Planken und Gräben – frühe fortifikatorische Sicherungen und Abgrenzungen von Rechtsräumen in Altstädten

Fund des Monats Juni 2026

Befestigungsanlagen dienten über Jahrhunderte zur Sicherung von Gemeinwesen sowie Eliten und/oder als Abgrenzung von Rechtsräumen. Von mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadtmauern, Stadttoren oder feldseitig vorgelagerten Festungsanlagen ist, wenn sie nicht erhalten und erkennbar sind, oft noch deren Lage überliefert. Wallanlagen oder Festungsgürtel wurden nach Verlust ihrer fortifikatorischen Bedeutung häufig zu Grünanlagen umgestaltet. Plankenwände sind dagegen vollständig überprägt sowie aus dem Stadtbild und dem historischen Bewusstsein verschwunden.

Abb. 8b: Details der Darstellung von Planken und im Wasser stehender Palisaden auf der „Lübz-Fahrenhorster Bildkarte“ aus dem 16. Jahrhundert. Der Adelshof der Familie Weltzin.Details anzeigen
Abb. 8b: Details der Darstellung von Planken und im Wasser stehender Palisaden auf der „Lübz-Fahrenhorster Bildkarte“ aus dem 16. Jahrhundert. Der Adelshof der Familie Weltzin.

Abb. 8b: Details der Darstellung von Planken und im Wasser stehender Palisaden auf der „Lübz-Fahrenhorster Bildkarte“ aus dem 16. Jahrhundert. Der Adelshof der Familie Weltzin.

Abb. 8b: Details der Darstellung von Planken und im Wasser stehender Palisaden auf der „Lübz-Fahrenhorster Bildkarte“ aus dem 16. Jahrhundert. Der Adelshof der Familie Weltzin.

In wenigen Fällen existieren quellenkundliche Überlieferungen, welche auf die Existenz von Plankenwänden verweisen. In Schwerin werden diese im Jahr 1267 im Zusammenhang mit der Beschreibung der Lage des bischöflichen Gartens zwischen den Planken, „de planctis situitas“, und dem Domkirchhof genannt (MUB II, Nr. 1131; RUCHHÖFT 2017, S. 270). Eine Urkunde aus dem Jahr 1270, in der Fürst Heinrich I. von Mecklenburg (Reg. 1264–1275 und 1299–1302) dem Deutsch-Ordenshaus in Riga das Patronat über die Wismarer Georgenkirche verleiht, legt auch die Grenze des Georgenkirchspiels fest. Diese sollte entlang der einstigen hölzernen Stadtbefestigung der Altstadt verlaufen, „loco, in quo antique civitatis plance steterant aliquando“ (MUB II 1181; RADOHS 2017). Rostocker Stadtbücher erwähnen in den Jahren 1280, 1281 und 1286 Verkäufe von Grundstücken „extra (außerhalb) plancas“ (LORENZ 1935, S. 31).

Im Rahmen archäologischer Untersuchungen gelingt es nur selten, Plankenwände eindeutig nachzuweisen. Umso bedeutender sind Befunde aus der Hansestadt Rostock und Schwaan (Landkreis Rostock), die im Verlauf von Bergungs- und Dokumentationsmaßnahmen des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, Landesarchäologie, zu Tage kamen (Grabungsleitung auf beiden Fundplätzen Janin Zorn und Peter Kaute). Dabei wurden jeweils grabenparallele Pfostenreihen dokumentiert, die als letzte Zeugnisse von Plankenwänden interpretiert werden.

In der Hansestadt Rostock wurde die frühe Siedlungsentwicklung des Quartiers am Glatten Aal neben Befunden, die der Rostocker Mittelstadt aus der Zeit vor der rechtlichen Vereinigung der Rostocker Siedlungskerne im Jahre 1265 zuzuweisen sind, durch eine Grabenstruktur geprägt (Abb. 1, 2). Hier hatte man eine ursprünglich natürliche Erosionsrinne zur Sicherung der 1232 erstmals urkundlich überlieferten Mittelstadt um die Marienkirche ausgebaut. Eine grabenparallele Pfostenreihe (Abb. 1), die trotz erheblicher Überformung durch eine Quartiererschließung ab den späten 1260er Jahren in einem Abschnitt erhalten war, existierte nach den Fälldaten der verbauten Hölzer (1253 WK [Waldkante], 1255 WK) gleichzeitig mit dem Graben. Diese Befundsituation belegt einen intensiven Ausbau der Grenze der Rostocker Mittelstadt in den 1250er Jahren, nachdem die natürliche Geländebeschaffenheit bereits ab den 1230er Jahren als fortifikatorische Sicherung der Mittelstadt gedient haben dürfte. Zu erwähnen ist, dass in diesem Zusammenhang kein Wall errichtet und die Pfostenreihe von der damaligen Geländeoberkante angelegt wurde.

In Schwaan stehen ein Graben und eine grabenparallele Pfostenreihe mit den Anfängen einer Fürsten- und Vogteiburg (in späteren Jahrhunderten als Schloss bezeichnet) im 13. Jahrhundert in Verbindung. Der Graben verlief von Nordwest nach Südost über die untersuchte Fläche (Abb. 3, 4). Eine Reihe von fünf Pfostengruben lag in geringem Abstand nördlich des Grabens (Abb. 4, 5) und annähernd parallel zu diesem. Die Pfosten waren fast ausschließlich nur noch als humose Abdrücke mit wenigen Holzresten erhalten. Lediglich ein Exemplar (Befund 9; Abb. 4–6) wies genügend Holzerhaltung für eine dendrochronologische Untersuchung auf. In deren Ergebnis wurde für das Eichenholz ein Fälldatum von 1230 um/nach ermittelt (die dendrochronologische Untersuchung erfolgte durch Dr. Karl-Uwe Heußner vom Deutschen Archäologischen Institut, Berlin). Eine ursprüngliche Fortsetzung der Pfostenreihe nach Osten ist zu vermuten. Der Graben und die Pfostenreihe gehören zu den frühesten Befundstrukturen auf der untersuchten Fläche. Der Zeitpunkt der Verfüllung des Grabens lässt sich auf Grund fehlenden Fundmaterials nur stratigrafisch durch eine jüngere Grube (Befund 10; Abb. 3, 4) als Terminus ante quem bestimmen. Wenige Keramikfunde datieren die Grube allgemein in die Zeit um die Mitte/zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts. Sowohl die Grabenverfüllung als auch Befund 10 wurden großflächig von einer humosen Schicht überlagert. Das hieraus geborgene Fundmaterial datiert in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts bis in die Jahrzehnte um 1300.

Im Vergleich mit einer Karte aus dem Jahr 1727 (Abb. 7a) wird deutlich, dass die beschriebene Befundlage im unmittelbaren Umfeld der Burg bzw. des Schlosses Schwaan und eines angrenzenden Wirtschaftsbereiches zu verorten ist (Abb. 7b). Dabei stellt die Karte eine Situation dar, die sich vom Beginn der Burg im 13. Jahrhundert bis zum Abriss des Schlosses im Jahr 1718 über Jahrhunderte weitgehend erhalten hatte.

Als Resümee erscheint es möglich, dass die Pfostenreihe den Verlauf einer Plankenwand kennzeichnet, die ab dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts mit einem vorgelagerten Graben eine fortifikatorische Sicherung und/oder Rechtsraumabgrenzung einer Burganlage und der dazugehörigen Burgfreiheit bildete. Daneben spricht die Befundlage für eine zeitnahe Erweiterung der Burg nach Süden noch in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, spätestens jedoch um 1300.

Zur Verdeutlichung einer Grenzsituation, welche sich im archäologischen Befund als Pfostenreihe bzw. als Graben mit einer parallelen Pfostenreihe darstellt, sei an dieser Stelle auf eine interessante, sehr detailreiche Karte aus dem 16. Jahrhundert verwiesen. Diese entstand im Jahr 1537 und zeigt unter anderem die Einfriedung des Dorfes Kuppentin (heute Landkreis Ludwigslust-Parchim) mit einer Plankenwand (Abb. 8a). Zudem ist der Adelshof der Familie Weltzin in Weisin bei Lübz (Landkreis Ludwiglust-Parchim) dargestellt. Dieser verfügt über eine fortifikatorische Sicherung mit einer palisadenartigen Struktur im Wasserbereich sowie einer Plankenwand am Ufer des Wasserlaufs (Abb. 8b).

Dipl.-Geogr. Peter Kaute

Literatur

LORENZ 1935
Adolf Friedrich Lorenz: Zur Geschichte der Rostocker Stadtbefestigung. (Ein Rekonstruktionsversuch.) In: Beiträge zur Geschichte der Stadt Rostock, 20, Jahrgang 1934/35. S. 27–78.

RADOHS 2017
Luisa Radohs: Auf dem Weg zur Hansestadt. Die Stadtentstehung Wismars im 13. Jahrhundert im Spiegel archäologischer Quellen. In: Wismarer Beiträge. Schriftenreihe des Archivs der Hansestadt Wismar, 23. Wismar 2017. S. 4–23.

RUCHHÖFT 2017
Fred Ruchhöft: Zvarin – Schwerin. Von der Inselburg zur Residenz. Schwerin 2017.

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