Nachlass Carl Schröder (1840 - 1916)

Erster Leiter der Großherzoglichen Regierungsbibliothek von 1886 bis 1914; Philologe, Herausgeber

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Carl Schröder

Carl Schröder

(geb. am 15. September 1840 in Waren, gest. am 28. Juli 1916 in Schwerin)

Erwerbung: Carl Schröder verstarb ohne leibliche Nachkommen. Daher erfolgte die Übergabe seines Nachlasses an die Großherzogliche Regierungsbibliothek vermutlich durch die Familien seiner Schwestern.

 

Zur Biographie:

Abiturzeugnis Carl SchrödersDetails anzeigen
Abiturzeugnis Carl Schröders

Abiturzeugnis Carl Schröders, Gymnasium Fridericianum in Schwerin

Abiturzeugnis Carl Schröders, Gymnasium Fridericianum in Schwerin

Carl Gustav Theodor Schröder ist der erste hauptamtliche Leiter der großherzoglichen Regierungsbibliothek. Sein Vater ist Doktor Ferdinand Schröder, Gymnasialdirektor in Parchim. Der junge Schröder absolviert das Gymnasium Fridericianum in Schwerin. Von 1860 bis 1862 studiert er Jura in Jena und ist Mitglied der Burschenschaft „Teutonia“. Anschließend setzt er in München sein Studium mit Schwerpunkt Geschichte fort. Eine große Zahl von Teilnahmescheinen zeugt von den Seminaren und Vorlesungen zur deutschen Geschichte, die Schröder besucht.

Im Mai 1864 wird seine Doktorarbeit an der Universität Rostock angenommen und im Herbst 1864 beruft man den 24jährigen neu promovierten Doktor der Philosophie zum Lehrer des elf Jahre jüngeren Erbgroßherzogs, des ältesten Sohnes des Großherzogs Friedrich Franz II. von Mecklenburg Schwerin. Bis 1868 begleitet er den jungen, kränklichen Friedrich Franz (III.) bei seinen Reisen in den Süden Europas und während seiner Ausbildung in Dresden. Anschließend ist Schröder außerhalb Mecklenburgs in der historischen Forschung publizistisch tätig, zuletzt in Leipzig.                

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Erste Seite aus Carl Schröders Notizbuch mit der Auflistung seiner Reisegarderobe

Erste Seite aus Carl Schröders Notizbuch mit der Auflistung seiner Reisegarderobe

Als der inzwischen 23jährige Erbgroßherzog 1874 eine Reise rund um das Mittelmeer unternehmen soll, wird Carl Schröder angetragen, ihn zu begleiten. Zum Gefolge gehören außerdem Rittmeister von der Schulenburg, als persönlicher Adjutant des Erbgroßherzogs und Premierleutnant Baron v. Maltzahn. Den Verlauf der Reise dokumentiert Schröder in einem aufwändig gestalteten Notizbuch, dessen erste Eintragung über seine Reisegarderobe informiert.

Von Schwerin aus geht die Eisenbahnfahrt zunächst über Berlin nach Paris, wo erst drei Jahre zuvor der Sieg Deutschlands über Frankreich gefeiert und Wilhelm I. als Kaiser ausgerufen worden war.

Ohne nationalistische Attitüde bedauert Schröder die Zerstörungen des Krieges, die bei weitem noch nicht beseitigt sind. Er genießt den Aufenthalt in der immer noch schönen, in jeder Hinsicht unterhaltsamen Stadt.

Reisepapiere der Mittelmeerreise mit Friedrich Franz III.Details anzeigen
Reisepapiere der Mittelmeerreise mit Friedrich Franz III.

Reisepapier der Mittelmeerreise mit Friedrich Franz (III.)

Reisepapier der Mittelmeerreise mit Friedrich Franz (III.)

Anschließend führt die Reise nach Südfrankreich und ans Mittelmeer, dann über Nordafrika, Sizilien und Malta nach Ägypten, Palästina und Syrien. Über Griechenland gelangt man in die Türkei, wovon ein Dokument in persischer Sprache zeugt. Von Russland aus geht es 1875 wieder nach Mecklenburg. Im Anschluss kehrt Schröder nach Leipzig zurück.

Erkennungsurkunde Carl Schröders zum RegierungsbibliothekarDetails anzeigen
Erkennungsurkunde Carl Schröders zum Regierungsbibliothekar

Ernennungsurkunde Carl Schröders zum Regierungsbibliothekar

Ernennungsurkunde Carl Schröders zum Regierungsbibliothekar

Im April 1883 ändern sich die Verhältnisse in Schwerin. Der 60jährige Friedrich Franz II. stirbt. Ein Schreiben des Hofmarschallamtes bescheinigt, dass der Großherzog im Falle seines Todes ein „Andenken“ für Schröder bestimmt hat. Friedrich Franz II. hatte Carl Schröder als verlässlichen und kompetenten Begleiter seines Sohnes geschätzt. Doch für den neuen Großherzog Friedrich Franz III. ist Carl Schröder wie ein großer Bruder.

Als Nachfolger seines Vaters plant er, Schröder als hauptamtlichen Leiter der Großherzoglichen Bibliothek nach Schwerin zurückzuholen. Er soll die Bibliothek, die bislang durch das Großherzogliche Archiv mitbetreut worden war, neu ordnen und aufstellen. Im Herbst 1885 tritt Schröder sein Amt an und im folgenden Jahr können die neuen Räumlichkeiten der Bibliothek im Kreuzgang des Schweriner Doms bezogen werden. Im November 1886 heiratet Carl Schröder mit 46 Jahren in Dresden die Leipzigerin Helene Höhne.

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Urkunde Schröders zum Eintritt in den Ruhestand

Urkunde Schröders zum Eintritt in den Ruhestand

Neben seiner eigentlichen Bibliotheksarbeit ist mit seiner Position die Aufsicht über die "Stiftung Hennemann" verbunden (Slg. 03/ Akten der Stiftung Hennemann. Bestand der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern). Diese besteht im Wesentlichen aus einer stetig wachsenden medizinischen Bibliothek, die der Regierungsbibliothek räumlich angegliedert ist und von der Schweriner Ärzteschaft genutzt wird. Schröder gehört nun zu den Schweriner Honoratioren und ist deshalb ein gern gesehenes Mitglied verschiedener Vereine, allen voran des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Daneben setzt er seine rege Publikationstätigkeit fort, die nun durch mecklenburgische Themen bestimmt wird. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Fürstenhaus. Akribische Rechercheunterlagen u.a. zu Friedrich Franz I. oder zu dessen Schwiegertochter Caroline Luise zeugen davon. Zur Einholung von Auskünften schreibt Schröder sogar in die Schweiz, wo die Thronfolger über Generationen ihre Bildung vervollständigten.

Im April 1897 verstirbt Friedrich Franz III. unerwartet. Der Großherzog war oft monatelang nicht in Mecklenburg gewesen, sondern hatte sich aus gesundheitlichen Gründen zumeist in Cannes an der südfranzösischen Küste aufgehalten. Carl Schröder blieb er gleichwohl bis zuletzt stark zugeneigt. Davon zeugen zahlreiche Briefe mit regelmäßigen Fragen nach dessen Befinden oder mit Erkundigungen, warum sich der Bibliothekar so lange nicht gemeldet habe.

1898 macht Carl Schröder eine Entdeckung, die die literarische Welt in Aufregung versetzt. Gerade erst war der schriftliche Nachlass der Erbgroßherzogin Auguste in Schwerin aufgetaucht, fast 30 Jahre nach ihrem Tod. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die geborene Prinzessin von Hessen-Homburg 100 Jahre zuvor eine schwärmerische Liebe zu dem damals umstrittenen Dichter Friedrich Hölderlin hegte, als dieser sich länger in Homburg aufgehalten hatte. Wohl auf Initiative Schröders gehen die Handschriften an die Regierungsbibliothek (NL 06/ Nachlass Erbgroßherzogin Auguste Friederike von Mecklenburg-Schwerin. Bestand Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern). Darunter entdeckt der Bibliothekar die Reinschrift einer Ode, die der Dichter Auguste zu ihrem 23. Geburtstag 1799 geschenkt hatte und die in dieser Form bis dahin unbekannt war. 1899 stellt Schröder diese Dichtung erstmals der Öffentlichkeit vor.

Seit dem Tod von Friedrich Franz III. arbeitet Schröder unter dessen jüngerem Bruder Johann Albrecht. Der Herzogregent übt bis zur Volljährigkeit von Friedrich Franz IV. im April 1901 die Regierungsgeschäfte aus. Danach ist Schröder noch 13 Jahre unter dem letzten Großherzog von Mecklenburg-Schwerin als Leiter der Großherzoglichen Bibliothek tätig, bevor er mit Beginn des ersten Weltkrieges im Sommer 1914 sein Amt niederlegt. Das Ende der Regierungszeit von Friedrich Franz IV. im November 1918, die das Ende des Großherzogtums und der Monarchie in Deutschland bedeutet, erlebt Carl Schröder nicht mehr.

Zum Nachlass

Nach seinem Tode übergibt dessen Familie persönliche Dokumente seines Lebens (NL 03/ Unterbestand Biographie), Briefe u.a. von verschiedenen Mitgliedern des Fürstenhauses Mecklenburg-Schwerin (NL 03/ Unterbestand Briefe) sowie vorbereitende Unterlagen und Manuskripte zu seinen zahlreichen Publikationen (NL 03/ Unterbestand Publizistik) der Bibliothek, die er aufgebaut und mehr als ein Vierteljahrhundert geleitet hatte. Der besondere Schatz seines Nachlasses stellen eigenhändige Berichte Carl Schröders dar, die als eine Art Tagebuch während seiner Mittelmeerreise mit dem späteren Großherzog Friedrich Franz III. im Jahre 1874 entstanden. (NL 03/ Unterbestand Reiseberichte).

Bibliographie:

  • Wolfgang Golther: C. Sch., Jahrbuch des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Band LXXXI, Schwerin 1917
  • Bernd Schattinger: Wie Phönix aus der Asche, Schweriner Volkszeitung, Mecklenburg-Magazin, 26. 10. 1990
  • Grete Grewolls: Kenntnisreicher Gelehrter und liebenswürdiger Mensch, Schweriner Volkszeitung, Mecklenburg-Magazin, 20. 8. 2004