Science-Fiction als literarischer Widerstand – der Nachlass von Johanna und Günter Braun

Einzigartiges Zeugnis zweier DDR-Schriftsteller bewahrt – Werke, Briefe und Dokumente eines literarischen Lebenswerks

Johanna und Günter Braun 1970; LBMV Rara NL 18 Details anzeigen
Johanna und Günter Braun 1970; LBMV Rara NL 18
Johanna und Günter Braun 1970; LBMV Rara NL 18
Johanna und Günter Braun 1970; LBMV Rara NL 18
25.06.2026  | LB  | LAKD - Landesbibliothek

Die Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern verwahrt seit 2008 den Nachlass von Johanna Braun (1929–2008) und Günter-Ottokar Braun (1928–2008), einem bekannten Autorenpaar der DDR. Er umfasst Manuskripte, Korrespondenzen mit Verlagen und Schriftstellerkollegen sowie Dokumente, die den inneren Wandel zweier überzeugter DDR-Bürger zu aktiven Kritikern ihres Staates nachzeichnen.

Seit 1955 veröffentlichte das Ehepaar Braun nahezu ausschließlich unter beider Namen. Ab den späten 1960er Jahren wurde die Science-Fiction ihr Hauptgenre – als Freiraum für verdeckte System- und Staatskritik. Ihr Roman Der Irrtum des großen Zauberers (1972/1974) gelangte per innerdeutschem Post-Schmuggel zum Fischer Verlag Frankfurt. In der Suhrkamp-Reihe Phantastische Bibliothek fanden ihre Werke ab 1978 auch im Westen ein breites Publikum.

Unter dem Decknamen „Zwilling“ überwachte die Staatssicherheit das Paar jahrelang. Die Brauns unterzeichneten den Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns (1976), traten 1979 aus der SED und 1982 aus dem Schriftstellerverband aus. Anfang der 1980er Jahre verhängte der Staat faktisch ein Publikationsverbot. Auszeichnungen wie der Phantastik-Preis Wetzlar (1985) durften sie nicht persönlich entgegennehmen – die Reisegenehmigung wurde verweigert.

Mit dem Ende der DDR verlieren die Brauns nicht nur ihr literarisches, sondern auch das ihrer beider Leben bestimmende Thema. Als kritische Stimmen der neuen Bundesrepublik können sie sich nicht etablieren und der Erfolg auf der literarischen Nachwendebühne bleibt ihnen weitgehend versagt.

Zum Nachlass in der Landesbibliothek

Nachdem Johanna und Günter Braun 1999 nach Schwerin gezogen waren, knüpften sie Kontakt zur Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern. Gemäß ihrer eigenen Verfügung wurde der Nachlass nach ihrem Tod 2008 an die Bibliothek übergeben. Nach mehrmonatiger Erschließungsarbeit ist er nun im Kalliope-Verbundkatalog für Nachlässe und Autographen verzeichnet und für Forschende zugänglich. Die Bücher des Schriftstellerehepaars sind über den Katalog der Landesbibliothek recherchierbar und ausleihbar. Weiterführende Informationen zur Geschichte des Ehepaars und seines Nachlasses finden Sie auf unserer Homepage.