Eine Jahrhundertaufgabe. Einsatz von Sondermitteln des Bundes für die Erhaltung schriftlichen Kulturgutes im Landesarchiv

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Akten aus dem Landständischen Archiv
Akten aus dem Landständischen Archiv
Akten aus dem Landständischen Archiv
17.07.2019  | LA  | LAKD - Landesarchiv

Wer mit einem Archiv umzieht, muss vor allem darauf achten, die Ordnung nicht zu verlieren. Das ist selbstverständlich, aber nicht immer ganz einfach, insbesondere wenn sehr große Aktenbestände im Archiv so abgelegt wurden wie in ihrer alten Registratur – und heute immer noch so liegen, weil die Archivare in den brüchigen Zeitläufen des 20. Jahrhunderts keine Zeit zur Bearbeitung fanden. Nun allerdings, wenn diese Aktenbestände verpackt und noch einmal umgelagert werden müssen, lässt sich die archivische Bearbeitung nicht länger aufschieben. Und das ist der Fall für das bedeutende Archiv der mecklenburgischen Ritter- und Landschaft, das 1924, sechs Jahre nach der Auflösung der Landstände, von Rostock in das Schweriner Geheime und Hauptarchiv gebracht wurde. Der ca. 16.000 Archivalieneinheiten umfassende Bestand ist schwierig zu handhaben, auch weil er nach den Paragrafen eines frühneuzeitlichen Erbvertrags der Stände mit den mecklenburgischen Herzögen gegliedert ist. Sich bei der Aktensuche an den Verweiszetteln in den Regalen zu orientieren, wird künftig nicht mehr möglich sein, denn alle Akten kommen in gut geschützte und neu etikettierte Archivschachteln. Auch das alte Repertorium, das 2013 in einer Datenbank erfasst und online gestellt wurde, hilft dann nicht mehr weiter. Jede Akte braucht eine neue, eindeutige Signatur zu ihrer Identifizierung. Ohne eine Trockenreinigung inklusive Schadenserfassung, Neuverpackung und Umsignierung ist der Umzug des Landständischen Archivs also nicht zu machen. Für diese große Aufgabe hat sich die Abteilung Landesarchiv in den nächsten anderthalb Jahre Unterstützung bei der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturgutes gesucht und eine Zuwendung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aus Sondermitteln des Bundes für die Erhaltung schriftlichen Kulturgutes bekommen. Durch diese vom Land Mecklenburg-Vorpommern gegenfinanzierte Projektförderung steht auch zukünftig das Landständische Archiv sicher aufbewahrt und modern zitierbar für Öffentlichkeit und Wissenschaft zur Verfügung -– ein Jahrhundert nach seiner Übernahme ins Schweriner staatliche Archiv.

 

Das Landständische Archiv zählt zu den wichtigsten schriftlichen Zeugnissen frühneuzeitlicher Adelsrepubliken in Europa. Das Bestehen der landständischen Verfassung in Mecklenburg bis 1918 gibt dem Archiv ein Alleinstellungsmerkmal. Es ist verlustfrei und fast vollständig erhalten. Funktionsweise (im Vergleich mit Württemberg oder Polen z. B.) und Vorbildcharakter der ständischen Verfassung Mecklenburgs (für Preußen in den 1840er Jahren etwa) können anhand dieses Bestandes beispielhaft erforscht werden. Die alle Verwaltungsbereiche betreffenden Akten der ständischen „Nebenregierung“ sind eine unverzichtbare Gegenüberlieferung zu staatlichen Quellen, die nur in Mecklenburg eine derartige Vielgestaltigkeit und Dichte erfahren hat.

 

Dr. René Wiese, 17. Juli 2019