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Vom Schulbau auf dem Lande – Die ehemalige Schule in Groß Methling

In Groß Methling bei Dargun hat sich ein bemerkenswertes Schulgebäude erhalten, das Aufschluss über den Wandel in der ländlichen Bau- und Bildungsgeschichte gibt.

Abb. 1. Groß Methling, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Groß Methling 40-41, Schule, Südansicht, 2025.Details anzeigen
Abb. 1. Groß Methling, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Groß Methling 40-41, Schule, Südansicht, 2025.

Abb. 1. Groß Methling, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Groß Methling 40-41, Schule, Südansicht, 2025.

Abb. 1. Groß Methling, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Groß Methling 40-41, Schule, Südansicht, 2025.

In Mecklenburg-Vorpommern fand bis weit in das 19. Jahrhundert – und teilweise sogar bis ins 20. Jahrhundert hinein – in den Dörfern der Volksschulunterricht meist in einem ortstypischen langrechteckigen Gebäude statt, dem man nicht ansah, dass es sich um eine Schule handelte. Einen eigenen Architekturtypus für Schulbauten auf dem Lande gab es damals nicht. Auch wenn für die Schule ein Neubau errichtet wurde, waren die kleinen Schulgebäude in der Regel kaum von den anderen Gebäuden des Dorfes zu unterscheiden. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzten sich schulreformerische Ansätze auf dem Land durch, und es sind Neubauten zu verzeichnen, die als Schulbauten erkennbar wurden, zum Beispiel durch eine Fensterreihung für die Klassenräume oder eine baulich von den Klassenräumen abgesetzte Lehrerwohnung.

Bei der zwischen 1895 und 19031 erbauten ehemaligen Schule in Groß Methling handelt es sich um einen für damalige Verhältnisse modernen Schulbau, an dem sich die Reformen des Landschulwesens baulich zeigen. Im Gegensatz zu dem üblichen, langrechteckigen Baukörper mit kompakt angeordneten Räumlichkeiten verkörpert das in massiver Bauweise über T-förmigem Grundriss errichtete, zweiflügelige Schulhaus in Groß Methling einen neuen Bautyp, bei dem die funktionale Trennung von Lehrerwohnhaus und Schulhaus sichtbar wird.

Das Gebäude diente ursprünglich den Kindern aus Groß- und Klein-Methling als Schule und war mit zwei Klassenräumen und zwei Lehrern ausgestattet. Es war bis 1978 in schulischer Nutzung.2

Das aus zwei rechtwinklig aneinander gefügten Bautrakten bestehende Gebäude ist eingeschossig und ruht auf einem Feldsteinsockel mit Backsteinrollschicht. Beide Flügel sind mit Krüppelwalmdächern mit Falzziegeleindeckung bedeckt. Lediglich die nach Süden orientierte Giebelseite weist kein Krüppelwalmdach, sondern einen repräsentativ erhöhten Schweifgiebel mit Backstein-Putz-Ornamenten auf. Die Fassaden beider Trakte sind einheitlich im unteren Bereich bis zur mittleren Fensterhöhe backsteinsichtig und im darüberliegenden Bereich verputzt. Die nach Westen und Norden weisenden Giebel sind jeweils mit einem Deutschen Band am Giebelfuß und abgetreppten Ziegellagen am Ortgang dekoriert (Abb. 1-2).

Der giebelständige Ostflügel ist der Schultrakt. Der Schuleingang liegt an der östlichen Traufseite und ist mit einer großen segmentbogigen Türöffnung mit Backsteinrahmung ausgestattet, die mehrteilige Glassprossentür mit Oberlicht ist nicht mehr original. Die nahezu quadratischen Fensteröffnungen am Ostflügel sind großformatiger als die übrigen und haben gerade Stürze. Sie besitzen zur Außenseite hin noch die originalen sechsteiligen Kastenfenster mit Beschlägen, während die inneren Fensterflügel erneuert wurden. Auf dem Dach befinden sich auf der Ost-, Süd- und Nordseite jeweils einzelne drei- bis vierachsige Gauben, die nachträglich verändert wurden (Abb. 3-4).

Der traufständige Westflügel ist der Wohntrakt. Er besitzt hochrechteckige segmentbogige Fenster- und Türöffnungen mit Backsteinfaschen und Kreuzstockfenstern. An seiner fünfachsigen Südfassade liegt in der ersten Achse von Osten der Hauseingang, dessen Tür nicht mehr original ist.

Im Inneren ist die erbauungszeitliche Raumstruktur im Erdgeschoss mit dem quer durchgehenden Flur und den davon abgehenden beiden Klassenräumen im Osttrakt sowie den Wohnräumen mit Querdiele im Westtrakt noch vollständig erhalten.

Zur besonderen Ausstattung des Hauses zählen unter anderem die originalen großformatigen, mehrteiligen Holzfenster mit einem Tauwasserablaufsystem in den innenliegenden Fensterbänken sowie der Bodenbelag aus quadratischen Kunststeinfliesen im Flur des Schultrakts.

Die ehemalige Schule in Groß Methling ist aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen von besonderer Bedeutung.

Das in seiner historischen Substanz und architektonischen Gestaltung gut überlieferte Gebäude ist ein Dokument der ländlichen Bau- und Bildungsgeschichte in der Region Dargun. An seinem äußeren Erscheinungsbild sowie dem inneren Ausbau und der Raumstruktur ist seine ursprüngliche Nutzung deutlich ablesbar. Es veranschaulicht so die gestiegenen gesellschaftlichen Ansprüche an das Bildungswesen am Übergang zum 20. Jahrhundert und bezeugt den neuen Stellenwert, den die Gemeinde als Bildungsträger der ländlichen Schulbildung beimaß.

Das zweiflüglige Schulhaus über winkelförmigem Grundriss repräsentiert einen neuen Bautyp, der die funktionale Trennung von Lehrerwohnhaus und Schulhaus verdeutlicht und zugleich eine räumliche Verbindung beider Einheiten gewährleistet. Er zeichnet sich aufgrund der großformatigen mehrteiligen Fenster und wandgebundenen Lüftungsschächte durch gut belichtete und belüftete Klassenräume aus und verfügt über zwei separat erschlossene Lehrerwohnungen im angrenzenden Flügel, die mit dem Schulbau durch eine Tür direkt verbunden sind.

Dieser neue Bautyp kam in der Region Dargun außerdem in der fast zeitgleich im Jahr 1905 erbauten Schule in Levin/Zarnekow zur Anwendung, jedoch nicht in der gleichen gestalterischen Qualität (Abb. 5).

In Groß Methling sind die Fassaden der beiden Flügel nach einem einheitlichen Gestaltungskonzept repräsentativ mit Backstein- und Putzdekorationen in einer für die Gründerzeit typischen Formensprache gegliedert. Besonderes Augenmerk lag auf der Gestaltung des Südgiebels, wobei das Ziermotiv mit der dreifach geschweiften überhöhten Giebelspitze hervorsticht.

Auffallend ist außerdem die architektonische Ähnlichkeit zur Küsterschule in Dargun (Röcknitzstraße 20a/20b), die wenig später im Jahr 1906 errichtet wurde (Abb. 6). Möglicherweise diente das Groß Methlinger Schulhaus als Vorbild für Dargun und hatte eventuell auch denselben Baumeister. Aufgrund seiner gut überlieferten originalen Fassadenstruktur und der herausragenden Gestaltungsqualität ist das Schulhaus in Groß Methling daher auch aus künstlerischen Gründen bedeutend.

Der an markanter Stelle an einer Straßenbiegung in der Dorfmitte gelegene Schulbau ist darüber hinaus städtebaulich besonders wirksam. Hinzu kommt, dass er auch in Sichtbeziehung zu den wichtigen anderen Baudenkmalen – der Kirche und dem Pfarrhof – steht, wodurch ihm eine raumbildende Funktion zukommt und seine sozialgeschichtliche Bedeutung für den Ort zusätzlich hervorgehoben wird.

Das seit 1978 als reines Wohnhaus genutzte Gebäude steht seit kurzem leer und ist käuflich zu erwerben. Hoffentlich wird sich bald ein Eigentümer oder eine Eigentümerin finden, der oder die dem schmucken Bau wieder neues Leben einhauchen will.

Dr. Tanja Seeböck

Fußnoten

1 Einer schriftlichen Quelle zufolge soll die Schule um 1895 erbaut worden sein (Quelle siehe Fußnote Nr. 2). Einer Inschrift im südlichen Giebel zufolge, die im Zuge der Denkmalerfassung (1994) gesichtet wurde, aber heute nicht mehr erhalten ist, soll das Schulgebäude im Jahr 1903 erbaut worden sein (siehe LAKD M-V/LD, Kurzerfassung, Groß Methling, Schule, April 1994).

2 Regionale Schule Dargun (Hg.): Schulgeschichte, Dorfschulen (bis 1979). URL: https://www.schulen-dargun.de/seite/451090/dorfschulen-bis-1979.html (Stand: 01.05.2026)

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