Des Herzogs Klo von Güstrow

Denkmal des Monats August 2026

Abb.1. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Ostgiebel des Nordflügels, Baualtersplan 2026.Details anzeigen
Abb.1. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Ostgiebel des Nordflügels, Baualtersplan 2026.

Abb.1. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Ostgiebel des Nordflügels, Baualtersplan 2026.

Abb.1. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Ostgiebel des Nordflügels, Baualtersplan 2026.

Derzeit nähert sich die aufwendige Dach- und Fassadensanierung des Güstrower Schlosses ihrem Abschluss. Während an den Außenwänden die fürstlich-repräsentativen Dekore in höchster handwerklicher Qualität repariert und konserviert wurden, konnten auch Spuren des mittelalterlichen Vorgängers und unscheinbarere Befunde aus dem eher menschlich-praktischen Schlossleben entdeckt werden.

Der Standort des Schlosses Güstrow ist bereits seit dem Mittelalter landesherrlicher Burgort. Der Platz bot eine günstige natürliche Schutzlage südöstlich der auf einem flachen Hügel liegenden Stadt Güstrow, wahrscheinlich auf einem Sporn, einem Ausläufer dieses Hügels. An der Seite war die Burg so vom Lauf des Flüsschens Nebel geschützt – einer Fläche, die recht gut militärisch überwacht werden konnte. Zur Stadt hin wurde die Burg durch einen Halsgraben abgetrennt.

Mit der teilweisen Abnahme jüngerer, nicht denkmalgerechter Putzflächen konnten am freigelegten Mauerwerk neue Erkenntnisse zur Baugeschichte gewonnen werden. Im Nordflügel verbergen sich noch erhebliche Reste des mittelalterlichen Vorgängerbaus, vor allem sichtbar im Mauerwerk des Ostgiebels. Das Mauerwerk wies eine signifikante Oberflächengestaltung auf, die eine Errichtung dieser Strukturen schon im 13. Jahrhundert annehmen lässt (Abb. 1).

Abb. 2. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Südflügel von Norden mit Loggia, 2026.Details anzeigen
Abb. 2. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Südflügel von Norden mit Loggia, 2026.

Abb. 2. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Südflügel von Norden mit Loggia, 2026.

Abb. 2. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Südflügel von Norden mit Loggia, 2026.

Mit der weitgehenden Neuerrichtung des Güstrower Schlosses ab 1557 nach Plänen von Franz Parr (gest. 1580) trat an die Stelle einer Burg mit Wehrfunktion ein Schlossbau mit repräsentativer Architektur. Die Baumeister Parr und in der Nachfolge Philipp Brandin (geb. um 1535, gest. 1594) importierten stilistische Elemente und auch modernste raumgestalterische Auffassungen aus dem Ausland, hier genannt sei als prominentes Beispiel die ab den 1560er Jahren gebaute dreistöckige Loggia des Südflügels. Dafür sind die Sandsteinteile aus Sachsen auf Maß angefertigt und von Dresden über Elbe und Elde sowie dann über den Landweg nach Güstrow transportiert worden (Abb. 2).

Abb. 3. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Südflügel von Süden, 2026.Details anzeigen
Abb. 3. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Südflügel von Süden, 2026.

Abb. 3. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Südflügel von Süden, 2026.

Abb. 3. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Südflügel von Süden, 2026.

Burgtypische Strukturen wie der Burggraben hatten nicht nur die Funktion verloren, sondern passten auch nicht mehr ins moderne Schlossbild. Der zuvor von Wasser durchflossene Graben wurde – vermutlich im Zuge des Schlossneubaus - zugeschüttet. Jedoch benötigte man aber weiterhin eine Entwässerung- gerade auch für die Fäkalien der Schlossbewohner. Die schlanken Türmchen der Aborte sind vor der Südfassade im oberen Teil noch erhalten, jedoch der Bereich unter der Erde spätestens bei Bau der Südterrasse in den 1970er Jahren geschlossen worden (Abb. 3).

Abb. 4. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Westflügel mit Fundament eines Aborterkers, 2026.Details anzeigen
Abb. 4. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Westflügel mit Fundament eines Aborterkers, 2026.

Abb. 4. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Westflügel mit Fundament eines Aborterkers, 2026.

Abb. 4. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Westflügel mit Fundament eines Aborterkers, 2026.

Ein Einblick in die Funktionsweise dieser Aborttürme bot sich nun an der Westfassade des Westflügels. Der heute in seinem oberen Teil nicht mehr erhaltene Toilettenturm befand sich am Nordteil des Flügels, zwischen dem Mittelrisalit und dem Nordwestturm. Sein halbkreisförmiges Fundament ist erhalten geblieben und konnte nun freigelegt und im unteren Verlauf erkundet werden (Abb. 4). Es zeigte sich, dass es an seinem Fuß an einen überwölbten Hohlraum anschließt. Von Norden führte auf diesen ein etwa 70cm breiter und 100cm hoher gewölbt gemauerter Abwasserkanal zu und nach Süden weg. Das darin geleitete Wasser spülte somit die Fäkalien aus dem Aborterker weg, vermutlich in Richtung des Flusses Nebel. Wie auf Kupferstichen des 17. Jahrhundert zu sehen ist, umfloss ein Arm des Flusses die Stadt und die Schlossanlage, heute ungefähr nachvollziehbar anhand des Verlaufs von Stadt- und Mühlgraben (Abb. 5).

Abb. 5. Merian: Topographia Saxoniae Inferior. „Grundriess der Fürstlichen Mecklenburgischen Residentz Statt Güsterow“Details anzeigen
Abb. 5. Merian: Topographia Saxoniae Inferior. „Grundriess der Fürstlichen Mecklenburgischen Residentz Statt Güsterow“

Abb. 5. Merian: Topographia Saxoniae Inferior. „Grundriess der Fürstlichen Mecklenburgischen Residentz Statt Güsterow“

Abb. 5. Merian: Topographia Saxoniae Inferior. „Grundriess der Fürstlichen Mecklenburgischen Residentz Statt Güsterow“

Abb. 6. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Westflügel mit Markierung der Lage des ehemaligen Aborterkers (grau), 2026.Details anzeigen
Abb. 6. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Westflügel mit Markierung der Lage des ehemaligen Aborterkers (grau), 2026.

Abb. 6. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Westflügel mit Markierung der Lage des ehemaligen Aborterkers (grau), 2026.

Abb. 6. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Westflügel mit Markierung der Lage des ehemaligen Aborterkers (grau), 2026.

Von außen war dieser Aborterker an dieser sehr repräsentativen Haupteingangsfassade als solcher nicht ohne weiteres erkennbar. Er war, ähnlich wie die Türmchen an den Flanken des Mittelrisalits, mit der identischen aufwendigen Architekturgliederung versehen, die die Westfassade aufweist. Eine interne vertikale Trennung scheint jedem der beiden Obergeschosse einen separaten Schacht zugeführt zu haben. Nach jetziger Kenntnis dienten diese Toiletten den Räumen der Kammerdienerschaft sowie der fürstlichen Kinder (Abb. 6).

Abb. 7. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Nordflügel, Nordseite, 2026.Details anzeigen
Abb. 7. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Nordflügel, Nordseite, 2026.

Abb. 7. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Nordflügel, Nordseite, 2026.

Abb. 7. Schloss Güstrow, Lkr. Rostock, Nordflügel, Nordseite, 2026.

Auch der nach einem Brand durch Philipp Brandin 1588-89 stark überarbeitete und größtenteils neu errichtet Nordflügel besaß mehrere Aborterker. An der Fassade der Nordgrabengasse sind die Aborterker auf historischen Aufnahmen noch fotografisch überliefert, aber leider um die Mitte des 20. Jahrhunderts ohne nähere Dokumentation abgebrochen worden. Daher ist bekannt, dass diese Anlagen anders als diejenigen an Süd- und Westflügel schlicht und funktional gestaltet waren. Bei der aktuellen Sanierung wurden die Lage und Dimension der Schächte durch eine andere Struktur im Putz im Umriss ablesbar gemacht. Durch die Erdarbeiten der 1970er Jahre am Fuß dieses Flügels, der den Rest des Burghügels bildete, sind sehr wahrscheinlich entsprechende Kanalbauten oder Sammelgruben für diese Toiletten zerstört worden, so dass deren Funktionsweise derzeit nicht nachgewiesen werden kann (Abb. 7).

Weitere Kanäle wurden mindestens in Teilen aufgedeckt. Besonders erwähnenswert ist eine große Wasserableitung durch die Tordurchfahrt des Westflügels, innerhalb des südlichen Flankenturms nach unten und dann in einen noch ca. 35 Meter lang erhaltenen, gemauerten und überwölbten Kanal mündete. Diese Ableitung scheint der Entwässerung des Schlosshofes gedient zu haben, der bis ins 18. Jahrhundert an vier Seiten bebaut war. Demnächst könnten weitere Freilegungen in der Tordurchfahrt hier noch mehr Erkenntnisse liefern, wie das komplexe Wassersystem des Schlosses Güstrow angelegt war.
Am diesjährigen Tag des offenen Denkmals, am 13. September 2026, wird im Rahmen von Führungen dazu mehr berichtet.

Sabine Schöfbeck

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