Der Priesterkamp in der Gemarkung Wilhelmshof, Lkr. Vorpommern-Greifswald, im Spiegel der Münzfunde

Fund des Monats Juli 2021

Abb. 1. Wilhelmshof, Lkr. Vorpommern-Greifswald. Früher pommerscher Denar (1180–1187; Durchmesser 16,0 mm), a- und b-Seite.Details anzeigen
Abb. 1. Wilhelmshof, Lkr. Vorpommern-Greifswald. Früher pommerscher Denar (1180–1187; Durchmesser 16,0 mm), a- und b-Seite.

Abb. 1. Wilhelms­hof, Lkr. Vor­pom­mern-Greifs­wald. Früher pom­mer­scher Denar (1180–1187; Durch­messer 16,0 mm), a- und b-Seite.

Abb. 1. Wilhelms­hof, Lkr. Vor­pom­mern-Greifs­wald. Früher pom­mer­scher Denar (1180–1187; Durch­messer 16,0 mm), a- und b-Seite.

Unmittelbar südlich von Usedom gründete Pommernherzog Ratibor in den 1150er Jahren das Prämonstratenserstift Grobe, das im Verlaufe der Zeit zwei oder drei Standorte hatte. Der Standort des Stifts zur Gründungszeit konnte bisher nicht zweifelsfrei ermittelt werden. Es könnte sich um den Fundplatz 1 in der Gemarkung Wilhelmshof, den Priesterkamp, handeln, eine andere Lokalisierung – zum Beispiel auf dem südlicher gelegenen Gruppenberg – kann aber nicht ausgeschlossen werden. Diese Ungewissheit ist darin begründet, dass es fraglich ist, ob der vom Pommernherzog Bogislaw I. um 1184 angestrebte Umzug des Stifts von der Gründungsstätte in Grobe auf den bei Watkow gelegenen Marienberg jemals erfolgt ist oder nicht. Es stellt sich also die Frage, ob der Fundplatz 1 in der Gemarkung Wilhelmshof das ursprüngliche Grobe oder der Marienberg ist. Durch archäologische und historische Forschungen gelang es zumindest, den Standort des Stifts im 13. Jahrhundert zu lokalisieren. Es handelt sich hierbei eindeutig um den Fundplatz 1 der Gemarkung Wilhelmshof, eine an den Usedomer See grenzende Geländekuppe, die in der späten Neuzeit als Priesterkamp bezeichnet wurde. In der Zeit um 1307/09 wurde das Stift nach Pudagla, einem im Zentrum der Insel Usedom gelegenen Ort, verlegt. Der Stiftsstandort des 13. Jahrhunderts wurde aber nicht aufgegeben, denn es blieben hier im 14. und 15. Jahrhundert ein Wirtschaftshof und eine Kapelle in Nutzung.

Intensive Begehungen durch mehrere ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger führten zwischen 2010 und 2019 auf dem Priesterkamp zur Auffindung von über 286 hoch- und spätmittelalterlichen Münzen. Die Münzen stammen aus der Ackerschicht und nicht aus archäologischen Befunden. Dennoch gibt diese Münzkollektion einen guten Überblick über die Nutzungszeit dieser Örtlichkeit und die Herkunft der Münzen.

Wenige Münzen können schon in das 11. Jahrhundert datiert werden. Dazu zählt ein Magdeburger Denar aus der Amtszeit des Erzbischofs Hunfried (1023–1051). Zahlreich sind vom Priesterkamp niederelbische Agrippiner bekannt geworden, die in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts und die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts datieren. Diese Münzen zeugen von einer jungslawischen Siedlung vor Errichtung des Stifts.

Mehrfach fanden sich frühe pommersche Denare, die von um 1170 bis um 1200 datieren und zumindest zum Teil in der frühesten Stiftszeit in den Boden gelangten. So konnte auch ein kleiner "Münzschatz", bestehend aus vier verbackenen, pommerschen Denaren, geborgen werden. Ob diese Münzen bewusst vergraben wurden und damit als Münzschatz anzusehen sind oder ob sie zum Beispiel zufällig verloren wurden, ist fraglich. Alle vier Münzen gehören dem Typ Kreuz-Gebäude-Denar an. Die Umschrift auf einem in Stettin geprägten Denar lautet: "[- - -]OGZCLOFE[.] // + CEITI[- - -]NN EST" (Abb. 1). Er gehört in die Zeit von Bogislaw I. als Alleinherscher (1180–1187). Die jüngste Münze in diesem Bunde stammt aus der Münzstätte Demmin und trägt die Umschriften "+ HARTEM[..] E[.]T // + DIIMMIN[- - -]". Als "Münzmeister" oder Unternehmer, der die Münzprägung finanzierte, gibt sich ein Hartmann zu erkennen. Dieser Münztyp wird nach dem Ableben von Bogislaw I. datiert, also zwischen 1187 und um 1200. Demnach ist der kleine Münzstapel um 1190 oder kurz danach in den Boden gelangt.

Aus einer weit entfernten Region stammt eine Münze mit der Umschrift "+ [..]DEFONS´ : [R]EX" auf der Kreuzseite (Abb. 2). Es handelt sich um einen Dinero Alfons IX., König von León und Galizien (Regierungszeit 1188–1230), und führt in das heutige nördliche Spanien. Auf den ersten Blick könnte man denken, es handelt sich um eine Eintagsfliege, deren weit entlegene Herkunft nicht zu deuten ist. Auf den zweiten Blick kann eine einfache Erklärung angeboten werden. Der Denar könnte im Zusammenhang mit einer Pilgerreise stehen, da sich im Königreich León und Galizien der berühmte Pilgerort Santiago de Compostela befand.

Die Numismatik versteht unter dem Begriff Brakteaten zumeist größere Hohlgepräge aus dem hohen Mittelalter. In Mecklenburg-Vorpommern ist die Blütezeit dieser Gruppe die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Auf einem Brakteaten sind ein Kuppelturm und die Buchstaben "MA / VR" zu erkennen (Abb. 3). Dieses Kürzel verweist auf Mauritius, also dem Heiligen Moritz, der besonders als Patron des Erzbistums Magdeburg verehrt wurde. Es handelt sich um Gepräge von Ludolf von Kroppenstedt, Erzbischof von Magdeburg (Amtszeit 1192–1205). Auf einem anderen, wohl in Pommern geprägten Brakteaten ist ein breites zinnenbekröntes Tor mit einem Kopf im Torbogen dargestellt (Abb. 4). Gleichartige Münzen sind Bestandteil des großen Münzschatzes von Karrin nördlich von Wolgast, der wohl um 1250 vergraben wurde.

Die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts ist durch mehrere Denare aus Pommern und Brandenburg belegt. Zahlreich kommen auch Hohlpfennige vor, deren genaue Prägezeiten meist nicht bekannt sind. Die vielen Münzen aus dem 13. Jahrhundert stammen aus der Blütezeit des Prämonstratenserstifts.

Wie sieht es aber mit dem Münzspektrum nach der Verlegung des Grober Stifts um 1307/09 nach Pudagla aus? Gibt es auf dem Priesterkamp vielleicht nur wenige und minderwertige Münzen des 14. und 15. Jahrhunderts, was für eine untergeordnete Bedeutung dieses Platzes sprechen würde? Die über 286 Neufunde zeichnen ein eindeutiges Bild. Spätmittelalterliche Münzen sind zahlreich vertreten und unterstreichen die Bedeutung des Priesterkamps auch im späten Mittelalter. Die historisch überlieferte Kapelle wird dabei eine wichtige Rolle gespielt haben.

Zuerst sei auf etliche pommersche Vinkenogen aus Stettin, Usedom, Kolberg (Kołobrzeg), Stargard und Treptow an der Rega (Trzebiatów) hingewiesen. Dabei handelt es sich um kleine Pfennige, die auf einer Seite oder beiden Seiten Prägungen zeigen. Derartige Pfennige wurden ab 1370/75 geprägt, wie der im Jahre 1877 entdeckte Fund von Teschenbusch (Cieszyno) zeigt. Zu den vielen spätmittelalterlichen Mehrfachpfennigen zählt eine große numismatische Rarität. Es handelt sich um einen Witten von Wilhelm II., Graf von Berg (Regierungszeit 1360–1380), mit den Umschriften "WILhELMVS COMIS // MONETA MOLL[- - -]" (Abb. 5). Die Münzstätte ist Mülheim an der Ruhr. Es handelt sich um eine Nachprägung von Lübecker Witten aus der Zeit um 1375/80. Auf einem Schilling des Deutschen Ordens in Preußen finden sich die Umschriften "MAGST WVNRICS PRIMS // MONETA DNORVM PRVCI" (Abb. 6). Diese Silbermünze ist Winrich von Kniprode (Amtszeit 1351–1382) zuzuordnen. Zahlreich sind Vierchen aus Pommern vertreten, die zwischen um 1440 und um 1489 geprägt wurden. Sie eint die gleiche Darstellungsweise. Auf der einen Seite ist die jeweilige Stadt vermerkt und auf der anderen ist der pommersche Greif abgebildet. Es gibt Belege für Stettin (Szczecin), Gartz an der Oder, Pyritz (Pyrzyce) und das in Hinterpommern gelegene Stargard. Eine kleine Gruppe von Hohlgeprägen eint das geringe Gewicht, das in der Regel zwischen 0,1 g und 0,2 g liegt. Es dürfte sich um Hohlpfennige, vielleicht teilweise auch um Hälblinge (Scherfe), aus dem 15. Jahrhundert handeln. Hauptsächlich kommen diese aus Pommern und Mecklenburg. Um eine Prägung des Livländischen Ordens dürfte es sich bei dem Exemplar mit dem Malteserkreuz handeln (Abb. 7).

Das Beispiel Priesterkamp zeigt nicht nur, wie wichtig Münzen für die zeitliche Einordnung eines archäologischen Fundplatzes sein können. In diesem Fall liefern sie sogar die Erkenntnis, dass der Ort bis weit ins 15. Jahrhundert hinein eine wichtige Rolle spielte – weit über die Verlegung des Stifts nach Pudagla hinaus.

Dr. Heiko Schäfer

Literatur:

F. Biermann/O. Blum/C. Hergheligiu, Neue Forschungen zum Prämonstratenserstift Grobe auf der Insel Usedom - Ausgrabungen am Wilhelmshofer Priesterkamp im Jahre 2010. – Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern 63, Jahrbuch 2015, 53-144. Schwerin 2017.

J. Krüger, Die Fundmünzen vom Wilhelmshofer Priesterkamp auf der Insel Usedom. – Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern 63, Jahrbuch 2015, 145-153. Schwerin 2017.

H. Schäfer, Bekannte und unbekannte pommersche Denare der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts aus Vorpommern. – Archäologische Berichte aus Mecklenburg-Vorpommern 23, 2016, 93-100.

G. Sobietzky, Zur Problematik der Falschmünzen zwischen Elbe und Oder im 11. und 12. Jahrhundert am Beispiel von Wilhelmshof, Lkr. Vorpommern-Greifswald. – Archäologische Berichte aus Mecklenburg-Vorpommern 20, 2013, 72-81.

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