Geschichte
Das ehemalige Landesarchiv Greifswald ist eine Gründung der unmittelbaren Nachkriegszeit. Als Außenstelle des Mecklenburgischen Staatsarchivs Schwerin wurde es im August 1946 im alten Greifswalder Kasernengebäude am Nexöplatz eingerichtet, um die Archivalien des ehemaligen Staatsarchivs Stettin, die 1942 von den Archivaren in den westlichen Teil der Provinz Pommern ausgelagert worden waren und nun auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone lagen, aufzunehmen und die Arbeit des einstigen Stettiner Provinzial- und Staatsarchivs fortzusetzen. So waren es vor allem ehemalige Stettiner Archivare wie der letzte amtierende Leiter des Staatsarchivs Dr. Hermann Gollub (1888-1947), die hier ihre Tätigkeit nach dem Krieg wieder aufnahmen. Ein Anknüpfen an die alte pommersche Archivtradition des 1827 gegründeten Staatsarchivs der Provinz Pommern war jedoch sehr schwierig. Die Folgen des Zweiten Weltkrieges hatten die historische Hinterlassenschaft des alten Territorialstaates und der preußischen Provinz Pommern geteilt, denn inzwischen hatten auch polnische Archivare begonnen, das auf polnischem Territorium aufgefundene Archivgut in Stettin zusammenzuführen.
Mit der zentralistischen Reform des staatlichen Archivwesens der DDR im Jahre 1965 erhielt der Greifswalder Archivstandort seine Eigenständigkeit als Staatsarchiv mit der Zuständigkeit für den Bezirk Rostock. Eine besondere Bedeutung für die Überlieferungsbildung hatten vor allem die maritime Wirtschaft. In den 1950/60er Jahren war mit Joachim Wächter (1926-2017) ein auch noch die 1990er Jahre prägender Archivar in Greifswald leitend tätig.
Mit der Wiederbegründung des Landes Mecklenburg-Vorpommern im Oktober 1990 wurde das Staatsarchiv Greifswald zum Vorpommerschen Landesarchiv. Durch das 1997 verabschiedete Landesarchivgesetz und eine anschließende Zuständigkeitsverordnung übernahm die jetzt wieder Landesarchiv Greifswald genannte obere Landesbehörde die archivische Betreuung der Landesbehörden und Gerichte in den fünf nordöstlichen Landkreisen.
2006 wurde das Landesarchiv Greifswald als Landesoberbehörde aufgelöst und in die Abteilung Landesarchiv des neu gegründeten Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege mit Sitz in Schwerin überführt. Am Standort Greifswald nimmt das Landesarchiv Mecklenburg-Vorpommern seitdem die besondere Aufgabe war, das Historische Archiv Pommern (1159-1945) – immer mit Blick auf die in Szczecin und Koszalin verwahrten pommerschen Archivalien – zu erhalten und für Forschung und Öffentlichkeit bereitzustellen. Das noch am Standort verbliebene Archivgut aus dem Bezirk Rostock wird bis 2030 ebenso nach Schwerin verlagert wie diejenigen Archivbestände, die aus der Betreuung der Behörden und Gerichte des Landes Mecklenburg-Vorpommern nach 1990 entstanden sind.



