Bogislaw I. von Pommern, Bogislaw II. von Pommern oder Bogislaw (III.) von Schlawe – wer war´s? Frühe pommersche Denare aus der Gemarkung Duckow, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte

Fund des Monats September 2025

Im 12. Jahrhundert herrschten im Bereich der Odermündung und in angrenzenden Regionen pommersche Fürsten. Davon zeugen auch eine Reihe von pommerschen Denaren, deren Prägezeitraum um 1170 begann und um 1190/1200 endete. Die erste umfassende Beschreibung dieser zweiseitig geprägten Münzen erfolgte durch Hermann Dannenberg im Jahre 1893; im Folgenden wird dieses Werk mit „Dbg.“ abgekürzt. Die Datierung und Einordnung der einzelnen Typen wird bis heute kontrovers diskutiert. In der Gemarkung Duckow, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, kamen mehrere Denare der Typen Dbg. 19–21 zutage, die für die weitere Erforschung dieses Themas von Interesse sind.

Abb. 1: Duckow, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Fpl. 13. Denar aus Pommern, Vorder- und Rückseite (Dbg. 19; um 1181; Durchmesser 17,3 mm).Details anzeigen
Abb. 1: Duckow, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Fpl. 13. Denar aus Pommern, Vorder- und Rückseite (Dbg. 19; um 1181; Durchmesser 17,3 mm).

Abb. 1: Duckow, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Fpl. 13. Denar aus Pommern, Vorder- und Rückseite (Dbg. 19; um 1181; Durchmesser 17,3 mm).

Abb. 1: Duckow, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Fpl. 13. Denar aus Pommern, Vorder- und Rückseite (Dbg. 19; um 1181; Durchmesser 17,3 mm).

Über viele Jahre konnte der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Hans Behn auf einem Acker in der Gemarkung Duckow Funde bergen, die von einer spätslawischen Siedlung zeugen. Seit dem Jahre 2010 wurde über diese Aktivitäten in den „Kurzen Fundberichten“ des Jahrbuchs Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern mehrfach berichtet (Schanz 2010). Bisher fanden sich drei Denare des Typs Dbg. 19, ein Exemplar des Typs Dbg. 20 sowie neun Vertreter des Typs Dbg. 21. Diese Typen vereint, dass auf der Vorderseite das Brustbild eines bärtigen Mannes, welcher beide Hände zum Gebet erhoben hat, und auf der Rückseite über und unter einem Bogen Türme dargestellt sind. Die verschiedenartigen Umschriften erlauben eine Unterteilung dieser Münzgruppe in Typen und Varianten. Der Kopf des Mannes, dessen Haar gelockt oder gescheitelt sein kann, ist immer frontal zum Betrachter ausgerichtet, auch die Handinnenflächen. Ein sehr wichtiges Merkmal findet sich bei allen derartigen Denaren: Auf jeder Handfläche ist eine kleine Eintiefung, also ein Stigma, zu sehen.

Zwei in Duckow gefundene Vertreter des Typs Dbg. 19 tragen die Umschriften „+ BOVCE[.]LOFF • EST • // + SELAFI[.] [K]ASTRV“ (Abb. 1) und „+ BOVECCLO[..] EETS՚ • // [- - -]AFI • [K]ASTR[.]“ (Abb. 2). Der Typ Dbg. 20 stellt nur eine Variante des eben genannten Typs dar, da nur das letzte Wort auf der Rückseite etwas anders geschrieben ist. Auf einem Exemplar des Typs Dbg. 20 von Duckow ist „+ BOV[- - -]T // + [- - -] [K]ASTERVM“ zu lesen (Abb. 3). Das Brustbild mit den Stigmata auf den Vorderseiten wird als eine Darstellung von Christus (Lisch 1859, 284), einem Heiligen (Dannenberg 1893, 34) oder einem Herrscher mit dem Namen Bogislaw (Suhle 1937, 125) gedeutet.

Hermann Dannenberg (1893, 33) interpretiert die Wörter „SELAFI [K]ASTRVM“ auf den Rückseiten als „castrum Schlawe“, also als Burg Schlawe. Die Herrschaft Schlawe lag ganz im Osten von Pommern. In einer Urkunde aus dem Jahre 1223 (PUB I., 218) wird die Schwiegermutter von Graf Heinrich I. von Schwerin (* um 1155; † 1228) erwähnt. Sie war eine „domine de Zlawin“, also eine Herrin von Schlawe. Unter Annahme einer falschen Schreibweise, wie es auf den frühen pommerschen Denaren üblich ist, kann es möglich sein, das „SELAFI“ und „Zlawin“ das Gleiche meinten. Hier kommt jetzt Bogislaw (III.) von Schlawe ins Spiel, der in den erhaltenen historischen Quellen nur einmal und zwar im Jahre 1200 erwähnt wird (PUB I., 138). Fraglich ist aber, ob die Herren von Schlawe wirklich mit Ratibor I. von Pommern († 1155/56) verwandt waren (Hofmeister 1938, 48). Falls es hier keine direkten verwandtschaftlichen Beziehungen gab, ist es nicht denkbar, dass die pommerschen Denare der Typen Dbg. 19–21 in Schlawe geprägt wurden. Gegen eine Herkunft aus Schlawe spricht auch die Verbreitung der bisher bekannt gewordenen Bodenfunde, da sich Münzen der Typen Dbg. 19–21 im westlichen Pommern mehrfach fanden. Dagegen kommen sie östlich der Oder nur sporadisch vor.

Axel Pollex (2000, 257) ist der Meinung, dass die Worte „SELAFI [K]ASTRVM“ als eine Verballhornung des Stempelschneiders anzusehen sind und wohl eher „SCLAVI CASTERUM“ gelesen werden sollten. Dies könnte dann übersetzt „slawische Burg“ oder „die Burg Slawiens“ heißen. Er datiert die Typen Dbg. 19–21 zwischen um 1190 und um 1200 und sieht Bogislaw II. als Münzherrn an. Bogislaw II. von Pommern ist um 1180 geboren worden. Vermutlich wurde er erst um 1208 mündig und konnte selbstständig auftreten (Wehrmann 1937a, 43). Hätte er ab diesem Zeitpunkt Münzen prägen lassen, dann müsste es sich schon um Brakteaten, also um große Hohlgepräge, und nicht mehr um Denare gehandelt haben. Wenn es Münzen von Bogislaw II. aus der Zeit vor um 1200 geben sollte, dann sind diese unter Vormundschaft geprägt worden. Auf den in Rede stehenden Denaren ist immer ein älterer Mann mit Bart abgebildet. Nimmt man der Umschrift folgend an, dass es sich um einen Bogislaw, also den Herrscher persönlich handelt, kann es kein Abbild von Bogislaw II. sein, da dieser um 1200 gerade mal um die 20 Jahre, also noch ein Jüngling war.

Auf den Vorderseiten des Typs Dbg. 21 präsentiert sich der Herrscher mit gescheiteltem Haar. Seitlich des Kopfes ist in der Regel immer je eine Kugel angeordnet. Die Umschrift „SELAFI [K]ASTRV“ fehlt bei diesem Typ. Stattdessen wird auf beiden Seiten von einem „RVCZLAVS“, „RVSZLVS“ bzw. „BVCZLAVS“ berichtet, womit ein Bogislaw gemeint ist. Von diesem Typ seien aus Duckow drei mit den Umschriften „+ [- - -] ○ NS RVCZLAVS // + [- - -] ○ [- - -]S RVCZLAVS“ (Abb. 4), „+ [- - -]S RVCZLVS // + [- - -] RV[- - -]AVS“ (Abb. 5) und „+ NEI • PI ○ N[S] RVC[- - -]S // + I ○ IEI • PI ○ NS [- - -]C[.]LAVS“ (Abb. 6) vorgestellt. Eine Deutung der dem Namen vorangestellten Buchstabengruppen gelang bisher nicht. Es dürfte sich aber nicht um Trugschriften handeln.

Den jüngsten Forschungen folgend sollen die Typen Dbg. 19–21 in der Zeit der Alleinherrschaft von Bogislaw I. von Pommern (1180–1187) geprägt worden sein, wobei die Frühphase favorisiert wird (Sobietzky 2013, 18; Paszkiewicz 2017, 59). Wohl eines der größten Ereignisse im Leben von Bogislaw I. war, dass er sich im Jahre 1181 vor Lübeck mit dem deutschen Kaiser Friedrich I. (Reg. 1155–1190) traf. Hier wird er als Herzog von Slawien (Slavia) anerkannt (Wehrmann 1919, 85; Lucht 1968, 27). Das Wort „SELAFI“ kann gerne als eine Verballhornung dieses Titels verstanden werden. Eventuell gibt es hier sogar eine direkte Beziehung und die Typen Dbg. 19–21 wurden zur Erinnerung bzw. zum Gedenken an das Ereignis von 1181 geprägt. Axel Pollex (2000, 257) glaubt, dass mit „SELAFI [K]ASTRVM“ die Burg in Stettin gemeint ist. Dagegen spricht aber, dass den historisch überlieferten Quellen zufolge für Bogislaw I. - und auch für Bogislaw II. - mehrere Aufenthalte in Usedom bzw. dem nahe gelegenen Stift Grobe belegt sind, jedoch keiner in Stettin (Bollnow 1936, 91, 92). Weiterhin ist zu beachten, dass sowohl Bogislaw I. als auch sein Sohn Wartislaw († 1184) in Grobe bzw. auf dem Marienberg bestattet worden sind (Wehrmann 1937b, 116). Dieser Logik folgend könnte mit dem „SELAFI [K]ASTRVM“ auch die Burg Usedom gemeint sein. Diese Verortung heißt nicht zwangsläufig, dass diese Denare auch dort geprägt worden sind. Bogislaw I. ist um 1130 geboren (Wehrmann 1937a, 36). Das bärtige Gesicht auf den Münzen der Typen Dbg. 19–21 würde gut zu Bogislaw I. passen, der von 1180 bis 1187 Alleinherrscher von Pommern war. Gegen eine Prägung vor 1180 spricht, dass sein Bruder Kasimir I. († 1180) als Mitregent auf diesen Denaren nicht erwähnt wird. Erstaunlich ist, dass auf den Innenflächen der wohl zum Gebet erhobenen Hände des bärtigen Mannes Stigmata zu sehen sind. Dies führte dazu, in diesem Abbild Christus persönlich zu sehen. Es könnte aber auch sein, dass Bogislaw I. zeigen wollte, dass er mit Christus bzw. dem Christentum tief verbunden ist. An dieser Stelle soll der These gefolgt werden, dass auf den in Rede stehenden Denaren Bogislaw I. persönlich dargestellt ist. Diese Annahme wird auch dadurch unterstützt, dass die Umschriften auf den Kopfseiten immer Bezug auf einen Bogislaw und nicht auf einen Heiligen oder Christus Bezug nehmen.

Dr. Heiko Schäfer

Literatur

Bollnow 1936:
Hermann Bollnow, Burg und Stadt in Pommern bis zum Beginn der Kolonisationszeit. – Baltische Studien, Neue Folge 38, 1936, 48–96.

Dannenberg 1893:
Hermann Dannenberg, Münzgeschichte Pommerns im Mittelalter. Berlin 1893.

Hofmeister 1938:
Adolf Hofmeister, Genealogische Untersuchungen zur Geschichte des pommerschen Herzogshauses. – Greifswalder Abhandlungen zur Geschichte des Mittelalters 11. Greifswald 1938.

Lisch 1859:
Georg Christian Friedrich Lisch, Wendengräber von Cörlin in Pommern. – Jahrbücher des Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde 24, 1859, 282–285.

Lucht 1968:
Dietmar Lucht, War Bogislaw I. Reichsfürst? – Baltische Studien, Neue Folge 54, 1968, 26–30.

Paszkiewicz 2017:
Borys Paszkiewicz, Denary zachodniopomorskie z drugiej połowy XII wieku na nowo zbadane. – Pieniądz i banki na Pomorzu – Studia nad Dziejami Pieniądza i Bankowości w Polsce 3, 41–96. Poznań 2017.

Pollex 2000:
Axel Pollex, Die frühen pommerschen Denare aus dem slawischen Gräberfeld Penkun 28, Lkr. Uecker-Randow. – Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern 47, Jahrbuch 1999, 247–277. Lübstorf 2000.

PUB I.:
Pommersches Urkundenbuch, Band I, 786–1253. Hrsg. R. Klempin. Stettin 1868.

Schanz 2010:
Elke Schanz, Kurze Fundberichte 2009. Duckow, Lkr. Demmin, Fpl. 13. – Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern 57, Jahrbuch 2009, 463, 488. Schwerin 2010.

Sobietzky 2013:
Gerd Sobietzky, Die frühen Denare Pommerns. – Baltische Studien, Neue Folge 99, 2013, 13–34.

Suhle 1937:
Arthur Suhle, Beiträge zur Geschichte des Münzwesens in Pommern im Mittelalter (bis ca. 1330). Mit besonderer Berücksichtigung des herzoglichen Münzwesens. – Baltische Studien, Neue Folge 39, 1937, 119–146.

Wehrmann 1919:
Martin Wehrmann, Geschichte von Pommern. Erster Band. Bis zur Reformation (1523). – Deutsche Landesgeschichten. Fünftes Werk. Gotha 1919.

Wehrmann 1937a:
Martin Wehrmann, Genealogie des pommerschen Herzogshauses. – Veröffentlichungen der Landesgeschichtlichen Forschungsstelle für Pommern 1, Heft 5. Stettin 1937.

Wehrmann 1937b:
Martin Wehrmann, Die Begräbnisstätten der Angehörigen des pommerschen Herzogshauses. – Baltische Studien, Neue Folge 39, 1937, 100–118.

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