Kulturpark Neubrandenburg - Ein Park mit erstaunlicher Kontinuität

Denkmal des Monats Oktober 2026

Eine Analyse und Bewertung des Kulturparks in Neubrandenburg war das Arbeitsthema für ein studentisches Praktikum bei der Landesdenkmalpflege, das im Frühjahr 2026 in Abstimmung mit der Hochschule Neubrandenburg durchgeführt wurde. Dabei konnten neue Erkenntnisse über das Denkmal gewonnen werden.

Abb. 1. Neubrandenburg, Kulturpark, Partie am Tollensesee, 2026.Details anzeigen
Abb. 1. Neubrandenburg, Kulturpark, Partie am Tollensesee, 2026.

Abb. 1. Neubrandenburg, Kulturpark, Partie am Tollensesee, 2026.

Abb. 1. Neubrandenburg, Kulturpark, Partie am Tollensesee, 2026.

Die Planung der Anlage begann Ende der 1960er Jahre und folgte den städtebaulichen und kulturpolitischen Zielsetzungen der DDR. Den unmittelbaren Anlass für die großmaßstäbliche Umgestaltung eines bereits zuvor punktuell erschlossenen, »Werderbruch« genannten Landschaftsraumes bildete das starke Wachstum Neubrandenburgs in den 1960er Jahren. Mit dem Ausbau zur Bezirksstadt, dem Bau der Oststadt sowie weiteren vorgesehenen Wohn- und Industriegebieten veränderte sich ihre Größenordnung innerhalb kurzer Zeit. Die Planungen gingen von einer Entwicklung auf bis zu 100.000 Einwohner aus. Am Tollensesee sollte deshalb ein zentraler, großflächiger Erholungsbereich entstehen (Abb. 1). Die Entscheidung für einen Kulturpark fiel auf übergeordneter staatlicher Ebene der DDR; die Stadtverordnetenversammlung stimmte formal zu. 1969 setzte die Umgestaltung des Werderbruchs ein.

Zwischen 1969 und 1972 wurden rund 165.000 Kubikmeter Erdstoff eingebracht, überwiegend Aushub aus der Oststadt. Kleingärten und junge Bruchwaldbestände wurden teilweise geräumt; zugleich entstanden etwa 660 Meter Bitumenpromenade und rund zehn Hektar Rasenfläche. Zwei vom Stadtraum zum Tollensesee geführte Hauptpromenaden bildeten das tragende Rückgrat für den weiteren Ausbau.

Abb. 2. Neubrandenburg, Kulturpark, Blick auf die St. Marienkirche, 2026.Details anzeigen
Abb. 2. Neubrandenburg, Kulturpark, Blick auf die St. Marienkirche, 2026.

Abb. 2. Neubrandenburg, Kulturpark, Blick auf die St. Marienkirche, 2026.

Abb. 2. Neubrandenburg, Kulturpark, Blick auf die St. Marienkirche, 2026.

Das Wegenetz berücksichtigte bereits bestehende Blickbeziehungen, die durch neu angelegte Sichtachsen ergänzt wurden (Abb. 2). Zu den prägnantesten Fernbezügen zählen die Sicht zum Aussichtsturm Behmshöhe im Süden, zum Belvedere im Westen und zur Marienkirche in der Innenstadt. Innerhalb des Parks öffnen und schließen sich die Blicke entsprechend der Abfolge von Wiesen- und Gehölzräumen.

Kunst war von Anfang an Bestandteil der Planung: Bereits 1973 wurde eine Plastikausstellung/Freilichtausstellung von Plastiken? eingerichtet; der anschließend erweiterte Skulpturenbestand vereinte unterschiedliche künstlerische Handschriften und akzentuierte Eingänge, Gärten sowie Spiel- und Bewegungsbereiche.

Abb. 3. Neubrandenburg, Kulturpark, Blick auf den Westeingang, 2026.Details anzeigen
Abb. 3. Neubrandenburg, Kulturpark, Blick auf den Westeingang, 2026.

Abb. 3. Neubrandenburg, Kulturpark, Blick auf den Westeingang, 2026.

Abb. 3. Neubrandenburg, Kulturpark, Blick auf den Westeingang, 2026.

Die staatliche Vorgabe bestimmte beim Kulturpark Neubrandenburg sowohl die Programmatik als auch einzelne gestalterische Leitlinien, ohne die gesamte Anlage formal festzulegen. Verbindliche Vorgaben zielten vor allem auf die repräsentative Wirkung der Anlage, etwa durch breite Promenaden, typisierte Beleuchtung und wiederkehrende Ausstattungselemente (Abb. 3). Auch die Bauorganisation wich von einem regulären Vorhaben der Planwirtschaft ab. Firmen, Handwerksbetriebe, Brigaden, Schulklassen sowie Bürgerinnen und Bürger erbrachten im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes Arbeitsleistungen und stellten Material bereit.
Die in den zeitgenössischen Quellen als freiwillig bezeichneten Einsätze sind aus heutiger Sicht differenziert einzuordnen. Sie standen im Rahmen organisierter gesellschaftlicher Erwartungen und eines kollektiv geprägten Pflichtverständnisses; die individuelle Entscheidung war damit weniger frei, als es der Begriff zunächst nahelegt.

Abb. 4. Neubrandenburg, Kulturpark, Verkehrsgarten, 2026.Details anzeigen
Abb. 4. Neubrandenburg, Kulturpark, Verkehrsgarten, 2026.

Abb. 4. Neubrandenburg, Kulturpark, Verkehrsgarten, 2026.

Abb. 4. Neubrandenburg, Kulturpark, Verkehrsgarten, 2026.

Die konkrete Form des Parks lässt sich weder allein aus der staatlichen Programmatik noch allein aus der lokalen Beteiligung erklären. Erst die Anpassung des vorgegebenen Rahmens an Landschaft, verfügbare Ressourcen und realisierbare Dimensionen führte zu jener standortbezogenen Ausprägung, die Neubrandenburg von einer schematischen Übertragung des Kulturparkmodells unterscheidet.
Die anhaltende Bedeutung des Kulturparks liegt nicht ausschließlich in seiner Gestaltung. Ebenso entscheidend ist seine Lage im Stadtgefüge zwischen Innenstadt und angrenzenden Wohngebieten. Der Park wird dadurch nicht nur gezielt aufgesucht, sondern ist Bestandteil täglicher Wege. Seine Nutzung ergibt sich somit auch ohne besondere Inszenierung oder fortwährende programmatische Aktivierung. Auch die Verbindung von Sport, Spiel und Kunst ist bis heute präsent. Die Anlage dient weiterhin dem Schulsport; Spielplätze und Geräte sind nicht nur funktional, sondern Teil der Gestaltung (Abb. 4).

Der Kulturpark zeigt damit einen günstigen Fall, in dem Zeugniswert und alltägliche Funktion einander stützen – gerade, weil dies selbstverständlich wirkt, muss es bewusst erhalten werden.

Janus Sommer

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