Nachlass Eduard Hobein (1817 - 1882)

Jurist; Rechtsberater des Hoftheaters Schwerin; Schriftsteller und Bühnenautor; Herausgeber des 'Freimüthigen Abendblattes' Schwerin

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Unterschrift Eduard Hobeins

Unterschrift Eduard Hobeins

Unterschrift Eduard Hobeins

(geb. am 24. März 1817 in Schwerin, gest. am 28.05.1882 ebenda)

Erwerbung: 1914 durch Beschluss des Hobeinschen Familienverbandes

Eduard Hobein: Jurist und Dichter - Dichter und Jurist

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Eduard Hobein

Eduard Hobein

Eduard Hobein

Wilhelm Ludwig Eduard Hobein, Spross einer alteingesessenen Schweriner Advokatenfamilie, gehört zu den Persönlichkeiten, die das literarisch-musikalische Leben in der Hauptstadt des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin während der zweiten Hälfte des 19. Jh. maßgeblich mitprägten.

Im Anschluss an sein Studium der Rechtswissenschaften in Rostock kehrt Eduard Hobein 1843 nach Schwerin zurück. Mit 28 Jahren lässt er sich dort als Advokat nieder und wird von dem 20-jährigen Großherzog Friedrich Franz II., der gerade ein Jahr als Landesherr regiert, zum Finanzberater des großherzoglichen Hoftheaters ernannt.                                                          

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LBMV; BISA-Orte55

Blick auf das Schweriner Hoftheater im Jahr 1842

Blick auf das Schweriner Hoftheater im Jahr 1842

Das Hoftheater hatte man erst wenige Jahre zuvor ins Leben gerufen. Nach dem Entwurf des Hofbaumeisters Demmler war eigens dafür ein klassizistisches Gebäude gegenüber dem Schweriner Schloss errichtet worden. Im Januar 1836 hatte die erste Vorstellung stattgefunden. Der durchaus aufwändige Betrieb des neuen Theaters, der von Beginn an mit stetig wachsenden Kosten verbunden ist, verlangt eine eigene Finanzberatung. Die Übertragung dieser ehrenvollen Aufgabe verdankt Eduard Hobein seiner juristischen Ausbildung ebenso wie seiner Leidenschaft für das Schauspiel.                          

Désirée ArtôtDetails anzeigen
Désirée Artôt

Désirée Artôt

Désirée Artôt

Mit der Einrichtung eines Hoftheaters folgt man in Schwerin einem Trend. Neue prächtige Schauspielhäuser entstehen ab der ersten Hälfte des 19 Jh. in vielen europäischen Städten. Sie gelten den Fürsten als ein Symbol ihrer Bedeutsamkeit, die sie ihrer schwindenden politischen Macht entgegenstellen. Tatsächlich tragen diese Institutionen zur Internationalisierung der Bühnenkunst und zur deren Demokratisierung bei, denn auch das Bürgertum hat Zugang zu diesen Häusern. Eduard Hobein kann von Beginn an beobachten, wie herausragende Schauspieler*innen oder auch Sänger*innen zu europaweit bekannten und gefeierten Bühnenstars werden. 1861 kommt die Mezzosopranistin Désirée Artôt nach Schwerin, die berühmte Schülerin der in den 1840er Jahren in ganz Europa überaus gefeierten Pauline Viardot-Garcia.

Blick in Hobeins Album mit Aufnahmen von Bühnenkünstler*innen am Schweriner HoftheaterDetails anzeigen
Blick in Hobeins Album mit Aufnahmen von Bühnenkünstler*innen am Schweriner Hoftheater

Blick in Hobeins Fotoalbum

Blick in Hobeins Fotoalbum

Ursprünglich an der Pariser Oper, singt Désirée Artôt ab 1857 an den Bühnen Berlins. Es dürfte wohl der engen familiären Bindung zwischen den Häusern Preußen und Mecklenburg-Schwerin zu verdanken sein, dass die Sängerin für eine Wintersaison in Schwerin gastiert.

Von den zahlreichen Bühnenkünstler*innen, die am Schweriner Hoftheater auftreten, sammelt Hobein über Jahrzehnte fotografische Aufnahmen in einem stattlichen ledergebundenen Album. Die Fotos bilden den Grundstock der Porträtsammlung in der Landesbibliothek. Sie illustriert das Schweriner Theater- und Kulturleben seit ca. 1870: https://vzg-easydb.gbv.de/search

Notizbüchlein HobeinsDetails anzeigen
Notizbüchlein Hobeins

Notizbüchlein Hobeins

Notizbüchlein Hobeins

Hobein selbst erlangt als Bühnenautor in Schwerin eine gewisse Bedeutung. Zu seinem phantastischen Ballett Tannkönig schreibt Hoftheaterintendant Friedrich von Flotow die Musik. Und zur Einweihung des neu restaurierten Schweriner Schlosses 1857 vertont er Hobeins große historische Festoper Johann Albrecht. Im Frühjahr 1859 wird Hobeins Novelle Mazarin´s Pathe in Schwerin als Schauspiel aufgeführt.

Zusätzlich zu seiner Arbeit für das Hoftheater war Hobein ab 1848 auch als Herausgeber des Freimüthigen Abendblattes tätig. Neben der Bühne gilt Hobeins Passion vor allem der Lyrik. Er erschafft einen ungeheuren Fundus an Gedichten, Liedern und Balladen. Spätestens seit Ende seiner Schulzeit schreibt er seine Dichtungen nicht selten in ausgesprochen schmuckvolle Notizbüchlein ein. Diese Angewohnheit, die er mit seinem ebenfalls Lyrik-begeisterten Vater Theodor Ludwig August Hobein teilt, behält er bis ins Alter bei.

Friedrich EggersDetails anzeigen
Friedrich Eggers

Friedrich Eggers

Friedrich Eggers

Seien es Jubiläen im Familien- und Freundeskreis oder im Fürstenhaus - Hobein dichtet und schreibt zu jeder Gelegenheit. Nicht selten bedient er sich dabei der niederdeutschen Sprache. Zusammen mit Fritz Reuter, John Brinckman, Klaus Groth und Heinrich Seidel, mit denen er in engem Kontakt steht, versteht sich Hobein als ihr Bewahrer. Der Jurist übersetzt außerdem Gedichte und stellt eine Sammlung alter Kirchenlieder zusammen. Manche seiner lyrischen Texte vertont der Hofkompositeur Friedrich Wilhelm Kücken.

Eine enge Freundschaft verbindet Hobein mit den Literaten-Brüdern Eggers, insbesondere mit dem studierten Kunsthistoriker Friedrich Eggers, der für die neugestaltete Fassade des Schweriner Schlosses verschiedene Inschriften verfasst. Die beiden Männer pflegen einen regen Briefwechsel. Nach dem Tod der Brieffreunde erhält Hobeins Tochter Anna über 100 Briefe ihres Vaters an Eggers. Sie gehören heute zum Nachlassbestand Eduard Hobein. Mit den Jahren gilt der Jurist als literarische Autorität, sodass er Manuskripte anderer Dichter und Schriftsteller zur Begutachtung erhält, darunter von dem Politiker und Schweriner Theaterintendanten Gustav Gans zu Putlitz.

Interimsbau des Schweriner Hoftheaters von 1882-1886Details anzeigen
Interimsbau des Schweriner Hoftheaters von 1882-1886

Interimsbau des Schweriner Hoftheaters von 1882-1886

Interimsbau des Schweriner Hoftheaters von 1882-1886

Während einer Vorstellung im April 1882 entsteht im Hoftheater ein Feuer. Das Gebäude, das fast vier Jahrzehnte der berufliche und künstlerische Ankerpunkt Eduard Hobeins gewesen war, brennt völlig aus. Im folgenden Monat verstirbt der Jurist und Dichter mit 65 Jahren. Er wird auf dem sog. neuen Domkirchhof in Schwerin beigesetzt, auf dem heute das Gymnasium Fridericianum steht. Unter Friedrich Franz II., der bereits ein Jahr später verstirbt, wird kein neues Theater mehr errichtet. Für Aufführungen nutzt man derweil einen provisorischen Interimsbau am Bahnhof. Genau 50 Jahre nach der Einweihung des abgebrannten Theaters wird unter Friedrich Franz III. im Jahr 1886 ein neues Gebäude in Betrieb genommen. Dieses prägt bis heute, zusammen mit dem Museum, den Platz vor dem Schweriner Schloss.

Zum Nachlass:

Aus den beiden Ehen Eduard Hobeins, zuerst mit Henriette Weber, dann mit deren Nichte Auguste Weber, stammen insgesamt 13 Kinder. Vor allem Hobeins Sohn Rudolph aus zweiter Ehe bemühte sich maßgeblich um das künstlerische Erbe seines Vaters und Großvaters und um die Dokumentation der Geschichte der Familie Hobein. Er bewahrte die Manuskripte seines Vaters, sammelte seine Korrespondenz und die Zeugnisse seiner künstlerischen Erfolge, die heute den Nachlassbestand von Eduard Hobein in der Landesbibliothek in der Hauptsache ausmachen.

Bibliographie:

- Eckart, Rudolf: Lexikon der niedersächsischen Schriftsteller von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart - Osterwieck/Harz : Zickfeldt. - 1891, S. 95.

- Ders.: Handbuch zur Geschichte der plattdeutschen Literatur - Bremen : Schünemann. - 1911, S. 237-238.