Johanna und Günter Braun

Schriftsteller, Publizisten

Johanna und Günter Braun 1976 in ihrer Magdeburger WohnungDetails anzeigen
Johanna und Günter Braun 1976 in ihrer Magdeburger Wohnung

Johanna und Günter Braun 1976 in ihrer Magdeburger Wohnung

Johanna und Günter Braun 1976 in ihrer Magdeburger Wohnung

Johanna Braun: geboren 7. Mai 1929 Magdeburg, gestorben 24.10.2008 Schwerin

Günter-Ottokar Braun: geboren 12. Mai 1928 Wismar, gestorben 10.11.2008 Schwerin

Erwerbung: 2008 an die Landesbibliothek übergeben

Die Brauns

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Günter und Johanna Braun 1951 in Magdeburg

Günter und Johanna Braun 1951 in Magdeburg

Günter und Johanna Braun 1951 in Magdeburg

Johanna und Günter Braun sterben 2008 im Alter von 80 Jahren innerhalb von zwei Wochen. Das Paar verband eine mehr als 50 Jahre andauernde Ehe und ein fast ebenso langes gemeinsames Berufsleben als Schriftsteller und Co-Autoren. Die Brauns, die nie als Schriftstellerehepaar angesprochen werden wollten, gehörten zu den bekannten und preisgekrönten DDR-Autoren in Ost und West. Die phantastische Literatur wurde ihr Genre für eine kritische Auseinandersetzung mit Staat und Gesellschaft. Ihr Werk, das eine feste Leserschaft besaß, fand auch in der germanistischen Forschung vielfache Rezeption.

Preußen, Lumpen und RebellenDetails anzeigen
Preußen, Lumpen und Rebellen

Johanna und Günter lernen sich 1950 bei der Volksstimme kennen, das Organ der Bezirksleitung Magdeburg der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Er ist dort als Redakteur tätig, sie zunächst als Volontärin, dann als Journalistin. Beide sind überzeugte Bürger der jungen DDR und SED-Mitglieder der ersten Stunde. Und schon bald stellen sie fest, dass die Schriftstellerei ihr großes gemeinsames Interessengebiet ist.

Das Paar heiratet 1951 und plant eine gemeinsame Autorenkarriere. 1954 gibt Günter seine Tätigkeit bei der Volksstimme auf und bald darauf Johanna, um gemeinsam als freiberufliche Journalisten mehr Zeit für die Schriftstellerei zu haben. Sie verfassen Reportagen, Kurzgeschichten und Skizzen für verschiedene Zeitungen, ab 1955 fast nur noch unter beider Namen. Ihr erstes Buch erscheint 1957: Preußen, Lumpen und Rebellen. Ein Jahr darauf die autobiographische Erzählung Gefangene. Die Veröffentlichung eines Romans, ihr großes Ziel, gelingt ihnen ebenfalls 1958 mit Krischan und Luise beim Verlag Tribüne.

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Johanna und Günter Braun in ihrer Magdeburger Wohnung

Johanna und Günter Braun in ihrer Magdeburger Wohnung

Johanna und Günter Braun in ihrer Magdeburger Wohnung

Im gleichen Jahr werden Johanna und Günter Mitglieder im Deutschen Schriftstellerverband, worauf sie mit viel Ehrgeiz hingearbeitet hatten. Sie erhoffen sich Inspiration und Austausch unter Kollegen. Damit rücken sie – vielleicht, ohne dass es ihnen bewusst wäre – in den besonderen Fokus der Staatssicherheit. In Anspielung darauf, dass Johanna und Günter stets als Paar auftreten und von Beginn an als Co-Autoren veröffentlichen, erhalten sie den Decknamen Zwilling. In einem Stasi-Bericht von 1958 heißt es über Johanna: … Die B. ist intelligent, von gutem Aussehen und steht in erster Linie zu ihrem Mann. Sie stellt hohe Anforderungen an ihr gemeinsames Leben und ist temperamentvoll … Sie steht jedem kritisch gegenüber und urteilt vom Gefühl heraus (NL 18 Johanna und Günter Braun/DDR-Institutionen).

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Die Campingbäume von M.

Schon 1959 erscheinen die satirischen Romane Die seltsamen Abenteuer des Brotstudenten Ernst Brav im Aufbau-Verlag und Menne Kehraus fährt ab im Verlag der Morgen. Letzterer ist so erfolgreich, dass er das Interesse der Defa erregt, zu der die Brauns acht Jahre zuvor vergeblich Kontakt aufgenommen hatten. Überlegungen zur Verfilmung von Menne Kehraus ziehen sich über mehr als ein Jahr, bis man endgültig darauf verzichtet.

Im kommenden Jahrzehnt machen sich die Brauns in der DDR als Schriftsteller einen Namen. Von 1961 bis 1963 veröffentlichen sie jährlich einen Roman: Eva und der neue Adam sowie Ein unberechenbares Mädchen beim Verlag Tribüne, Mädchen im Dreieck beim Verlag Der Morgen. 1967 kommen Die Campingbäume von M. und Ein objektiver Engel heraus, 1969 Die Nase des Neandertalers im Verlag Neues Leben Berlin. Daneben erscheinen zahllose Beiträge in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, insbesondere in der Wochenpost. Bereits 1957 waren die Brauns in Kontakt zu dieser Zeitung getreten und hatten sich dort als Journalisten eingeführt.

Ein unberechenbares MädchenDetails anzeigen
Ein unberechenbares Mädchen

Zu Weihnachten 1958 hatten sie dem neuen Chefredakteur des Kulturteils Heinz Knobloch ihren neuen Roman Krischan und Luise zugesandt. Das Werk gefiel, sodass ab 1960 von den Brauns in der Wochenpost über rund ein Jahrzehnt zahlreiche kleinere Geschichten zu lesen waren oder Fortsetzungsromane wie Ein unberechenbares Mädchen 1963 und Die Campingbäume von M. 1967.

Zwischen den Brauns und Heinz Knobloch entwickelt sich ein enges freundschaftliches Verhältnis, von dem ein über vierzig Jahre andauernder Briefwechsel zeugt (NL 18 Johanna und Günter Braun/Korrespondenz mit Schriftstellerkollegen).

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Günter und Johanna Braun 1963

Günter und Johanna Braun 1963

Günter und Johanna Braun 1963

1969 erhalten die Brauns den Kunstpreis des Bezirks Magdeburg. Gleichzeitig findet ihr Schaffen mit dem Internationalen Kunstpreis Neheim Hülsten auch im Westen öffentliche Anerkennung. Zur Annahme des letzteren darf nur Günter in den Westen fahren. Im gleichen Jahr wird er Vorsitzender des Schriftstellerverbandes im Bezirk Magdeburg. Tatsächlich übernimmt Günter das Amt nur ungern und gibt es 1971 wieder ab. Längst hat sich der Verband für die Brauns als der verlängerte Arm von Partei und Staatssicherheit entpuppt, mit dem die Schriftsteller unter Kontrolle gehalten und auf Parteilinie gebracht werden sollen. Johanna und Günter waren deshalb schon Jahre zuvor auf Distanz gegangen, hatten sich von jeder Verbandsarbeit und jedem Treffen, wenn möglich, ferngehalten und sich insgesamt so sehr zurückgezogen, dass dieses Verhalten kritisch kommentiert wird. Ihre Haltung teilt ihr längster und vielleicht engster Weggefährte, der Schriftsteller Wolfgang Schreyer. Der Magdeburger, der sich die meiste Zeit des Jahres in Ahrenshoop aufhält, bemerkte schon 1953: … Mit den anderen Schriftstellern hier lebe ich z.T. im Status des kalten Krieges, man hat mich aller Ämter und Würden entkleidet und in den Kandidatenzustand zurückversetzt. Überdies die postalische Verbindung abgebrochen und hofft dergestalt auf moralische Aushungerung … (NL 18 Johanna und Günter Braun/Korrespondenz mit Schriftstellerkollegen).

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Der Irrtum des großen Zauberers

Der Erfolg von Johanna und Günter ist also nicht ungetrübt. Als Schriftsteller verstehen sie sich von Beginn an als sozialkritische Beobachter ihrer Welt. Anfänglich auf die konkurrierende Bundesrepublik ausgerichtet, hinterfragen sie zunehmend den eigenen Staat. Dabei äußern sie auch im größeren Kollegenkreis offen ihre Kritik an der Kulturpolitik und der gesellschaftlichen Entwicklung in der DDR, wie in einem Brief von 1961 an Eva und Erwin Strittmatter (NL 18 Johanna und Günter Braun/Korrespondenz mit Schriftstellerkollegen). Doch in ihrer Literatur können sie eine solche Auseinandersetzung weder mit der notwendigen Schärfe, noch mit der notwendigen künstlerischen Intensität führen (https://www.podcast.de/episode/623724186/folge-10-johanna-braun-und-guenter-braun-im-gespraech-1990, abgerufen am 15.04.2026). Bereits 1959 hatten sich die Brauns gegenüber dem Aufbau-Verlag über inhaltliche Beschränkungen beschwert (NL 18 Johanna und Günter Braun/ ostdeutsche Buchverlage).

Während sich Johanna und Günter auch in den Folgejahren regelmäßig gegen Forderungen der Verlage zur Wehr setzen müssen, gesellschaftspolitisch heikle Formulierungen in ihren Werken zu verändern oder zu streichen, erfolgen von Seiten der Staatsführung als eine direkte Reaktion auf DDR-kritische Veröffentlichungen Wolf Biermanns in Westberlin 1965 weitere Restriktionen für Künstler (https://de.wikipedia.org/wiki/11._Plenum_des_ZK_der_SED, abgerufen am 15.04.2026). Der Schriftstellerverband lässt ein mehrseitiges Schreiben an alle Mitglieder ergehen, in dem Biermann für seine schädlichen und feindlichen Auffassungen und Haltungen verurteilt wird (NL 18 Johanna und Günter Braun/DDR-Institutionen). Trotzdem wollen sich die Brauns einer solch empörenden Zensur, deklariert als Entwicklungsarbeit an ihren Werken im Sinne der staatlichen Vorgaben, nicht beugen. In dieser Situation entdecken Johanna und Günter Braun die phantastische Literatur als ihr adäquates Ausdrucksmittel für versteckte System- und Staatskritik. Nach zwei Kurzgeschichten von 1966 und 1967 verfassen sie den Roman Der Irrtum des großen Zauberers.

Deckel der Schmuggelmappe für den Roman "Der Irrtum des großen Zauberers"Details anzeigen
Deckel der Schmuggelmappe für den Roman "Der Irrtum des großen Zauberers"

Deckel der Schmuggelmappe für den Roman Der Irrtum des großen Zauberers

Deckel der Schmuggelmappe für den Roman Der Irrtum des großen Zauberers

Die Brauns reichen das Manuskript beim Verlag Neues Leben Berlin ein, wo man eine Bestätigung der Annahme zum Druck immer wieder herauszögert. Schließlich wollen die Brauns nicht mehr warten. Unbemerkt von staatlicher Kontrolle senden sie das Werk im innerdeutschen Postverkehr der Vorweihnachtszeit an den Fischer-Verlag, Frankfurt a.M., wo es sofort angenommen wird (https://www.podcast.de/episode/623724186/folge-10-johanna-braun-und-guenter-braun-im-gespraech-1990, abgerufen am 15.04.2026). Als dies beim Verlag Neues Leben bekannt wird, wird der Titel in Ost-Berlin 1972 herausgebracht, noch vor dessen Erscheinen beim Fischer-Verlag 1974.

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Johanna und Günter Braun 1970

Johanna und Günter Braun 1970

Die erste Hälfte der 70er Jahre sind für die Brauns so produktiv wie erfolgreich. Neben dem Roman Lieber Kupferstecher Merian beim Aufbau-Verlag 1973 sowie Unheimliche Erscheinungsformen auf Omega IX beim Verlag Das Neue Berlin 1974 kommen im Verlag Neues Leben Berlin weitere vier Titel heraus: Der Bitterfisch 1974, Der Fehlfaktor 1975 und Die fünf Säulen des Eheglücks 1976. Trotz aller Anerkennung ziehen sich die Brauns immer mehr zurück, widmen sich allein ihrer Schriftstellerei und vermeiden nach Möglichkeit jedes Engagement im Schriftstellerverband und in der Partei. Doch dieses Verhalten kann nicht geduldet werden. Johanna und Günter werden von der Partei zu einem Gespräch zitiert, erscheinen aber erst nach der zweiten Aufforderung. Eine Verhaltensänderung bei den Brauns erwirkt es nicht (NL 18 Johanna und Günter Braun/DDR-Institutionen).

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Johanna und Günter Braun 1976 in Magdeburg

Johanna und Günter Braun 1976 in Magdeburg

Johanna und Günter Braun 1976 in Magdeburg

Die Auseinandersetzung staatskritischer DDR-Künstler mit ihrer Regierung erreicht mit der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermanns einen Höhepunkt, wogegen eine große Zahl seiner Kollegen, darunter auch die Brauns, öffentlich Stellung beziehen. Gleichzeitig senden Johanna und Günter einen eigenen Brief an das Zentralkomitee der SED, in dem sie die Ausbürgerung Biermanns mit der Ausweisung der besten deutschen Schriftsteller während der Nazizeit vergleichen (NL 18 Johanna und Günter Braun/DDR-Institutionen). Wieder werden die Brauns von der Partei zu einer Aussprache zitiert. Doch der Versuch, sie für ihr Verhalten zur Rede zu stellen und sie damit in die Knie zu zwingen, schlägt fehl. Günter Braun verkündet, dass er zwar in dieser beschissenen Partei sei, aber man könne ihm den Puckel runterrutschen, er würde da schon seit Jahren nicht mehr hingehen, es sei eben alles völlig unerträglich und die Kulturpolitik sei der größte Mist, den er je erlebt habe. … (NL 18 Johanna und Günter Braun/DDR-Institutionen). Auf diese und weitere Äußerungen wird dem Paar wohl offen mit Strafmaßnahmen gedroht. Doch solche bleiben zunächst aus, zu sehr scheint das Regime darauf bedacht, erst einmal keine weitere kritische Aufmerksamkeit im feindlichen Ausland zu erzeugen (NL 18 Johanna und Günter Braun/Korrespondenz mit Schriftstellerkollegen).

Der unhandliche PhilosophDetails anzeigen
Der unhandliche Philosoph

Während sich die Brauns zusammen mit zahlreichen weiteren Schriftstellern für die Rücknahme der Ausbürgerung Biermanns einsetzen, senden sie unter dem Arbeitstitel Sokrates im November 1976 an den Verlag Neues Leben Berlin ein gerade fertig gestelltes Buchmanuskript. Über Monate wird ihnen keine Entscheidung darüber mitgeteilt, sodass die Brauns zu der Überzeugung gelangen, dass es sich hierbei um eine Verzögerungstaktik auf höhere Anweisung handle (NL 18 Johanna und Günter Braun/Verlagskorrespondenz). Der Verlag distanziert sich von solchen Anschuldigungen, verschiebt ein mögliches Erscheinungsdatum aber gleichzeitig ins Jahr 1978, verbunden mit der Option einer Zurücknahme des Manuskriptes durch die Autoren. Tatsächlich trennen sich die Brauns daraufhin vom Verlag Neues Leben Berlin und das Manuskript erscheint im Jahre 1983 unter dem Titel Der unhandliche Philosoph beim Suhrkamp Verlag Frankfurt.

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Johanna und Günter Braun bei einer Signierstunde im Jahr 1983

Johanna und Günter Braun bei einer Signierstunde im Jahr 1983

Im Verlag Das Neue Berlin kommt stattdessen 1978 der Roman Conviva Ludibundus heraus, 1981 im Eulenspiegel-Verlag Der Utofant und Der kleine Liebeskochtopf. Trotzdem ist für die Brauns die Welt schon längst nicht mehr in Ordnung. Nach der Biermann-Affäre wird Stefan Heym, mit dem die Brauns inzwischen eine lockere Freundschaft verbindet, wegen Veröffentlichungen im Westen ohne staatliche Genehmigung und angeblicher Devisenvergehen verurteilt. 1979 schließt man Heym zusammen mit weiteren Autoren aus dem Schriftstellerverband aus, was die Brauns öffentlich als eine Kulturschande bezeichnen und als eine anmaßende Einmischung der Partei in Literatur und Kunst. All diese Vorgänge hatten längst zu einem innerlichen Bruch mit dem DDR-Staat geführt. Ihre einstige Hoffnung, dass ein an sich wohlmeinender Staat nur maßgebliche gesellschaftspolitische Fehler begehe, hatte sich zu der Überzeugung gewandelt, in einem Unrechtsstaat zu leben. 1979 trennen sich Brauns und die SED, als Schlusspunkt einer langen unglücklichen Beziehung (NL Johanna und Günter Braun/DDR-Institutionen).                                                                                              

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Johanna Braun bei einer Lesung 1988

Johanna Braun bei einer Lesung 1988

Johanna Braun bei einer Lesung 1988

Anfang der 80er Jahre bekommen sie die harte Hand des Staates doch noch zu spüren: neue Buchprojekte werden in allen ihren Verlagen kaum noch angenommen oder die Beurteilung der Manuskripte auf nicht absehbare Zeit hinausgeschoben. Das bedeutete faktisch ein Publikationsverbot und einen empfindlichen existentiellen Einkommensverlust. Doch der finanzielle Ausfall kann kompensiert werden. Bereits 1977 hatten die Brauns Kontakt zum Suhrkamp-Verlag gesucht, der eine Science-Fiction-Reihe begründen wollte. Die Phantastische Bibliothek startet 1978. Dort erscheinen in kurzer Folge: Der Fehlfaktor und Unheimliche Erscheinungsformen auf Omega XI 1981, Der Irrtum des großen Zauberers und Conviva Ludibundus 1982, Der Utofant, Das Kugeltranszendale Vorhaben und Der unhandliche Philosoph 1983, Die unhörbaren Töne 1984 sowie Der x-fach vervielfachte Held 1985. Dazu kommen in derselben Reihe Beiträge in mehreren Anthologien.

1982 verlassen die Brauns den Schriftstellerverband der DDR. Stefan Heym schreibt ihnen dazu: … Ich war überrascht, zu erfahren, dass Sie aus dem Verband ausgetreten sind; …. Man lebt besser und ärgert sich weniger, wenn man aus diesem Verein heraus ist; …. (NL 18 Johanna und Günter Braun/Korrespondenz mit Schriftstellerkollegen). Als die Brauns 1983 einen längerfristigen Arbeitsaufenthalt in der Bundesrepublik beantragen, wird dieser nur Johanna genehmigt. Sie reist alleine, steht aber auch im Westen unter Beobachtung der Stasi, deren informeller Mitarbeiter aus einer Lesung Johanna Brauns berichtet: „…Die Schriftstellerin Johanna Braun trat als typische „Emanze“ in Erscheinung, schlampig, auf jung gemacht. … Sie äußerte sich über ihre Konflikte mit der Partei, klagte über das Harmonisieren des Verbandes und der Partei. Konflikte würden nicht ausgetragen. Widersprüche unter den Teppich gekehrt, was zu Stillstand und Rückschritt führe. … Wissenschaftler, die zu Schlussfolgerungen aus vorliegenden Erkenntnissen auffordern, werden diskriminiert …. Die Sitzungen des Schriftstellerverbandes seien unproduktiv und langweilig. Es werden lediglich literarische Projekte, die „von oben kommen“ durchgeboxt“ (NL 18 Johanna und Günter Braun/DDR-Institutionen).

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Günter Braun bei einer Lesung Ende der 1980er Jahre

Günter Braun bei einer Lesung Ende der 1980er Jahre

Als Johanna und Günter 1985 den Phantastik-Preis Wetzlar erhalten, verweigern die DDR-Behörden beiden die Reisegenehmigung, um den Preis entgegenzunehmen. Günter darf auch seine todkranke Mutter in Aachen nicht besuchen. Derartige Schikanen, von denen andere DDR-Künstler ebenso betroffen sind, finden statt, obwohl ein lang verhandeltes innerdeutsches Abkommen zur Intensivierung des Austausches von Kunst, Kultur, Literatur und Wissenschaft mit der Bundesrepublik kurz vor dem Abschluss steht (https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/recherche/mediathek/kultur-waffe-im-klassenkampf-oder-bindeglied-im-geteilten-deutschland; abgerufen am 15.04.2026) Die Brauns, die von der Staatsicherheit inzwischen als ideologischer Stützpunkt des Feindes eingeordnet werden, stellen schließlich einen Ausreiseantrag in die Bundesrepublik, dessen Entscheid aber verschleppt wird (NL 18 Johanna und Günter Braun/DDR-Institutionen).

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Die Geburt des Pantamannes

Ende der 80er Jahre beginnt plötzlich ein neuer, politisch liberalerer Wind in der DDR zu wehen. Nun sind für die Brauns auch wieder größere Veröffentlichungen möglich. Von 1988 bis 1991 erscheinen im Verlag Das Neue Berlin eine Trilogie: Die Geburt des Pantamannes, Die Zeit bin ich, Pascal und Das Ende des Pantamannes. 1988 erhalten Johanna und Günter den Marburger Literaturpreis und 1989 den Deutschen Kurzgeschichten-Preis Arnsberg.

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Johanna Braun 1990

Johanna Braun 1990

Johanna Braun 1990

Mit der Wende aber brechen andere Zeiten an. Auf einmal müssen die DDR-Verlage ums Überleben kämpfen. Das trifft die allermeisten DDR-Schriftsteller hart. Das Schreiben bietet ihnen keine Existenzgrundlage mehr. Unter ihnen ist auch Wolfgang Schreyer. Einkünfte aus Publikationen hat er kaum noch. Er kauft bei den Verlagen die Restbestände seiner Bücher auf, bietet sie bei Lesungen oder auf Flohmärkten zum Verkauf an und lebt sonst von Erspartem. Verzweifelt schreibt er an die Brauns: … Aber Fakt ist …, der „Markt“ hat ein Berufsverbot verhängt, wirksamer, als die Genossen es je gekonnt haben. … (NL 18 Johanna und Günter Braun/Korrespondenz mit Schriftstellerkollegen). Dagegen fühlen sich die Brauns gut gerüstet. Immerhin haben sie, im Unterschied zu ihren Kollegen, schon seit Jahren Erfahrungen mit dem kapitalistischen Verlagswesen sammeln können und neben sporadischen Veröffentlichungen in verschiedenen namhaften West-Verlagen gehören sie zu den festen Autoren bei Suhrkamp. Doch sie täuschen sich. Am Boom des westdeutschen Verlagswesens in den 90er Jahren können sie nicht partizipieren.

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Johanna Braun

Johanna Braun

Johanna Braun

Das Ende der DDR bedeutet für Johanna und Günter den Verlust ihres Lebensthemas, aus dem sie literarisch geschöpft hatten. Ihr Spezialgebiet, die Science-Fiction als eine versteckte Systemkritik in einem restriktiven Staat, ist nun obsolet. Sich als kritische Begleiter der neuen Bundesrepublik zu etablieren, gelingt ihnen nicht mehr. Mit Hilfe des Schriftstellers und langjährigen Freundes Lutz Rathenows können die Brauns gelegentlich Arbeiten bei der Zeitung Rheinischer Merkur oder beim Rundfunk unterbringen (NL 18 Johanna und Günter Braun/Korrespondenz mit Schriftsteller Kollegen). 1998 feiern sie mit einer Sammlung absurder Kurzgeschichten, die unter dem Titel Herr A. Morph beim Insel Verlag erscheinen, noch einmal einen Erfolg. Zumeist aber schreiben die Brauns vergeblich an Verlagshäuser, Fernseh- und Rundfunkanstalten, um für ihre bewährte Literatur ein neues Publikum zu finden.

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Johanna und Günter Braun

Johanna und Günter Braun

Johanna und Günter Braun

Mit dem Jahr 2000 endet die Phantastische Bibliothek bei Suhrkamp und im Frühjahr 2005 konstatieren die Brauns bitter: Nahezu gleichzeitig mit dem Untergang der sozialistischen Staatsgebilde hatten sich in der Welt der phantastischen Literatur die Science-Fiction und die Utopien nach einer übernatürlichen Blüte gewissermaßen erschöpft. Man könnte sagen, es war Raubbau mit ihnen getrieben worden …. (NL 18 Johanna und Günter Braun/Persönliches).

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Die Brauns im Jahr 2003

Die Brauns im Jahr 2003

Die Brauns im Jahr 2003

1999 waren Johanna und Günter nach Schwerin gezogen und hatten Kontakt zur Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen, der nach dem Tod von Johanna und Günter Braun 2008 ihr Nachlass auf eigene Verfügung übergeben wird. Der Nachlass umfasst im Wesentlichen eine große Zahl an veröffentlichten und unveröffentlichten Manuskripten verschiedenster Literaturgattungen sowie eine umfangreiche Korrespondenz mit allen namhaften DDR-Verlagen und vielen DDR-Schriftsteller-Kollegen aus mehr als einem halben Jahrhundert. Diese bildet ein detailreiches und anschauliches Zeugnis der innerlichen Wandlung zweier überzeugter DDR-Bürger zu aktiven Trägern des Protestes gegen ihren Staat.