Die Armbrust auf dem Siegel des Heinrich Kint aus Röbel

Fund des Monats Oktober 2026

Die Armbrust ist eine durch Muskelkraft betriebene Abschussvorrichtung für kurze, kleine Bolzen oder Pfeile mit einem auf einem Schaft oder Mittelsäule montierten hölzernen Bogen, dessen Sehne in einer Nuss als Rückhaltevorrichtung in gespannter Position gehalten und über einen Abzugsmechanismus ausgelöst werden kann. Die Armbrust wurde mit der Hand oder einem Spanngürtel, der mit einem Haken versehen war, gespannt. Am vorderen Ende der Mittelsäule befindet sich mit dem Steigbügel oder Stegreif ein eiserner Bügel, in den der Fuß zum Spannen gesetzt wird, der den Bogen am Boden hält, während die Sehne in die Nuss geführt wird. Beim Abschuss gibt der Abzugsbügel (Auslöser) die Sehne aus der Nuss frei, die die Kraft des Bogens auf den Bolzen überträgt. Im Laufe des 12./13. Jahrhunderts löste die Armbrust in weiten Teilen Westeuropas den Bogen als Fernwaffe ab. Im Weiteren unterlag sie technischen Neuerungen und Raffinessen, insbesondere der Spannvorrichtungen. Als Kriegswaffe wurde die Armbrust durch Handfeuerwaffen weitgehend ersetzt, fand jedoch weiterhin Verwendung als geräuschlose Waffe auf der Jagd. Heute erlebt die Armbrust eine Renaissance als Sport- und Jagdwaffe.

Abbildung 1: Dambeck bei Röbel, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte. Siegelstempel des Hinricus (Heinrich) Kint, zweite Hälfte des 13. bis erste Hälfte des 14. Jahrhunderts.Details anzeigen
Abbildung 1: Dambeck bei Röbel, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte. Siegelstempel des Hinricus (Heinrich) Kint, zweite Hälfte des 13. bis erste Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Abbildung 1: Dambeck bei Röbel, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte. Siegelstempel des Hinricus (Heinrich) Kint, zweite Hälfte des 13. bis erste Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Abbildung 1: Dambeck bei Röbel, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte. Siegelstempel des Hinricus (Heinrich) Kint, zweite Hälfte des 13. bis erste Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Die meisten Darstellungen von Armbrüsten in der Bildenden Kunst des Mittelalters zeigen kaum technische Details der Waffen, geben aber immer die charakteristischen Bauteile, wie den Schaft, den zumeist gespannten Bogen mit Sehne sowie Abzugsbügel und Stegreif wieder (u.a. https://ica.themorgan.org/manuscript/page/14/145388).

 

Abbildung 2: Dambeck bei Röbel, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte. Siegelstempel des Hinricus (Heinrich) Kint, zweite Hälfte 13. bis erste Hälfte 14. Jahrhunderts, moderner Abdruck. Details anzeigen
Abbildung 2: Dambeck bei Röbel, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte. Siegelstempel des Hinricus (Heinrich) Kint, zweite Hälfte 13. bis erste Hälfte 14. Jahrhunderts, moderner Abdruck.

Abbildung 2: Dambeck bei Röbel, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte. Siegelstempel des Hinricus (Heinrich) Kint, zweite Hälfte 13. bis erste Hälfte 14. Jahrhunderts, moderner Abdruck.

Abbildung 2: Dambeck bei Röbel, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte. Siegelstempel des Hinricus (Heinrich) Kint, zweite Hälfte 13. bis erste Hälfte 14. Jahrhunderts, moderner Abdruck.

All diese Merkmale zeigt eine Armbrust als Siegelbild eines mittelalterlichen Siegelstempels, den der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Thomas Pfeiffer in Dambeck (Fpl. 4), etwa sieben Kilometer westsüdwestlich von Röbel (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte), fand. Der runde Siegelstempel aus Messing mit einem Durchmesser von 34 mm hat als Handhabe einen rückseitigen Ösensteg (Abb. 1). Die in gotischen Majuskeln ausgeführte Schrift + S’ HINRICI * KINT + ist in zwei Perlkreise eingeschrieben, Vor- und Nachname sind durch einen Stern getrennt. Die überwiegend als Unzialen ausgeführten Buchstaben (H, K, N, R) tragen am Ende der Serifen eine Kreuzblüte. Wappenbild in einem senkrecht stehenden Schild ist eine schrägrechts gestellte, gespannte Armbrust mit eingelegtem Pfeil auf schraffiertem Untergrund. Die rhombischen Felder sind jeweils mit einer Kreuzblume belegt, die drei Felder zwischen Wappen und innerem Perlkreis mit floralem Rankenwerk gefüllt. Die Bogensehne der gespannten Armbrust erscheint geflochten, deutlich erkennbar sind der Stegreif zum Spannen und der Abzugsbügel. Nach Größe und Schriftbild zu urteilen, ist der Siegelstempel in die zweite Hälfte des 13. bis in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zu datieren.

Ein Heinrich Kint wurde erstmals am 4. Juni 1288 aktenkundig, als Fürst Nikolaus von Werle (*vor 1275, †1316) der Stadt Röbel das Eigentum von vier Hufen im später wüst gefallenen Dorf Kussekow verlieh, welche die Stadt von Heinrich Kint (Hinrico dicto Kint) gekauft hatte (MUB III, Nr. 1962).

Zehn Jahre später, am 19. Februar 1298, bestätigten Bischof Johann von Havelberg, Fürst Nikolaus von Werle, der Archidiakon und mehrere Ratsmänner der Neustadt von Röbel, dass Heinemann Kint (Heynemannus Kynt) dem dortigen Heilgeist-Hospital Hebungen aus Klein Wa(c)kstow zur Abhaltung von Messen geschenkt hatte (MUB IV, Nr. 2486).

Eine Generation später bezeugte ein Hincrico Kindt neben anderen glaubwürdigen Zeugen am 11. Juni 1335 die Stiftung und Ausstattung einer Vicarie an der Marienkirche in Röbel mit Hebungen aus Walow durch die Knappen Pritzbuer von Kelle und Gerhard von Berne (MUB VIII, Nr. 5598).

Dass ein Heyne Kint, der nochmals fast 30 Jahre später am 30. Juni 1362 als Ratsherr der Stadt Röbel die Pfandhuldigung der Stadt gegenüber Herzog Albrecht von Mecklenburg (*1318, †1379) leistete, dieselbe Person wie Hinrico Kindt war, können wir nur vermuten (MUB XV, Nr. 9056).

Nach Urkundenlage ist davon auszugehen, dass die Familie Kint im 14. Jahrhundert im Rat der Stadt Röbel vertreten war, aber mit Johann Kint auch einen Kleriker der Havelberger Diözese und ständigen Vikar am Ratzeburger Dom stellte. Johann Kint lässt sich urkundlich von 1371 (MUB XVIII, Nr. 10211) bis 1398 (MUB XXIII, Nr. 13284) als Ratzeburger Kleriker nachweisen. 1379 trennte er sich anscheinend von seinem verbliebenen Besitz um Röbel, schenkte einen Bauernhof mit 2 Hufen und einem Katen in Melz der Marienkirche in Alt Röbel, zu seinem und seiner Eltern Bertold und Margarethe Gedächtnis (MUB XIX, Nr. 11211).

Die Zugehörigkeit des Klerikers Johannes Kint vom Schweriner Domkapitel zur Röbeler Familie ist eher zweifelhaft, führte dieser doch einen Greifenkopf in seinem Wappenschild (MUB XXIII, Nr. 13201). Auch die adeligen Rügenschen und Lüneburgischen Kint hatten ein abweichendes Wappen.

Auch wenn von den Röbelschen Kint keine Siegel überliefert sind, können wir mit großer Sicherheit davon ausgehen, den ehemaligen Besitzer des Dambecker Siegels in dieser Familie zu verorten. Weiterhin ist es wahrscheinlich, dass die Familie ursprünglich zum niederen Adel der Gegend gehörte, bevor sie in der Stadt ansässig wurde und ihren Lehnsbesitz aufgab.

Wie der Siegelstempel an seinen Fundort gelangte, wird wohl nicht zu ermitteln sein. Einfach verloren haben wird ihn der ehemalige Besitzer kaum. Denkbar ist, dass er mit einer innerstädtischen Latrinenentleerung auf ländlichen Besitz der Familie Kint kam, wie es gelegentlich im Umfeld der Hansestädte an der Ostseeküste wahrscheinlich gemacht werden kann (Ansorge 2014).

Dr. Jörg Ansorge

Literatur:

Jörg Ansorge (2014): Die ältesten Siegelstempel Stralsunder Ratsherren aus dem 13. und 14. Jahrhundert. – StraleSunth - Stadt-Schreiber-Geschichte(n), Jahrgang 4, 141–144.

MUB = Mecklenburgisches Urkundenbuch, Band I-XXV. Schwerin 1863-1977.

2026 - Funde des Monats

2025 - Funde des Monats

2024 - Funde des Monats

2023 - Funde des Monats

2022 - Funde des Monats

2021 - Funde des Monats

2020 - Funde des Monats

2019 - Funde des Monats

2018 - Funde des Monats

2017 - Funde des Monats

2016 - Funde des Monats

2015 - Funde des Monats

2014 - Funde des Monats

2013 - Funde des Monats

2012 - Funde des Monats

2011 - Funde des Monats

2010 - Funde des Monats

2009 - Funde des Monats

2008 - Funde des Monats

2007 - Funde des Monats