Die gärtnerisch gestalteten Freiflächen des Erich-Steinfurth-Kinder­erho­lungs­heims in Zinnowitz

Denkmal des Monats August 2022

Abb. 6. Straßenseite des ehemaligen Mädchenhauses.Details anzeigen
Abb. 6. Straßenseite des ehemaligen Mädchenhauses.

Abb. 6. Straßenseite des ehemaligen Mädchenhauses.

Abb. 6. Straßenseite des ehemaligen Mädchenhauses.

Im südöstlichen Teil von Zinnowitz auf der Insel Usedom befindet sich in repräsentativer Lage am Hang des Glienberges die leider heute in einem schlechten Zustand befindliche Anlage des Erich-Steinfurth-Kindererholungsheims, bestehend aus mehreren Gebäuden und einer parkartigen Freifläche.

Im Zusammenhang mit der Anerkennung der Ortschaft Zinnowitz als Seebad setzte ab 1851 eine rege Bautätigkeit ein. Zwischen 1875 und 1884 wurden auf Grund der besonderen Lage und der weitreichenden Sichten in Richtung Meer und Achterwasser u.a. die Villa Belvedere und die Villa Frank errichtet. Die Villa Belvedere, ein zweigeschossiges Wohnhaus, entstand auf einem großen, nach Südwesten abfallenden Parkgrundstück. Parallel erbaute man 1875 auf dem nordwestlich angrenzenden Grundstück die zweigeschossige Villa Frank. Bauherr war der aus Berlin stammende Ratszimmermeister Eduard Frank. Beide Villen besaßen einem Turm, der neben der Funktion als Aussichtsturm auch als Wasserspeicher für die Hausbewohner und den Garten diente.

Nach mehreren Umbauten und Besitzerwechseln erwarb 1926/1927 die Stiftung Eisenbahn-Töchterhort das Hotel Belvedere mit dem Park und richtete ein Erholungsheim für Töchter verstorbener Eisenbahnbeamter ein. Die repräsentative Umgestaltung des Gebäudes zu einem Kindererholungsheim und die Errichtung von Anbauten sowie die einheitliche Gestaltung der Außenanlagen erfolgten unter der Leitung des Reichsbahnoberrates Berthold Birkholz (Abb. 1).

Weitere bauliche Erweiterungen, u.a. die Errichtung eines Steingartens mit Wasserbecken (Abb. 2), von Terrassen mit Treppenanlagen sowie der Aufbau der Liegehallen erfolgten im Zusammenhang mit dem Zusammenschluss der Stiftung Eisenbahn-Töchterhort mit der Stiftung Eisenbahn-Knabenhort zur Stiftung Reichsbahn-Waisenhort um 1929.
Infolge der Kriegsverhältnisse wurde der Betrieb des Erholungsheimes eingestellt und erst im Mai 1949 als Erich-Steinfurth-Kindererholungsheim wiedereröffnet (Abb. 3). Seit 1995 ist das Gelände ungenutzt und aufgrund der ungenügenden Pflege in seinem Bestand stark gefährdet.

Der Gebäudekomplex des ehemaligen Kindererholungsheimes setzt sich von Norden nach Süden aus dem Jungenhaus (Abb. 4), dem Verbindungsbau mit der Turnhalle (Abb. 5), dem Mädchenhaus (Abb. 6) und dem Waschhaus zusammen. Die gartenartig gestalteten Freiflächen umgeben terrassenartig den erhöht gelegenen Gebäudekomplex und ermöglichten ursprünglich entsprechend des Namens des ehem. Hotels schöne Ausblicke in die umgebende Landschaft sowie innerhalb der Anlage selbst (Abb. 7). Als gartengestalterische Besonderheiten befanden sich neben den repräsentativen Terrassenflächen am Gebäudekomplex ein Schmuckgarten mit einer Sonnenuhr am Mädchenhaus (Abb. 8 und 9), am Übergangsbau der Steingarten mit dem Wasserbecken (Abb. 10) und an der Turnhalle die hier als Sandfläche ausgebildete Terrasse mit Findling. Im Westen der Anlage an der ehem. Villa Frank befanden sich in dem hier waldartig angelegten Parkbereich Spiel- und Sportflächen sowie ein der Freiluftkur dienender Bereich mit den Liegehallen (Abb. 11). Im südlichen und östlichen Areal wurden Nutzgärten und Wirtschaftsflächen mit Trockenplatz und Ausläufen für Schweine und Geflügel angeordnet (Abb. 12). Die den jeweiligen unterschiedlichen Nutzungen zugeordneten Bereiche wurden größtenteils mit steilen, teilweise mit Feldsteinen befestigten Böschungen und mehreren Treppenanlagen ausgestattet und mit einem klar strukturierten Wegesystem untereinander verbunden (Abb. 13).

Die gärtnerisch gestalteten Freiflächen des Kinderheimes stellen bis heute einen gartenkünstlerisch anspruchsvollen Erholungsraum dar, der die unterschiedlichen Gestaltungs- und Nutzungsräume auf eine spannungsvolle und harmonische Weise miteinander verbindet. Zusammen mit den Gebäuden sowie den in die Freiflächen eingestreuten Bauten wie z.B. der Gartenpavillon (Abb. 14), das Isolierhaus und das Pumpenhaus, bilden sie ein bedeutendes Gartendenkmal und sind aus geschichtlichen und gartenkünstlerischen Gründen schützens- und erhaltenswert. In ihren überkommenen Strukturen vereinen die Freiflächen die gartengestalterischen Elemente und Gestaltungsprinzipien von Villengärten und Kuranlagen vom Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts und dokumentieren damit die Entwicklung der Gartenkunst in Verbindung mit der Kurarchitektur.

Bis heute sind die ursprünglichen Gestaltungs- und Ausstattungselemente in ihren bestehenden Strukturen und in einem spannungsvollen Wechsel größtenteils erhalten geblieben und erzählen trotz ihres leider schlechten Pflege- und Erhaltungszustandes die Geschichte der Anlage, die der aufmerksame Besucher auf unterschiedliche Weise entdecken kann. So steht auf dem Sockel der Sonnenuhr im Gartenbereich am Mädchenhaus folgender Spruch:

Ich sag nicht tick
Ich sag nicht tack
Ich hab nicht Räder
Ich hab nicht Schlag
Doch scheint die Sonne geh ich
Und wenn es regnet steh ich
Mach es wie die Sonnenuhr
Und zähl die heiteren Stunden nur

Mögen wir alle zukünftig in diesem schönen Denkmal noch viele heitere Stunden zählen!

Dr. Ewa de Veer

Denkmal des Monats August 2022

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