Fund des Monats Oktober 2018

Ein Dolch ist nicht genug

Abb. 1: Wrangelsburg, Lkr. Vorpommern-Greifswald. Die massive Steinabdeckung des Grabes zeichnete sich nach dem Oberbodenabtrag deutlich ab.Details anzeigen
Abb. 1: Wrangelsburg, Lkr. Vorpommern-Greifswald. Die massive Steinabdeckung des Grabes zeichnete sich nach dem Oberbodenabtrag deutlich ab.

Abb. 1: Wrangelsburg, Lkr. Vorpommern-Greifswald. Die massive Steinabdeckung des Grabes zeichnete sich nach dem Oberbodenabtrag deutlich ab.

Abb. 1: Wrangelsburg, Lkr. Vorpommern-Greifswald. Die massive Steinabdeckung des Grabes zeichnete sich nach dem Oberbodenabtrag deutlich ab.

Bei Wrangelsburg (Lkr. Vorpommern-Greifswald) schneidet die Trasse der künftigen Europäischen Gas-Anbindungsleitung (EUGAL) mehrere dicht nebeneinanderliegende archäologische Fundplätze. Deshalb fanden dort auf einer zusammenhängenden Strecke 1,1 km Länge bauvorbereitende archäologische Ausgrabungen statt.

Der älteste dokumentierte Befund ist eine hervorragend erhaltene Grabanlage der späten Jungsteinzeit. Unmittelbar nach dem Abtrag des Mutterbodens zeichnete sich im Planum ihre Nordwest-Südost gerichtete Abdeckung aus großen Feldsteinen ab (Abb. 1). Darunter kam die 3,8 x 1,9 m große, 0,75 m tief reichende Grabgrube zum Vorschein, die mit gelbbraunem Sand verfüllt war. Die Wände der gerundet-rechteckigen Eingrabung waren mit drei Lagen mittelgroßer Feldsteinen ausgekleidet (Abb. 2). Zusätzlich waren im unteren Teil parallel zu den Langseiten zwei 0,6 m auseinanderliegende Steinreihen eingebracht, die ehemals als Stützkonstruktion für einen Baumsarg fungiert haben dürften. Der Sarg war zwar vollständig vergangen, aber als dunkelhumose Verfärbung auf der Grabsohle noch immer gut erkennbar. Dort stand er ehemals auf vier, paarig einander gegenüber eingegrabenen, 0,5–0,8 m langen Findlingen, die die Basis der Anlage bildeten (Abb. 3).

Vom Skelett war nur ein Zahnrest erhalten, der im nordwestlichen Viertel der Anlage angetroffen wurde. Außerdem fanden sich aber auf der Grabsohle zwei lanzettförmige Flintdolche vom Typ I nach Lomborg, die als Beigaben mitgegeben worden waren – der kleinere lag im südöstlichen Viertel, der größere im Zentrum des Grabes, beide annähernd auf dessen Mittelachse (Abb. 4). Die Dolche waren hervorragend erhalten und von ähnlicher Form. Nur in der Größe unterschieden sie sich, denn das mittig angetroffene Stück war mit einer Länge von 23 cm und einer Breite von 5 cm fast doppelt so groß wie das nur 14,3 cm lange und 3,9 cm breite zweite Exemplar (Abb. 5).

Lanzettförmige Flintdolche des Typ I nach Lomborg kommen während des gesamten Spätneolithikums vor, eventuell sogar noch bis in die frühe Bronzezeit hinein. In Mecklenburg-Vorpommern sind sie auf Rügen besonders häufig, wo es offensichtlich die besten Flintlagerstätten gab. Nur selten erreichen die Stücke aber Längen von über 23 cm, so dass der eine Dolch aus Wrangelsburg zu den größten Vertretern dieser Fundgruppe zählt. Gräber mit Dolchen sind vornehmlich aus Vorpommern und Rügen bekannt, wobei es sich bei den vorpommerschen Befunden überwiegend um Flachgräber handelt. Auch der Befund aus Wrangelsburg darf zu den Flachgräbern gezählt werden.

In der Bronzezeit und der älteren vorrömischen Eisenzeit wurde das Areal als Siedlung genutzt. Ein Feuerstellenplatz markiert den nördlichen Abschluss der Siedlungskammer. Er liegt nur 30 m nördlich des Grabes und besteht aus drei in Ost-West Richtung verlaufenden Feuerstellenreihen (Abb. 6), die im Süden durch zwei gleich gerichtete, palisadenartige Pfostenreihen flankiert werden.
Die jüngsten Siedlungsreste stammen aus der Slawenzeit. Danach wurde das Gelände nur noch landwirtschaftlich genutzt.

N. Kuhlmann/J.-P. Schmidt

Literatur:

D. Forler, Viele Jahrtausende genutzt – Der Grabhügel von Zarrentin, Lkr. Demmin. In: Archäologische Entdeckungen in Mecklenburg-Vorpommern. Kulturlandschaft zwischen Recknitz und Oderhaff. – Archäologie in Mecklenburg-Vorpommern 5, 61-62. Schwerin 2009.

J. Heinze/F. Wietrzichowski, Einem Flintschläger über die Schulter geschaut – Der Flintschlagplatz aus dem Übergang von der Stein- zur Bronzezeit aus Lübsee, Lkr. Rostock. In: D. Jantzen/L. Saalow/J.-P. Schmidt (Hrsg.), Pipeline : Archäologie. Ausgrabungen auf den großen Ferngastrassen in Mecklenburg-Vorpommern, 103–108. Schwerin 2014.

E. Lomborg, Die Flintdolche Dänemarks. – Nordiske Fortidsminder B 1. København 1973.

K. Rassmann, Spät­neolithikum und frühe Bronzezeit im Flachland zwischen Elbe und Oder. – Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns 28. Lübstorf 1993.

Fund des Monats Oktober 2018

Ein Dolch ist nicht genug

Burgwall in 3D

Burgwall unter dem Schweriner Schloss in 3D: 3D-Aufnahme der Bauphase 965 oder kurz danach. (Interner Link: Slawischer Burgwall unter dem Schweriner Schloss)Details anzeigen
Burgwall unter dem Schweriner Schloss in 3D: 3D-Aufnahme der Bauphase 965 oder kurz danach. (Interner Link: Slawischer Burgwall unter dem Schweriner Schloss)

3D-Aufnahme der Bauphase 965 oder kurz danach.

Vor Ort

Infoboxgrafik Exkursionen: Mittelalterliche Burg (Ludorf, Landkreis Müritz) (Interner Link: Exkursionen zu archäologischen und historischen Denkmälern)Details anzeigen
Infoboxgrafik Exkursionen: Mittelalterliche Burg (Ludorf, Landkreis Müritz) (Interner Link: Exkursionen zu archäologischen und historischen Denkmälern)

Infoboxgrafik Exkursionen: Mittelalterliche Burg (Ludorf, Landkreis Müritz)

Ausgestellt

Vitrinen in der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden (Interner Link: Archäologie in Museen und Ausstellungen)Details anzeigen
Vitrinen in der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden (Interner Link: Archäologie in Museen und Ausstellungen)

Vitrinen in der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden