- und Besitzverhältnisse des Adels sowie die Bemühungen der Klöster um die Sicherung ihrer Rechte und Privilegien. Zu den frühen Zeugnissen gehören auch wichtige Handschriften wie die Chartulare vieler Klöster, die Stadt- und Rechtsbücher, aber auch liturgische Handschriften wie ein prunkvolles Lektionar aus dem 14. Jahrhundert.

Im ausgehenden 15. Jahrhundert setzt in Pommern die Überlieferung von Akten ein. Die Bestandsbildung greift hier auf die ältere Archivorganisation zurück, die je ein Archiv für den Teilstaat Pommern-Stettin und Pommern-Wolgast kannte. Nach dem Aussterben des pommerschen Herzogshauses 1637 wurde das Gebiet erneut im Westfälischen Friedensvertrag geteilt und gelangte an Schweden und Brandenburg. Während die brandenburgische Verwaltung in ihrer Aktenführung an die älteren Einrichtungen anknüpfte, und damit die archivische Überlieferung der Regierung heute mit dem Bestand des Herzogtums Pommern-Stettin vereinigt ist, errichteten die Schweden neue Behörden und brachen mit älteren Traditionen. Ein wichtiges Anliegen der neuen Landesherren war die Besteuerung ihrer Untertanen, die sie auf andere Grundlagen zu stellen gedachten. Zu diesem Zweck sandten die Schweden zwischen 1692 und 1709 acht Landmesser nach Pommern, die den ihren Landesteil aufnahmen, beschrieben und kartierten. Als Besteuerungsgrundlage konnte die schwedische Landesaufnahme zwar nicht durchgesetzt werden, aber die dabei entstandenen 1455 Karten und knapp 70 Beschreibungsbände sind heute eine Quelle von herausragender wissenschaftlicher Bedeutung und bieten eine in Europa einmalige Grundlage für unterschiedlichste Fragestellungen der modernen Forschung. Eine Landesaufnahme zu Steuerzwecken erstellte zwischen 1717 und 1719 auch die brandenburgische Verwaltung. Diese Aufnahme verzichtete zwar auf die Kartierung, doch im Gegensatz zu Schweden benutzte die Regierung die elf Beschreibungsbände als Besteuerungsgrundlage.

Besonders umfangreich ist die Überlieferung der einzelnen pommerschen Provinzialbehörden aus der seit 1816 wieder vereinigten Provinz Pommern. Wichtigster Bestand sind die Akten des Oberpräsidenten, aber auch der Bestand der 1932 mit der Regierung Stettin vereinigten Regierung Stralsund bietet interessante Quellen zur Geschichte des nördlichen vorpommerschen Raumes. Einen Eindruck von der Provinz, ihren Bauten und Denkmalen – auch der im Zweiten Weltkrieg zerstörten - vermittelt die mehr als 10.000 Aufnahmen umfassende Fotosammlung der Provinzialkonservators, die allerdings nur hinterpommersche Motive enthält.

Das Historische Archiv Pommern umfasst mehr als 10.000 Urkunden, ca. 3.000 lfm Akten und Handschriften sowie tausende Karten, Pläne und Risse.