Vom Suchen und Finden

Fund des Monats April 2017

Grabow oder Zierzow, Lkr. Ludwigslust-Parchim. Kreuzförmige Fibel in der Gesamtansicht, L. 8,5 cm. Die Beschriftung lautet "A. Grabow. L. II A² 25".Details anzeigen
Grabow oder Zierzow, Lkr. Ludwigslust-Parchim. Kreuzförmige Fibel in der Gesamtansicht, L. 8,5 cm. Die Beschriftung lautet "A. Grabow. L. II A² 25".

Abb. 1: Grabow oder Zierzow, Lkr. Ludwigslust-Parchim. Kreuzförmige Fibel in der Gesamtansicht, L. 8,5 cm. Die Beschriftung lautet "A. Grabow. L. II A² 25".

Abb. 1: Grabow oder Zierzow, Lkr. Ludwigslust-Parchim. Kreuzförmige Fibel in der Gesamtansicht, L. 8,5 cm. Die Beschriftung lautet "A. Grabow. L. II A² 25".

"Gibt es eigentlich die Fibel aus …. noch?" Scheinbar einfache Fragen wie diese sind oft der Auslöser für aufwändige Suchaktionen, denn nach langen Jahren der provisorischen Lagerung ist nicht immer auf Anhieb klar, wo sich ein bestimmter Gegenstand im Archäologischen Archiv des Landes Mecklenburg-Vorpommern befindet. Ob die Suche erfolgreich ist, hängt von vielen Faktoren ab, nicht zuletzt von der Erfahrung und Intuition der "Magaziner".

Dass das keine Dauerlösung ist, liegt auf der Hand. Deshalb findet zur Zeit eine umfassende Bestandsaufnahme statt, bei der sich zwei Teams schrittweise durch das gesamte Archäologische Archiv arbeiten. Jeder Gegenstand wird gesichtet, identifiziert, typologisch bestimmt, fotografiert und mit einem Datensatz versehen. Bis zur Fertigstellung des geplanten neuen Depotgebäudes in der Schweriner Johannes-Stelling-Straße müssen alle Funde soweit erfasst sein, dass sie in einer Datenbank verwaltet werden können. Das wird nicht nur die Benutzung der Bestände wesentlich erleichtern, sondern ist auch zwingende Voraussetzung für eine platzsparende Lagerung.

Bis die "intuitive" Suche nach einzelnen Gegenständen Geschichte ist, liegen allerdings noch mehrere hunderttausend Objekte vor den Erfassungsteams. Bis dahin hilft in vielen Fällen nur die klassische Suchaktion. Dass diese keineswegs aussichtslos ist, zeigt das Beispiel einer spätkaiserzeitlichen kreuzförmigen Fibel mit der Fundortbezeichnung "Grabow". Eine Mitarbeiterin des Stadt- und Industriemuseums Rüsselsheim war bei Recherchen auf diese Fibel gestoßen, weil die Verzierung ihrer Endknöpfe erstaunliche Ähnlichkeiten mit einer Verzierung auf einem der zentralen Ausstellungsstücke der geplanten Ausstellung in Rüsselsheim aufweist. In der archäologischen Fachliteratur existieren mehrere ältere schwarz-weiß-Abbildungen der Fibel, aber ob das Original noch vorhanden ist…?

Immerhin gelangte die Fibel schon 1826, in der Regierungszeit Friedrich Franz I., in die (Groß-)Herzogliche Sammlung, die seitdem eine bewegte Geschichte hinter sich hat: Umzug nach Ludwigslust, Rückkehr nach Schwerin, mehrfacher Umzug in Schwerin, Vereinigung mit der Sammlung des Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde, nochmaliger Umzug, Zweiter Weltkrieg, hastige Evakuierung aus dem Schweriner Schloss, mehrfacher Umzug in Schwerin, Auslagerung nach Wiligrad und schließlich seit 2011 die Zusammenführung und Aufarbeitung der Depotbestände in einem Interimsdepot in Schwerin.

Die Nachricht aus dem Archäologischen Archiv kam schon am nächsten Tag: Die gesuchte Fibel ist vorhanden, und sie hat alle Umzüge und Wirrnisse erstaunlich gut überstanden. Anhand ihrer Inventarnummer L. II A² 25 ist sie im Katalog der Großherzoglichen Sammlung eindeutig zu identifizieren; als Fundort wird das "Amt Grabow" genannt. Bei Beltz (Die vorgeschichtlichen Altertümer des Grossherzogtums Mecklenburg-Schwerin, Berlin 1910) ist sie auf S. 349 beschrieben und auf Tafel 64.22 abgebildet. Laut Beltz (ebd.) ist sie ein Einzelfund. Weitere Recherchen ergaben, dass die Fibel in der alten Ortskartei (geführt bis Anfang der 1990er Jahre) unter "Grabow, Stadt; Lkr. Ludwigslust" erfasst war. Möglicherweise ließ sich der Fundort also doch genauer eingrenzen, was dafür spricht, dass sie tatsächlich nicht als Einzelfund, sondern auf einem Gräberfeld geborgen wurde.

In der Gemarkung Grabow kennen wir allerdings keinen "passenden" Urnenfriedhof, aus dem die Fibel stammen könnte. Aber gleich nebenan, in der Nachbargemarkung Zierzow, gibt es ein spätkaiser- und völkerwanderungszeitliches Gräberfeld, das auch schon vor 1910 bekannt war. Sollte die Fibel tatsächlich von dort stammen? Wir wissen es noch nicht, und vielleicht lässt es sich auch gar nicht mehr herausfinden. So oder so wird die Fibel ihren Platz im Archäologischen Archiv behalten, denn zum einen hat sie auch ohne ganz eindeutigen Fundort einen hohen wissenschaftlichen Wert, indem sie über ihre stilistischen Merkmale die Datierung der Ornamente auf den Endknöpfen (und damit auch aller gleichartig verzierten Gegenstände) erlaubt, zum anderen ist sie ein hervorragendes Ausstellungsstück, das die bemerkenswerten handwerklichen und künstlerischen Fähigkeiten seiner Hersteller für jeden Betrachter unmittelbar erlebbar macht.

Dr. Detlef Jantzen

Literatur:

Robert Beltz, Die vorgeschichtlichen Altertümer des Grossherzogtums Mecklenburg-Schwerin. Vollständiges Verzeichnis der im Grossherzoglichen Museum zu Schwerin bewahrten Funde. Berlin 1910.

Andreas Rau, Zwischen Südjütland und Nordgallien – Ausrüstungen elitärer Krieger der frühen Völkerwanderungszeit aus dem Nydam mose. In: Aktuelle Forschungen zu Kriegsbeuteopfern und Fürstengräbern im Barbaricum. Neumünster 2008, 151-174.

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