Ausgrabungen

Bodendenkmale dürfen nicht zerstört werden. Ist ein Eingriff nicht zu vermeiden, muss der betreffende Teil des Bodendenkmals vorher wenigstens geborgen und dokumentiert, das heißt ausgegraben werden. Das geschieht in Mecklenburg-Vorpommern etwa 350mal pro Jahr. Solche Ausgrabungen werden auch als "Verursachergrabungen" bezeichnet, weil die Bergung und Dokumentation vom Verursacher des Eingriffs bezahlt werden muss.

Die Landesarchäologie berät Bauherren bei der Vorbereitung solcher Maßnahmen und bietet auch deren Durchführung an. Mit bislang über 4000 durchgeführten Maßnahmen verfügt sie über umfassende Erfahrungen auf diesem Gebiet. In der Regel wird zu diesem Zweck eine Vereinbarung zwischen dem Bauherrn und dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, Landesarchäologie, geschlossen. Werden Maßnahmen nicht von der Landesarchäologie durchgeführt, wacht sie als Fachaufsicht über die fachgerechte Durchführung von Ausgrabungen, Restaurierungen und Pflegemaßnahmen.

Es gibt unterschiedliche Arten von Ausgrabungen:

1. Bergung und Dokumentation (Ausgrabung) im Rahmen von Bauvorhaben

Dem Eingriff in das Denkmal ist zugestimmt worden, weil andere Belange überwiegen und Gründe des Denkmalschutzes nicht entgegenstehen (§ 7 DSchG M-V). Der Eigentümer ist von der Erhaltungspflicht "in situ" befreit worden, muss dafür aber die Kosten für Bergung und Dokumentation (Ausgrabung) übernehmen (§ 6 Abs. 5 DSchG M-V), damit ein "Surrogat" des Denkmals geschaffen werden kann, das auch in der Zukunft noch die wissenschaftliche Erforschung desselben erlaubt. Das archivfähige Surrogat besteht aus der Dokumentation (Zeichnungen, Fotos, Beschreibungen usw.) und den Funden.

Die bisher im Bodendenkmal ("in situ") enthaltenen Funde werden bei der Bergung zu beweglichen Denkmalen, die aufgrund ihrer Aussagekraft zur Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen und zur Entwicklung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen denkmalfähig sind. Ausschlaggebend für die Denkmalwürdigkeit ist das öffentliche Interesse an der Erhaltung, für das in der Regel die wissenschaftlichen Gründe ausschlaggebend sind. Diese bestehen zum einen darin, die wissenschaftliche Erforschung (Auswertbarkeit) des Bodendenkmals zu gewährleisten, zum anderen aber auch darin, die Nachprüfbarkeit der wissenschaftlichen Ergebnisse sicherzustellen.

Die Bewertung der Funde nach diesen Kriterien erfolgt bereits bei der Bergung und dann nochmals im Rahmen der Aufarbeitung. Bei der Bergung wird grundsätzlich unterschieden zwischen Funden, die unmittelbar aus einem intakten Befund geborgen werden und solchen, die nicht mehr im ursprünglichen Befundzusammenhang angetroffen werden (Oberflächenfunde, Funde aus gestörtem Boden, Lesefunde aus dem Abraum). Funde aus intaktem Befundzusammenhang werden wegen ihrer Aussagekraft, die sich zu großen Teilen auch aus der Fundvergesellschaftung ergibt, vollständig geborgen (geschlossener Fund). Funde ohne ursprünglichen Befundzusammenhang haben dagegen naturgemäß eine verminderte Aussagekraft und werden deshalb nur in Auswahl geborgen (repräsentative Stichprobe).

Bei der Aufarbeitung werden die Funde zunächst gereinigt. Stellt sich bei der Reinigung heraus, dass Funde die Bewertungskriterien nicht erfüllen, werden sie aussortiert. Danach werden die verbliebenen Funde in Listen erfasst, beschriftet, soweit nötig konservatorisch behandelt und schließlich archivfähig verpackt.

2. Forschungsgrabung

Dem Eingriff in das Denkmal ist zugestimmt worden, weil andere Belange – in diesem Fall das Forschungsinteresse – überwiegen und Gründe des Denkmalschutzes nicht entgegenstehen. Ziel ist auch hier die Schaffung eines archivfähigen Surrogats. Die Bewertung der Funde erfolgt wie unter 1.

3. Rettungsgrabung

Das Denkmal wird geborgen, weil eine konkrete Gefährdung besteht, die nicht abgewendet werden kann und die in absehbarer Zeit zur Zerstörung der Fundstelle führen würde (Beispiel: Burgwall am Kap Arkona). Ziel ist auch hier die Schaffung eines archivfähigen Surrogats. Die Bewertung der Funde erfolgt wie unter 1.

Für die Durchführung archäologischer Maßnahmen in Mecklenburg-Vorpommern gelten die einschlägigen Richtlinien (Richtlinie für archäologische Ausgrabungen in Mecklenburg-Vorpommern, Grabungsstandards "Ausgrabung und Prospektion – Durchführung und Dokumentation" des Verbandes der Landesarchäologen, Handbuch der Grabungstechnik).

Die Durchführung von archäologischen Bergungs- und Dokumentationsarbeiten gehört zum Aufgabenspektrum der Landesarchäologie. Zu den größten bisher in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführten Ausgrabungen zählen die Untersuchungen der Marktplätze in Demmin und Neubrandenburg, der Quartiere 17 und Frankenhof in Stralsund, der Ostseeautobahn A 20, der Ostsee-Pipeline-Anbindungs-Leitung (OPAL), der Nordeuropäischen Erdgasleitung (NEL) und der Nord Stream-Pipeline.