Klassenfahrten und ein Hauch von Exotik in Dreilützow

Denkmal des Monats Mai 2019

(J. Brandt, Schwerin)Details anzeigen
(J. Brandt, Schwerin)

Abb. 1. Dreilützow; Lkr. Ludwigslust-Parchim, Gutsanlage, 2009.

Abb. 1. Dreilützow; Lkr. Ludwigslust-Parchim, Gutsanlage, 2009.

Der anfänglich nur "Lützow" lautende Name des Gutes unweit von Wittenburg verweist bereits darauf, dass ursprünglich die Familie von Lützow – nachweislich als Lehnsherren seit dem 13. Jahrhundert - dort ansässig war. Der seit 1649 in den Archivalien belegte Name "DreienLützow" oder "Dreilützow" ist wohl auf eine Gebietsteilung zurückzuführen.

Im Jahre 1725 ging das Gut vollständig durch Verkauf an den hannoverschen Premierminister Andreas Gottlieb d.Ä. Freiherr von Bernstorff über. 1735 ließ sein Sohn Andreas Gottlieb von Bernstorff d.J. nach Entwurf von Johann Paul Heumann, Hofbaumeister aus Hannover, das barocke Herrenhaus mit großem Wirtschaftshof anlegen (Abb. 1-2). In den nachfolgenden Generationen wurde der Gutshof mehrfach erweitert und umgebaut, der Park wandelte sich dem Zeitgeschmack entsprechend zu einem ausgedehnten Landschaftspark (Abb. 3).

Letzter Gutsbesitzer der Familie von Bernstorff war Andreas Gottlieb von Bernstorff (1858-1929), der das zum Fideikommissgut erhobene Gut Dreilützow mit Parum und Pogreß bewirtschaftete. Als Folge der Weltwirtschaftskrise erfolgte am 5.Juli 1929 der Verkauf von Dreilützow mit den Nebengütern Parum und Pogreß an die "Kultur- und Siedlungs-Aktien-Gesellschaft deutscher Landwirte in Schwerin".

1933 wurde das Herrenhaus von den Nationalsozialisten für den Reicharbeitsdienst genutzt. Kurz vor Kriegsende diente das Schloss als Lazarett, nachher wurde es von der englischen und dann sowjetischen Armee besetzt und geplündert.

1946 erfolgte der Verkauf an die katholische St. Anna Gemeinde in Schwerin, die hier das Kinderheim "St. Josef" einrichtete. 1987 übernahm die Caritas die Leitung des Heims. 1994 wurde das Haus für Kinder und Jugendgruppen geöffnet und dient seitdem als Bildungs- und Freizeitstätte der Caritas (www.schloss-dreiluetzow.de).

Die aktuelle Nutzung bietet in den ausgebauten Wirtschaftsgebäuden und Freiflächen nicht nur großzügigen Raum für die Kinder und Jugendlichen, sondern es wird auch die Orts- und Regionalgeschichte anschaulich vermittelt. In einer Vielzahl von baulichen Einzelmaßnahmen wurde in den letzten Jahren vorbildhaft zur langfristigen Erhaltung und Nutzung des Gesamtareals beigetragen. So können sich heute beispielsweise Gruppen im Gartensaal des Herrenhauses und deren Salons treffen, deren historische Decken, Parkettböden und Wandfassungen restauriert wurden. Ganz selbstverständlich kommt in Dreilützow jeder Gast mit Kunst und Historie am authentischen Ort in Kontakt und kann lernen, dies als erhaltenswertes Erbe zu begreifen.

Eine seit Jahrzehnten nur noch in ihnen Grundmauern erhaltene Scheune konnte dank der Initiative der engagierten Leitung des Schullandheims vor Ort als Gemeinschaftshaus mit Gewächshaus wiederaufgebaut werden (Abb. 4). Aus denkmalpflegerischer Sicht stellt dies ein großer Gewinn für die Ablesbarkeit der historischen Hofstruktur dar. Ein Höhepunkt war 2018 die Wiederherstellung der Balustrade auf dem Altan vor dem Haupteingang, die wesentlich zum repräsentativen Charakter der Hauptfassade des Herrenhauses beiträgt (Abb. 5-6).

Ein weiteres besonders bemerkenswertes historisches Wirtschaftsgebäude liegt etwas abseits, südlich des Gutshofkarrees und der Kirche. Dort befindet sich der Guts- und Küchengarten, eingefasst mit einer hohen Backsteinmauer. Die Blickachse von Norden, vom Gutshof kommend, wird von einer mit Lisenen gegliederten, entfernt tempelartigen Giebelfront aufgenommen, die zum historischen Gewächshaus gehört (Abb. 7-8). Durch Wohneinbauten, die vermutlich auf die Aufsiedlung zurückzuführen ist, wirkt der Bau heute eher unscheinbar, da die großen Fensteröffnungen verschwanden. Eine kurze restauratorische und bauhistorische Analyse gemeinsam mit Dipl.-Rest. Matthias Zahn und Dr. Tilo Schöfbeck zeigte jedoch, dass die bauliche Substanz sowie die innere Struktur des vermutlich aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammenden Baus erfreulicherweise weitgehend erhalten sind.

Wie für Gewächshäuser typisch, ist die Nordseite recht geschlossen ausgeführt. Die mittlere Tür war zur Erbauungszeit breiter und besaß unter dem hohen Rundbogen vermutlich ein Lünetten-Oberlicht. Der dahinterliegende Raum war nur schmal und bildete den Heizgang, von dem auch der funktional wichtige Ofen als Hinterlader beheizt werden konnte. Nach Süden hingegen öffnete sich die Fassade ursprünglich in drei breiten länglichen Glasfronten, die den empfindlichen exotischen Pflanzen genügend Licht gaben. Die Dimensionen der Fensterbahnen lassen sich anhand der leichten Farbunterschiede der Ziegel noch gut ablesen (Abb. 9). Man wird sich die Verglasung mit ähnlichen leicht hochrechteckigen Scheibenformaten wie an den kleinen Fenstern der Vorderseite vorstellen dürfen. Die Lage der sehr schmalen Metallrahmen lässt sich am oberen Abschluss, einem Holzbalken, anhand der Anstrichkanten noch nachvollziehen (Abb. 10). Der eigentliche Pflanzenraum war sehr hoch, so dass auch hohe Kübelpflanzen Platz gefunden haben dürften, wie sie auf einem Foto um 1875 vor dem Herrenhaus zu sehen sind (Abb. 11). An der Westseite sind eine Tür sowie eine ca. 3.5m hohe Öffnung erkennbar, die mit (Holz-) Platten verschlossen werden konnte, wie die noch erhaltenen eisernen Klammern im Mauerwerk nahelegen. Hierbei könnte es sich um das Tor zum Transport der Pflanzen handeln, so dass die südlichen Fensterflächen nur Lüftungsöffnungen, aber keine Tür benötigt hätten. An der südlich anschließenden Wand wachsen im günstigen Klima auch heute noch Kulturpflanzen. Inwieweit dort ein Dach anschloss, wird wohl bestenfalls nach Wegnahme der dort angebauten jüngeren Garage zu klären sein.

Aktuelle Konzepte der Caritas beinhalten eine Nutzung des Gebäudes als Gruppenraum. Damit einhergehend wäre die Wiederherstellung des einheitlichen Raumes durch Herausnahme der jüngeren Wohnungswände und Herstellen der ursprünglichen Raumhöhe möglich. Vielleicht kann auch die großzügig verglaste Südseite neu erstehen, die einen wunderbaren Blick auf die historische Streuobstwiese des alten Küchengartens böte (Abb. 12).

Sabine Schöfbeck

Übersichtskarte Gut Dreilützow

Denkmal des Monats Mai 2019

Klassenfahrten und ein Hauch von Exotik in Dreilützow

2019 - Denkmale des Monats

2018 - Denkmale des Monats

2017 - Denkmale des Monats

2016 - Denkmale des Monats

2015 - Denkmale des Monats

2014 - Denkmale des Monats

2013 - Denkmale des Monats

2012 - Denkmale des Monats

2011 - Denkmale des Monats

2010 - Denkmale des Monats

2009 - Denkmale des Monats

2008 - Denkmale des Monats

2007 - Denkmale des Monats

Denkmalschutz­behörden

Ihre Ansprechpartner in den Landkreisen, kreisfreien und großen kreisangeh..

Untere Denkmalschutzbehörden

UNESCO-Welterbe-Bewerbung

"Residenzensemble Schwerin - Kulturlandschaft des romantischen Historismus"

www.welterbe-bewerbung-schwerin.de

Rechtsvorschriften

Hier finden Sie die Rechtsvorschriften der Landesdenkmalpflege.

Rechtsvorschriften