Nachlass Johanna Wolff (1858 - 1943)
Schriftstellerin


Brief von Johanna Wolff an Paul Wertheimer vom 24.08.1936, signiert mit „Das Hanneken“
LBMV; Rara NL 28
Brief von Johanna Wolff an Paul Wertheimer vom 24.08.1936, signiert mit „Das Hanneken“
LBMV; Rara NL 28
Erwerbung: kam im Jahr 1995 im Zusammenhang mit dem Nachlass Hans Franck in die Landesbibliothek
Umfang: Teilnachlass: 1 Archivgutbehälter
Zur Biographie:
geb.: 30.1.1858 in Tilsit
gest.: 3.5.1943 in Orselina, Schweiz
Als Schriftstellerin und Stimme Ostpreußens trat Johanna Wolff erst in Erscheinung, als sie seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr dort lebte. Mit 18 Jahren hatte sie ihre Geburtsstadt Tilsit verlassen, um nach Hamburg zu gehen. Dort erschien 1896 ihr Debütwerk Frauenlieder. Ihr größter Erfolg war ihre autobiographische Erzählung Das Hanneken aus dem Jahre 1912. Mitte der 1920er Jahre zog Wolff aus gesundheitlichen Gründen an den Lago Maggiore. Ostpreußen sah sie noch einmal 1930 für wenige Tage wieder, nachdem sie 1928 Ehrenbürgerin ihrer Geburtsstadt geworden war.
Nachlass:
Der Teilnachlass besteht im Wesentlichen aus rund 400 Briefen, Karten und Telegrammen an Johanna Wolff, teilweise auch an ihren Ehemann Gustav Wolff. Das Schriftgut stammt vorwiegend aus den 1920-1940er Jahren, als das Paar Deutschland bereits verlassen hatte. Neben einem bedeutenden Anteil an Fanpost handelt es sich vor allem um die Korrespondenz von Menschen, mit denen die Autorin oft über Jahrzehnte in Verbindung stand. Es waren die unterschiedlichsten Persönlichkeiten aus dem damaligen Deutschland, dem europäischen und außereuropäischen Ausland, die Johanna Wolff als Schriftstellerin und als Mensch schätzten und sich bemühten, ihre Werke bekannt zu machen.
Anstoß zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde ihrer Heimatstadt gab ein Kreis von Bewunderern und Freunden um Otto Sawinski, Rektor des Tilsiter Gymnasiums. Zu Wolffs engsten Freunden zählte das Schriftstellerehepaar Margarete und Fritz Kudnik aus Königsberg. Mit Carl Lange, dem Herausgeber der Ostdeutschen Monatshefte in Danzig, verband Wolff eine intensive Freundschaft und viele gemeinsame Bekanntschaften, darunter mit dem Schriftsteller Hans Franck und seinem Schwiegersohn Heinz Grothe.
Johanna Wolff teilte die seit dem 19. Jahrhundert weit verbreitete konservativ-nationale Haltung, die in Ostpreußen nach der Abtrennung von Deutschland infolge des 1. Weltkriegs besonders stark vertreten und ein Substrat für das NS-Regime war. Mit dem Dritten Reich begann Johanna Wolffs letztes Lebensjahrzehnt. Die inzwischen 75jährige Schriftstellerin begrüßte die Machtergreifung Hitlers, obwohl sie dadurch zu manchen ihrer alten Freunde eine unüberwindliche Distanz schuf. Auch nach 1933 sah sie sich als Teil des deutschen Literaturbetriebs und suchte Kontakt u.a. zu den neuen Literaturpäpsten Helmut und Erich Langenbucher, dem Publizisten und Reichsarbeitsführer Will Decker oder dem NS-Schriftsteller Herybert Menzel. Von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung für Wolff war in diesen Jahren ihre Verbindung zu Otto Dikreiter und dem Königsberger Verlag Gräfe und Unzer.

