Denkmal des Monats März 2026

Das Rookhus in Göhren – ein historisches Fischerhaus mit Zuckerhut

Abb. 2. Göhren, Lkr. Vorpommern-Rügen, Thiessower Str. 7, Rookhus, Ostansicht, 2023.Details anzeigen
Abb. 2. Göhren, Lkr. Vorpommern-Rügen, Thiessower Str. 7, Rookhus, Ostansicht, 2023.

Abb. 2. Göhren, Lkr. Vorpommern-Rügen, Thiessower Str. 7, Rookhus, Ostansicht, 2023.

Abb. 2. Göhren, Lkr. Vorpommern-Rügen, Thiessower Str. 7, Rookhus, Ostansicht, 2023.

Südöstlich auf der Insel Rügen liegt die Halbinsel Mönchgut (niederdeutsch Mönnichgaud). Sie hat ihren Namen noch im Mittelalter durch die Zugehörigkeit zum Greifswalder Kloster Eldena erhalten. Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein lebten die dortigen Bewohner vorwiegend vom Fischfang. Glücklicherweise haben sich dort einige sehr alte historische Fischerhäuser erhalten, die noch aus der Zeit um 1700 stammen. Es handelt sich um niedrige niederdeutsche Hallenhäuser, sog. Zweiständerhäuser unter einem hoch aufgerichteten, aus Rohr gedeckten Dach. Im Volksmund wird diese hohe, spitz auslaufende Dachform gern auch Zuckerhut aufgrund der lange gebräuchlichen Verkaufsart des Zuckers als Kegel genannt. So z.B. das Pfarrwitwenhaus in Groß Zicker (1719/20) aus Fachwerk (Abb. 1), das Bauernhaus Dorfstraße 23 in Middelhagen – hier aus Backsteinmauerwerk überkommen - oder das sog. Rauchhaus (niederdeutsch Rookhus) in Göhren (Abb. 2).

Abb. 3. Göhren, Lkr. Vorpommern-Rügen, Thiessower Str. 7, Rookhus, Südostansicht, 2026.Details anzeigen
Abb. 3. Göhren, Lkr. Vorpommern-Rügen, Thiessower Str. 7, Rookhus, Südostansicht, 2026.

Abb. 3. Göhren, Lkr. Vorpommern-Rügen, Thiessower Str. 7, Rookhus, Südostansicht, 2026.

Abb. 3. Göhren, Lkr. Vorpommern-Rügen, Thiessower Str. 7, Rookhus, Südostansicht, 2026.

Das Rookhus in Göhren stammt aus der Zeit um 1700 (Quelle Museumsgesellschaft Mönchgut-Granitz mbH, Ostseebad Sellin) und ist ein Fachwerkhaus mit Lehmausfachungen. Das Gebäude ist relativ klein und niedrig im Geschoss und wirkt daher durch das hohe und weit über die Außenwände auskragende Walmdach aus Rohr tatsächlich wie ein gut „behütetes“ Haus (Abb. 3). Die teilweise sehr schmalen Fachwerkstiele der Außenwände aus Eiche stehen weit auseinander und sind direkt auf einem Feldstein gegründet, d.h. die meist für eine Fachwerkkonstruktion umlaufende Schwelle gibt es hier nicht (Abb. 4). Die breit gelagerten Ausfachungen der Außenwände sind durch eine wandumlaufende Riegelkette wiederum aus sehr schmalen Hölzern horizontal voneinander getrennt. Die untere Ausfachungsreihe sitzt somit auch direkt auf dem Feldsteinsockel des Hauses (Abb. 5).

Abb. 6. Göhren Lkr. Vorpommern-Rügen, Thiessower Str. 7, Rookhus, Hauseingang, 2026.Details anzeigen
Abb. 6. Göhren Lkr. Vorpommern-Rügen, Thiessower Str. 7, Rookhus, Hauseingang, 2026.

Abb. 6. Göhren Lkr. Vorpommern-Rügen, Thiessower Str. 7, Rookhus, Hauseingang, 2026.

Abb. 6. Göhren Lkr. Vorpommern-Rügen, Thiessower Str. 7, Rookhus, Hauseingang, 2026.

Nach dem, für diesen Typ der niederdeutschen Hallenhäuser eingezogenen Eingangsbereich mit Holztor gelangt man in die bis in den Dachraum hinein geöffnete und durch das gesamte Haus reichende Diele (Abb. 6-8). Links und recht befinden sich die verschiedenen Wohn- und Wirtschaftsräume der früheren Fischerfamilie. Unter dem einen großen Dach lebten damals die Hausbewohner zusammen mit ihrem Vieh (Kuh, Schwein, Schaf, Hühner) und übten auch ihr Handwerk, z.B. Flachsbrechen, Getreide dreschen, aus bzw. bewahrten dort ihr Handwerkszeug für die Fischerei auf. Das Rookhus ist heute ein Museum und besitzt zum Teil umfangreiches originales Inventar, an dem sich die Lebens- und Handwerksweise der Bewohner noch sehr gut ablesen lässt (Abb. 9, Querschnitt und Grundriss Flyer Museumsgesellschaft, Stand 2026).

Abb. 10. Göhren, Lkr. Vorpommern-Rügen, Thiessower Str. 7, Rookhus, Verblattung Fach- und Dachwerk, 2026.Details anzeigen
Abb. 10. Göhren, Lkr. Vorpommern-Rügen, Thiessower Str. 7, Rookhus, Verblattung Fach- und Dachwerk, 2026.

Abb. 10. Göhren, Lkr. Vorpommern-Rügen, Thiessower Str. 7, Rookhus, Verblattung Fach- und Dachwerk, 2026.

Abb. 10. Göhren, Lkr. Vorpommern-Rügen, Thiessower Str. 7, Rookhus, Verblattung Fach- und Dachwerk, 2026.

Das hohe Dach zeigt ebenfalls weit auseinander liegende Dachgebinde in der Form eines Kehlbalkendaches. Es sitzt in Kehlbalkenhöhe auf den Rähmen der zwei Ständerreihen des Innenfachwerks auf und ist mit diesen auch durch Streben verblattet. Die Rohrdeckung liegt dabei auf sog. Schleten (Rundhölzer aus Nadelholz). Im Firstbereich vorn und hinten befinden sich die senkrecht stehenden dreieckigen Dachöffnungen, über die der Rauch der Feuerstellen, der sich im Haus und Dachraum sammelte, entweichen konnte – woraus sich auch der Name Rauchhaus ableitet (Abb. 10-11).

Die Rohrdachdeckung ist nun in die Jahre gekommen und bedarf der kompletten Erneuerung. Es ist daher für das Jahr 2026 eine Instandsetzungsmaßnahme geplant, wobei neben der Dachdeckung auch eine Untersuchung der Fachwerkkonstruktion vorgesehen ist. Die Außenwände zeigen zum Teil eine Verformung, die statisch überprüft werden muss. Auch sind einige Ständerfüße geschädigt und der Feldsteinsockel muss repariert werden. Insgesamt geht es aber darum, dass die historische Substanz weitestgehend auch mit ihren über Jahrhunderte überkommenen Verformungen bewahrt bleiben kann. Instandsetzungen oder Auswechslungen geschädigter Bereiche sollen nur minimal und wo notwendig im Bestand erfolgen. Die überlieferte historische Konstruktion – z.B. die Ausbildung der Dachschlete oder die Ausbildung der Traufe - soll z.B. erhalten bleiben. Eine besondere Herausforderung wird die behutsame zimmermannsmäßige Instandsetzung der Ständerfüße sein, wobei möglichst keine größeren Eingriffe in die Ausfachungen erfolgen sollten.

Wünschenswert wäre aus denkmalfachlicher Sicht eine begleitende bauhistorische Untersuchung des Gebäudebestandes und Dokumentation der Instandsetzungsmaßnahme.

Jens Amelung

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