Sommer und Winter. Zwei Fotografien des Gutshauses Niekrenz aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts

Archivalie des Monats Dezember 2021

Abb. 1: Gutshaus Niekrenz um 1870 aus dem „Photographischen Album aus Mecklenburg“ des Verlags A. Mencke & Co., Wandsbek (LHAS, 13.3-1, Nr. 728)Details anzeigen
Abb. 1: Gutshaus Niekrenz um 1870 aus dem „Photographischen Album aus Mecklenburg“ des Verlags A. Mencke & Co., Wandsbek (LHAS, 13.3-1, Nr. 728)

Abb. 1: Gutshaus Niekrenz um 1870 aus dem „Photographischen Album aus Mecklenburg“ des Verlags A. Mencke & Co., Wandsbek (LHAS, 13.3-1, Nr. 728)

Abb. 1: Gutshaus Niekrenz um 1870 aus dem „Photographischen Album aus Mecklenburg“ des Verlags A. Mencke & Co., Wandsbek (LHAS, 13.3-1, Nr. 728)

Ende der 1860er, Anfang der 1870er Jahre nahmen die Fotografen des Wandsbeker Verlages A. Mencke & Co. ein Motiv auf, das sie im Zuge des Verlagsprojektes "Photographisches Album aus Mecklenburg" nicht so häufig realisierten. In Niekrenz bei Sanitz fotografierten sie nicht allein das Gutshaus, sondern auch den Gutsbesitzer mit seinen Familienangehörigen und seinen Angestellten.

Besitzer des Gutes Niekrenz war der 1819 geborene Heinrich August Stever. 1838, also noch nicht einmal zwanzigjährig, aber bereits in die Lehnsfolge aufgenommen, kaufte er es von seinem Vater, dem jüngeren der Rostocker Protonotare namens Johann Christian Theodor Stever (1779-1849). 1906 trat Johann Christian Theodor Stever (1853-1930), d.h. Heinrich August Stevers Sohn, in die Besitzerfolge ein. Als er verstarb, übernahm dessen 1889 geborener Sohn Friedrich Franz Stever, mit dem die Familientradition auf Gut Niekrenz 1945 nach mehr als einem Jahrhundert endete. Der eigentlich in Rede stehende Heinrich August Stever gilt nicht nur als angesehener Pferdezüchter und Rennreiter, sondern war offensichtlich auch ein erfolgreicher Landwirt. Neben Niekrenz und Wehnendorf aus dem väterlichen Erbe erwarb er die Güter Neuenkirchen und Luisenhof bei Neubrandenburg sowie Dahlen bei Friedland.

Mit dem Album-Projekt beabsichtigte A. Mencke & Co., "photographische Darstellungen der Schlösser, Rittergüter und weniger anderer hervorragenden Denkmälern der Baukunst Mecklenburgs" zu einem Album zusammenzustellen. Die Subskribenten des Albums bzw. Abonnenten der Einzelaufnahmen durften "einen Platz im Album für seinen Besitz" sowie "einen Besuch unserer Photographen zu Privataufnahmen (von Menschen, Thieren, Gebäuden, Zimmern etc.)" beanspruchen, die Kosten dafür trug der Verlag. Im Unterschied zur Mehrzahl seiner ritterschaftlichen Standesgenossen, die lediglich ihre Gutshäuser durch den Verlag ablichten ließen, verzichtete Heinrich August Stever nicht auf den Zusatzanspruch.

Daher entstanden neben – mindestens – einer parkseitigen Aufnahme des Gutshauses mindestens zwei Fotografien, die außer den Gebäuden auch ihre Bewohner zeigen. Auf einer ist Heinrich August Stever im Gespräch mit zwei Gutsarbeitern zu sehen, die ausweislich der Sensen in ihren Händen offenbar mit der Mahd des Grüns in der Auffahrt beschäftigt waren (Abb. 1). Auf der anderen, aus im Grunde identischer Perspektive aufgenommenen Fotografie befinden sich die Menschen weiter im Hintergrund. Der Gutsbesitzer und seine Gattin stehen näher am Haus, zwei Frauen sitzen etwas entfernt von ihnen und zwei weitere Frauen sitzen auf der Treppe zur Veranda. Dass es sich dabei um Hausangestellte handelte, kann nur vermutet werden.

Abb. 2: Gutshaus Niekrenz um 1900, Postkarte von F.W. Schaufuss, Bützow (LHAS, 13.2-5, Nr. 4/491).Details anzeigen
Abb. 2: Gutshaus Niekrenz um 1900, Postkarte von F.W. Schaufuss, Bützow (LHAS, 13.2-5, Nr. 4/491).

Abb. 2: Gutshaus Niekrenz um 1900, Postkarte von F.W. Schaufuss, Bützow (LHAS, 13.2-5, Nr. 4/491).

Abb. 2: Gutshaus Niekrenz um 1900, Postkarte von F.W. Schaufuss, Bützow (LHAS, 13.2-5, Nr. 4/491).

Reichlich ein Vierteljahrhundert nach den Verlagsfotografen von A. Mencke & Co. lichtete ein Berufskollege von ihnen, F.W. Schaufuss aus Bützow, das Gutshaus erneut ab (Abb. 2). Die gewählte Perspektive ist nahezu identisch mit der früheren, wobei nun außer dem turmartigen Anbau auf der rechten Hausseite auch die Nebengebäude auf der linken Hausseite deutlicher konturiert sind. Der Vergleich der Fotografien lässt eine Umgestaltung der Auffahrt erkennen, die mittlerweile von einer Balustrade mit Treppenabgang eingefasst und durch Laternen beleuchtet wird. Des Weiteren wird sie von zwei Bäumen gesäumt, so dass nunmehr insgesamt vier statt vormals zwei Bäume zu sehen sind. Während die früheren Aufnahmen von A. Mencke & Co. im Frühjahr oder Frühsommer entstanden sein dürften, wie die Vegetation ausweist, fotografierte F.W. Schaufuss ganz offensichtlich im Winter – der Schnee vor dem Gutshaus und auf den Dächern lässt kaum einen anderen Schluss zu.

Dr. Matthias Manke

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